Das Heft – Nr. 87

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Editorial

Zum fluter-Heft Spiele

Wer spielt, lässt sich ein: auf das Unerwartete und Zufällige, auf sich selbst und auf andere. Spiele als Zeitverschwendung abzutun verkennt die Aushandlungs- und Lernprozesse, die Möglichkeiten. Denn Spiele sind Zonen der Freiheit. Hier können Emotionen rausgelassen werden: Hoffnung, Lust, Freude, Angst, Wut und Frust. Spiele sind darauf ausgelegt, sich auszuprobieren, die anderen zu fordern, selbst einzustecken, zu verhandeln, Rollen zu spielen, Krisen zu meistern und Identitäten zu wechseln. Spiele schweißen Gruppen zusammen oder aber befeuern den gnadenlosen Wettkampf. Dabei können Kinder und Jugendliche die Erwachsenen dominieren, die Mächtigen können entmachtet werden. Während es im Alltag oft mühsam ist, Souveränität zu gewinnen, macht es im Spiel vor allem eines – Spaß.

In Spielen steckt also ein riesiges Potenzial. Das kann genutzt werden, unter anderem für den Unterricht in der Schule. Aber auch wirtschaftlich. Videogames sind weltweit inzwischen die größte Sparte in der Unterhaltungsindustrie und machen Konzernen Lust auf mehr Umsatz. Einige Hersteller setzen zum Beispiel auf In-Game-Käufe und Lootboxen, digitale Schatztruhen, die manchen das ganze Taschengeld kosten und dem Glücksspiel ähnlich sind.

Unterschiedliche Interessen und Konflikte zeigen sich in der Gaming-Welt auch in anderen Bereichen. So ist der Spielekosmos von unfreien Machtverhältnissen gekennzeichnet – und von Versuchen, diese aufzubrechen: wie Sexismus im Bereich der Videospielproduktion, kolonialistische und rassistische Motive in Gesellschaftsspielen, Hass und Propaganda in Communitys.

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Und doch können sich gerade Spiele solchen Ungleichheiten entziehen. Selbst wenn die Umstände und Voraussetzungen verschieden sind, Spiele gibt es überall auf der Welt und für alle. Dafür braucht es nicht zwangsläufig Geld und große Arenen, manchmal reichen die Hände. Ob in Form des Brettspiels, als Sport oder Videogame – die Möglichkeiten des Spiels gilt es zu bewahren. Manchmal auch gegen sich selbst. Dann nämlich, wenn das Spielen zur Sucht wird und der Abgleich mit der Außenwelt verloren geht. Dabei ist der Gewinn über sich selbst vielleicht der größte von allen.

Spiele können Trainingsplätze fürs Leben sein. Das von diesem Heft ebenfalls zu behaupten wäre vielleicht ein bisschen sehr viel Anspruch. Aber eines darf es gerne mit Spielen gemeinsam haben: den Spaß.

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.