Angesichts der vom Immobilienverband Deutschland (IVD) für die ersten beiden Quartale 2015 ermittelten durchschnittlichen Münchner Kaltmiete von 12,60 Euro pro Quadratmeter erscheinen selbst Großstädte wie Köln, Stuttgart oder Hamburg fast günstig. Im Schnitt liegen diese Metropolen rund zwei bis drei Euro unter dem durchschnittlichen Mietniveau der bayerischen Landeshauptstadt. Auch ein Eigenheim in München ist teuer. Der Quadratmeterpreis für eine neue hochwertige Eigentumswohnung in guter Lage beträgt etwa 6.400 Euro.

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Ok, diese Darstellung ist leicht übertrieben: Fakt ist, in Duisburg gibt's mehr Wohnraum fürs Geld (Illustration: Arndt Benedikt)
Ok, diese Darstellung ist leicht übertrieben: Fakt ist, in Duisburg gibt's mehr Wohnraum fürs Geld (Illustration: Arndt Benedikt)

Verwunderlich sind die hohen Preise nicht. München ist beliebt und erlebt seit einigen Jahren einen kontinuierlichen Zuzug. Laut Statistischem Amt München wuchs die Stadt an der Isar in den vergangenen zwölf Monaten um gut 28.000 Menschen. München lockt mit seinen kulturellen Vorzügen und mit Arbeitgebern wie BMW, Siemens oder der Allianz. Nirgendwo in Deutschland ist die Dichte der DAX-30-Unternehmen höher, was der Stadt eine hohe durchschnittliche Kaufkraft und viele Arbeitsplätze beschert. Die Arbeitslosigkeit lag in der Landeshauptstadt mit 4,9 Prozent im September weit unter dem Bundesdurchschnitt von 6,2 Prozent.

Dem steht aber viel zu wenig bezahlbarer Wohnraum gegenüber. Die Neubauprojekte können den Bedarf nicht decken, und gerade kleine und günstige Wohnungen werden kaum gebaut. So haben die weniger Wohlhabenden darunter zu leiden, dass die durchschnittliche Kaufkraft durch die zahlreichenvielen Spitzenverdiener in München so hoch ist. Dazu kommt noch ein hoher Anteil vonan Single-Haushalten, immerhin 54,4 Prozent aller Münchner leben allein. Die Konsequenz: Weniger Menschen verbrauchen mehr Platz. Das geringe Angebot lässt Mieten und Kaufpreise weiter ansteigen.

Unter den hohen Preisen leiden auch junge Menschen, wie etwa Studenten mit kleinem Budget. Im letzten Wintersemester legten die Preise für die Warmmiete laut „Mietpreis-Check Unistädte“ von immowelt.de noch einmal um sieben Prozent zu, von 17,50 Euro auf 18,70 Euro pro Quadratmeter für eine Single-Wohnung. Auch das WG-Leben ist in München alles andere als günstig. Für ein WG-Zimmer in der bayerischen Hauptstadt zahlen Studierende im Schnitt 543 Euro. Davon lassen sich die Studenten allerdings nicht abschrecken: München ist ein beliebter Studienort, beide Universitäten verzeichnen steigende Studentenzahlen.

Im Ruhrpott wohnt's sich preiswert – doch dahinter steckt leider keine Erfolgsstory

Solche Probleme einer florierenden Metropole müssen von Duisburg aus betrachtet sehr weit weg erscheinen. Wohnen ist in der Ruhrpott-Stadt mit – durch den IVD ermittelten – 4,90 Euro pro Quadratmeter unglaublich preiswert. Eine Drei-Zimmer-Eigentumswohnung mit 80 Quadratmetern Wohnfläche kostet in Duisburg im Schnitt 144.000 Euro – im Neubau. Wer sich für eine gleich große „gebrauchte“ Immobilie entscheidet, ist sogar schon mit durchschnittlich 64.000 Euro dabei. Dafür könnte man in München gerade mal ein zehn Quadratmeter großes Zimmer in Toplage kaufen.

Auch Studenten haben es in Duisburg gut, selbst wenn sie etwas teurer als der Durchschnitt leben. Knapp 6,20 Euro Kaltmiete zahlen sie für einen Quadratmeter in einer Single-Wohnung – und das angesichts der Attraktivität der Stadt als Hochschulstandort: Die Universität Duisburg-Essen gehört zu den größten in Nordrhein-Westfalen. Seit 2009 stieg die Zahl der Studierenden von insgesamt gut 30.000 auf mehr als 40.000. Mit einem fehlenden Zuzug von jungen Menschen sind die günstigen Mieten also nicht zu erklären. Auch die Einwohnerzahl von knapp 488.000 Menschen blieb wenigstens in den letzten vier Jahren nahezu konstant.

Der Schuh drückt eher in puncto Kaufkraft. Der Strukturwandel des Ruhrgebietes ist keine Erfolgsgeschichte: Viele Zechen und Fabriken haben jede Menge Menschen entlassen oder wurden geschlossen. Zulieferbetriebe gingen pleite, Industrie brach weg. Und Firmenneugründungen gibt es eher selten. Mit 13,1 Prozent liegt die Arbeitslosenquote in Duisburg fast dreimal so hoch wie in München. Vor allem die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist ungewöhnlich hoch. Ganze Straßenzüge verkommen. Nur wenige möchten dort noch leben, geschweige denn investieren. Und so ist bezahlbarer Wohnraum im schlimmsten Fall, wie in Duisburg, ein Zeichen für den schleichenden Abstieg mancher Stadtteile.

Birk Grüling wuchs im niedersächsischen Niemandsland auf, studierte Mathe und Kulturjournalismus in Hannover und verlor dann sein Herz an Hamburg. Als freier Journalist schreibt er aus der Hansestadt für große Tageszeitungen und Magazine über Wissenschaft und Gesellschaft.