Wie man im Wahl-O-Mat-Team landet? Eigentlich ganz unspektakulär: Auf bpb.de gab es eine Ausschreibung. Die hatten mir mehrere Menschen geschickt, und ich dachte mir: Oh, das klingt spannend, da wäre ich gerne dabei. 

Mein Anliegen war, mitzuhelfen, dass es im Wahl-O-Mat um möglichst viele verschiedene Themen geht. Seit dem Sommer 2015 hat das Thema Flucht die Medien und die politische Debatte in Deutschland dominiert. Natürlich ist es sehr wichtig. Aber das Thema bietet populistischen Parteien auch einfach eine sehr große Bühne. Mein persönliches politisches Herzensthema ist Foodsharing, also das Retten und Teilen von Lebensmitteln, die sonst im Müll landen würden. Unsere Aufgabe als Redaktionsteam war es allerdings, möglichst neutral zu bleiben. Also eben nicht bestimmte Thesen unbedingt in den Wahl-O-Mat zu bringen, nur weil sie uns persönlich besonders viel bedeuten.

„Wir achteten beim Auswählen der Thesen vor allem auf zwei Fragen“ 

Auch wenn zwei Drittel der Wahl-O-Mat-Nutzer über 30 Jahre alt sind, ist das Tool vor allem als Angebot für junge Menschen gedacht. Deshalb werden die Thesen des Wahl-O-Mats auch von einer jungen Redaktion entwickelt: Alle waren zwischen 18 und 26 Jahre alt. Ich gehörte mit meinen 24 schon zu den Ältesten.

Vom Alter mal abgesehen war das Team aber wirklich sehr gemischt: Es waren einige Studierende dabei – und die kamen auch nicht alle aus der Politikwissenschaft, sondern genauso aus Fächern wie Medizin und Architektur. Dann waren natürlich Azubis dabei. Und außerdem einige Leute, die – so wie ich – schon arbeiten, zum Beispiel als Journalistin oder Friseurin. Zu unserem relativ bunten Haufen von rund 25 Leuten kam noch ein zehnköpfiges Begleitteam von der bpb dazu, das uns fachlich und wissenschaftlich unterstützte.

„Welche Themen sind gesamtgesellschaftlich relevant?“

Die Redaktion hat zwei Workshops gemacht. Beim ersten Mal kamen wir für ein Wochenende zusammen. Zwei Tage lang haben wir uns in die Arbeit gestürzt, um am Ende 80 Thesen für den Wahl-O-Mat zu liefern. Die gingen dann erst mal an die Parteien, die zu den Thesen Stellung beziehen sollten: Stimmen sie einer These zu, finden sie die Aussage falsch, oder stehen sie ihr neutral gegenüber und warum? Danach traf sich die Redaktion ein zweites Mal und wählte 38 finale Thesen aus – da konnte ich wegen eines anderen Termins aber leider nicht dabei sein. 

Für unseren ersten Redaktionsworkshop trafen wir uns in Bonn in einem Hotel. Am Freitagnachmittag sind alle eingetrudelt, und nach einem gemeinsamen Start mit der gesamten Redaktion haben wir uns dann in kleinere Gruppen aufgeteilt. Insgesamt waren wir fünf Teams, thematisch organisiert: In meiner Gruppe ging es um Steuern, Wirtschaft und Landwirtschaft. Erst steckten wir die Themen grob ab. Wir beschlossen zum Beispiel, dass es im Wahl-O-Mat Thesen zu Freihandelsabkommen und Erbschaftssteuer geben sollte. Dazu haben wir uns dann Feedback von den anderen geholt, haben anschließend erste Thesen entwickelt, diese wieder präsentiert, die Thesen daraufhin verfeinert … So ging es hin und her zwischen der Arbeit in der Kleingruppe und der Diskussion mit der gesamten Redaktion. Am Sonntag hatten wir gemeinsam fast 130 Thesen aufgestellt, aus denen wir schließlich 80 auswählten, die wir anschließend an die Parteien weitergaben.

„Und mit welchen Thesen kann man Parteien gut voneinander unterscheiden?“

Wir achteten beim Auswählen der Thesen vor allem auf zwei Fragen: Welche Themen sind gesamtgesellschaftlich relevant? Und mit welchen Thesen kann man Parteien gut voneinander unterscheiden? Wenn wir zum Beispiel schon einige Thesen gesammelt hatten, die Unterschiede zwischen SPD und CDU aufzeigen, dann suchten wir im Anschluss nach solchen, die linke und liberale Parteien differenzieren.

Es ist echt gar nicht so einfach und auch durchaus zeitaufwendig, eine gute These für den Wahl-O-Mat zu entwickeln. Einzelne Worte machen oft einen großen Unterschied und können ausschlaggebend dafür sein, ob Parteien einer These zustimmen oder nicht.

Generell hätte ich nicht gedacht, dass so viel Arbeit hinter dem Wahl-O-Mat steckt. Vor den Workshops hatte das wissenschaftliche Begleitteam ja schon die Wahlprogramme aller Parteien ausgewertet. Und dann passiert ja auch noch ganz viel Technisches rund um das Webtool. 

„Einzelne Worte machen oft einen großen Unterschied“

Ich bin zwar ein politisch interessierter Mensch, aber durch die Arbeit im Redaktionsteam habe ich noch mal viel über Parteien gelernt. Vorher hatte ich keinen Überblick über die vielen kleinen Parteien und wusste nicht, wofür sie eigentlich genau stehen. Insgesamt war es ein anstrengendes, aber wunderbares Wochenende; ich würde sofort wieder mitmachen. 

 

Vor der Bundestagswahl werden viele Menschen den Wahl-O-Mat nutzen. Daher bin ich ganz froh, dass wir als großes Team daran gearbeitet haben und die damit verbundene Verantwortung gemeinsam tragen. Ich stehe aber total hinter unserem Ergebnis: Ich weiß, wie gewissenhaft die Thesen zustande gekommen sind, und freue mich darauf, dass der Wahl-O-Mat endlich veröffentlicht wird.

Manuel Wiemann, 24, arbeitet als Projektkoordinator.

Illustration: Bureau Chateau / Jannis Pätzold