Wenn westliche Touristen nach Afrika reisen, wollen sie oft alles fotografieren, was nicht so aussieht wie bei ihnen zu Hause. Die Landschaft, die Häuser, die Tiere – und die Menschen. Und die sollen auch bitte alle zu den persönlichen Vorstellungen von der Reise in die Ferne passen. Max Siedentopf, der in Namibia aufwuchs, heute in den Niederlanden lebt und international als Fotograf tätig ist, hat sich schon lange darüber gewundert, wie selbstverständlich wohlhabende Touristen davon ausgehen, von der Bevölkerung gestellte Fotos kaufen zu können. Darüber, wie sie bereitwillig den Geldbeutel zücken für ihre Fotomotive, als Gegenleistung dafür aber Anweisungen geben, wie die denn zu posieren hätten. Egal ob man die Menschen damit bevormundet oder für die eigenen, häufig kolonial geprägten Fantasien ausnutzt. Bitte einmal recht exotisch! 

„Dabei wird das Foto zu einer Lüge, die das Individuum, dessen Kultur und ihre Geschichte ausnutzt und abwertende Klischees bedient. Die Versuchung, leicht an Geld zu kommen, ist in armen Ländern jedoch groß, weshalb viele Leute zustimmen und machen, was die reichen Westler von ihnen fürs Foto wollen“, sagt Siedentopf.  

Die Regeln des Touristenspiels mit Einheimischen-Fotos einfach mal verdrehen

Für seine Fotostrecke „Funny Money“ verdreht er die Regeln dieses Touristenspiels. Er fragte seine Landsleute, ob er sie fotografieren dürfe, und wenn sie von sich aus dafür Geld wollten, gab er es ihnen, ohne zu verhandeln. Vor allem aber durften sie sich so zeigen, wie sie es gerne wollten. Einzige Bedingung: Das Geld muss auf dem Foto sichtbar sein. Siedentopf hatte 1.700 namibische Dollar (als die Fotostrecke 2016 entstand, waren das 100 Euro) – die reichten für 23 Fotos. Niemand hatte mehr als umgerechnet fünf Euro verlangt. Aber alle hatten sich ziemlich was ausgedacht für das Porträt. (fd)

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Funny Money
Funny Money als Fotobuch, 36 Seiten, KesselsKramerPublishing