Samia Miloud Bida hat manchmal Angst, aus dem Fenster zu schauen. „Weil man jederzeit eine Kugel abbekommen kann“, sagt die junge Frau. Samia wohnt in La Castellane, einer Banlieue am nördlichen Stadtrand von Marseille, wo Drogen und Waffen relativ leicht, Arbeit und Hoffnung dafür nur sehr schwer zu finden sind. In kaum einer europäischen Metropole ist das soziale Gefälle so groß wie dort.

Samia will nicht, dass das so bleibt. Deshalb arbeitet sie neben ihrem Studium in einem Sozial- und Kulturzentrum. Dort betreut sie Kinder und Jugendliche, gibt Tanzkurse, organisiert Feste, will zeigen, dass es auch noch ein anderes Leben gibt als das auf der Straße: „Nur weil man aus einem benachteiligten Viertel in Marseille kommt, heißt das nicht, dass man als Dealer enden muss.“

Wo Drogen und Waffen leicht, Arbeit und Hoffnung dafür nur sehr schwer zu finden sind

Für fluter.de waren die Filmemacher Natalie Pfeiffer und Alejandro Hainsfurth in La Castellane und haben Samia und andere Sozialarbeiter fünf Tage lang bei ihrer Arbeit begleitet. Jugendliche, die mit Drogen dealen, haben sie in dieser Zeit nicht vor die Linse bekommen. Nicht, weil keiner mehr dealt, sondern weil der Druck auf die Jugendlichen enorm und die Gefahr, durch Medienberichte in Bandenkonflikte zu geraten, groß ist.

Die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen ohne, ist laut Experten einer der Gründe, warum Frankreichs Gesellschaft so gespalten ist. Und auch: warum der Terror immer wieder Frankreich trifft. Sie kritisieren vor allem, dass viel zu wenig Geld in die Hand genommen wird, um die Menschen an den Rändern der Großstädte wieder zu integrieren.