Thema – Mode

ABO
Mediathek

Der kann nicht alles tragen

Ob Markenhemd oder afghanische Tracht: Unser Autor wird für seine Klamotten verurteilt. Über die textilen Schwierigkeiten als muslimischer Mann

  • 6 Min.
Emran

Ich spaziere durch Innsbruck, meine österreichische Geburtsstadt im Herzen der Tiroler Alpen. „Fescher Mann, aber woher das Geld“, murmelt eine ältere Dame vor sich hin. Ein Mann starrt mich verächtlich an. Ich gehe weiter. Dass ich aufgrund meines Äußeren Diskriminierung erlebe, ist nichts Neues. Ich bin fast einen Meter neunzig groß, schwarzhaarig und vollbärtig. Kein ganz klassischer Österreicher. Für viele Menschen steht praktisch auf meiner Stirn geschrieben, dass ich einen muslimischen Hintergrund haben muss, und daraus ziehen sie ihre Schlüsse. So weit, so alltagsrassistisch. Mein Bart, meine Haare sowie Haut- und Augenfarbe bleiben stets gleich. Was sich aber ändert, ist meine Kleidung – und die stellt mich als muslimisch gelesenen Mann immer wieder vor Probleme.

Ich achte auf meinen Kleidungsstil. Gerne trage ich einen Mantel, meinen Lieblingspullover, elegante Stiefel und irgendeine Jeans. Ob Markenklamotten oder No-Name-Brands ist mir dabei meistens egal. Es muss passen, halten und gut aussehen. Doch einige Menschen sehen in meiner Kleidung mehr, als mir lieb ist. Ein gut angezogener, muslimisch gelesener Mann ist für Teile der weißen Mehrheitsgesellschaft ein Affront oder zumindest eine Irritation. Das ist nicht nur im erzkonservativen Innsbruck der Fall, sondern auch in Berlin oder Stuttgart, wo ich zurzeit lebe. Im Grunde genommen ist es ähnlich wie mit einem schicken Sportwagen. „Wie kann sich der denn so etwas leisten? Der ist doch gerade erst aus Syrien oder Afghanistan in unser Land gekommen“, sagen manche über mich.

„Formell und schick? Da kann etwas nicht stimmen. In Turnschuhen und Jogginghose? Muslimische Sozialschmarotzer!“

Nicht nur mir, sondern auch vielen Geflüchteten, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland oder Österreich gekommen sind, ist ihr Erscheinungsbild wichtig. Sie wollen gut und gepflegt aussehen und das auch zeigen: einerseits den Menschen in der neuen Heimat, von denen sie ohnehin oft kritisch beäugt werden; andererseits den Verwandten im fernen Ausland. Immerhin hat es nicht jeder nach Europa geschafft.

Wenn Menschen andere Menschen „muslimisch“ lesen, ist damit gemeint, dass sie von Aussehen oder sonstigen äußeren Merkmalen (z.B. Kleidung) auf eine ethnische oder religiöse Zugehörigkeit schließen – egal ob das stimmt oder nicht.

Doch egal, was man als muslimisch gelesener Mann anzieht, ständig wird man abgestempelt. Formell und schick? Da kann etwas nicht stimmen. Locker, leger und in Jogginghose? Arbeitsloser Sozialschmarotzer! In Deutschland berichten rund die Hälfte der Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund von Diskriminierungen. Das ergab eine Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration 2018. Besonders betroffen sind demnach Musliminnen und Türkinnen. Kein Wunder: Zur erwähnten Sichtbarkeit gehört eben auch die Kleidung, in ihrem Fall: das Kopftuch.

emranferoz.jpg

Emran
„Wie kann sich der sowas leisten?“ Das hört unser Autor manchmal, wenn er mit Hemd durch die Straßen läuft …

emranferoz_3.jpg

Emran

… trägt er Peran Tumban, wird ihm hingegen mangelnder Integrationswille unterstellt

Zugegeben, es passiert nicht oft, aber manchmal lege ich mir meine afghanische Tracht, den Peran Tumban (wortwörtlich übersetzt: Kleid und Pluderhose), an. Während ethnic clothes in Metropolen wie London oder New York zum Alltag gehören und Sikhs und Muslime sogar ihre religiösen Kopfbedeckungen während des Polizeidienstes tragen dürfen, sind derartige Szenen in Deutschland eine Ausnahme und teilweise sogar gesetzlich verboten. Ich trage Peran Tumban nur zu besonderen Anlässen, zu religiösen Feiertagen, Hochzeiten oder Volksfesten. Meist trägt man dazu eine Weste und Sandalen. Wer es auf die Spitze treiben will, setzt sich noch einen Pakol-Hut oder einen Turban auf.

In Kabul käme der Peran Tumban auch nicht besser an

Natürlich gibt es viele Menschen, die solch eine Kleidung schön finden. Allerdings nur in einem gewissen Maße: Wer es mit Pluderhose und Turban übertreibt, gilt als nicht integriert. Das oftmals weiße Gegenüber hat sich schon längst sein eigenes Bild gemacht, bevor man überhaupt den Mund aufmacht: Parallelgesellschaft, religiöser Extremismus, Taliban. Es gab Situationen, in denen ich mit meinem Peran Tumban Supermärkte und Tankstellen betrat und nicht nur skeptisch, sondern auch feindselig angestarrt wurde – bis ich den Mund aufmachte und man mein akzentfreies Deutsch hören konnte. Abgesehen vom Äußeren ist die Sprache ein wichtiger Aspekt, der zu Diskriminierung und rassistischem Verhalten führen kann. Wer akzentfrei spricht oder gar einen lokalen Dialekt wie ich, hat meist weniger zu befürchten als jene, die das nicht tun.

Ironischerweise könnte ich auch in Kabul den Peran Tumban nicht tragen, ohne anzuecken. Dort hat es Tradition, dass sich urbane Eliten durch ihre Kleidung vom „einfachen Volk“ abgrenzen. In den 1970er-Jahren trug mein Vater in Kabul ausschließlich westliche Kleidung. Auch heute noch versuchen viele junge Afghanen, sich durch westliche Mode „aufzuwerten“. In vielen postkolonialen Staaten ist das so. Die Wurzel des Ganzen sitzt tief: In den 1920er-Jahren versuchte der afghanische König Amanullah Khan das Land zu modernisieren, indem er der Bevölkerung nach seinen Reisen in Europa unter anderem westliche Kleidung aufzwang. Wer Peran Tumban trug, galt als rückständig. Bei politischen Versammlungen mussten alle Teilnehmer ihre afghanische Tracht ablegen. Stattdessen ordnete der König Anzug und Krawatte an. Das Ganze nahm kein gutes Ende für Amanullah Khan. Er wurde gestürzt und verjagt.

Was der König nicht verstanden hatte und viele bis heute nicht einsehen wollen: Progressivität hat wenig bis gar nichts mit dem Kleidungsstil von Menschen zu tun. Afghanische Trachten bedeuten nicht automatisch, dass ihr Träger rückständig ist. Genauso wenig stehen westliche Modeerscheinungen für die einzig wahre, moderne und aufgeklärte Erleuchtung. Doch solange derartige Konstrukte in den Köpfen vieler Menschen bestehen bleiben, werde ich wohl weiter vor meinem Kleiderschrank verzweifeln.

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

103 Kommentare
Meine Meinung dazu...
Die Angabe eines Namens ist freiwillig. Ich willige mit "Speichern" ein, dass die bpb den ggf. angegebenen Namen zum Zweck der Prüfung und Veröffentlichung meines Kommentars verarbeitet. Sie können diese Einwilligung jederzeit widerrufen. Ausführliche Informationen zu Datenschutz und Betroffenenrechten finden Sie hier: Datenschutzerklärung
Christine Schöll
  ·  
23.09.2020-12:09

Dieser hübsche junge Mann kann alles tragen!!!
Ich finde es anmaßend von Menschen ihr Gegenüber auf ihre eigenen Vorurteile zu reduzieren.....trotzdem "die Deutschen" Weltmeister im reisen sind, wollen sie oft nichts von anderen Sprachen und Kulturen wissen. Wie schade und wie dumm!
In meiner Kindheit waren Märchen aus 1001 Nacht das Schönste überhaupt. Der Orient war schön und reizvoll. Nun da "der Orient" zum greifen Nahr ist mit seinen Menschen, die Sprache, Kultur und Gaunenfreuden zu uns bringen gibt es so viele Engstirnig, Neider und leider auch strohdumne Menschen, die deutschtümnelnd alles kaputt machen.
Schade, denn die Welt ist bunt und schön.

Steffi
  ·  
26.09.2020-10:09

Der Orient versuchte und versucht alles andere als reizvoll zu sein. Frauen waren und sind immer noch in vielen Ländern gezwungen Ganzkörperbedeckungen zu tragen und somit den "Reizen" den Garaus zu machen. Haben Sie schon mal die Vorurteile der Gegenseite den Deutschen, Österreichern gegenüber geprüft? Sehr einseitig, naiv Ihre Sichtweise und beleidigend. Vor allem "...Gaunerfreuden zu uns bringen...strohdumme Menschen, , die deutschtümnelnd alles kaputt machen". Ich weiß nicht, ob Sie diese frauendiskriminierende Kultur so toll finden werden, wenn sie hier ausgelebt wird.

Alexander
  ·  
26.09.2020-10:09

Na Mensch Christine, natürlich kann dieser junge hübsche Mann alles tragen. Ihr "Rumgebunte" ist genauso nervig wie das Deutschtümelnde (wobei hier in Deutschland das Deutschtümelnde endemisch, daher eher zu akzeptieren ist). Zum wahren Genießen der Gaumenfreuden etc. empfehle ich Ihnen den Umzug nach Neukölln, Wedding, Mannheim-Innenstadt. Mal sehen, wie lange Sie es aushalten. Am besten, Sie schulen auch Ihr Kind in eine "deutschfreie" Schule ein, mal sehen, wie lange Sie durchhalten. Aber soweit geht die Toleranz und das Rumgebunte wahrscheinlich nicht.

Uwe
  ·  
26.09.2020-01:09

"Strohdumme" Deutsche sind meines Erachtens eher Leute wie Sie, die selber ein extrem einfaches und infantil-naives Weltbild haben. Deutsche böse, Ausländer gut. Und: Auf sämtliche kulturelle Bereicherungen dieses sogenannten, mittlerweile fast überall "zum greifen nahen" Orients kann ich als schwuler Atheist gerne verzichten.

Anne71
  ·  
26.09.2020-01:09

Ich bin schon als Kind viel und weit gereist und war erstmals mit 10 Jahren in einen islamischen Staat, wo man noch traditonell lebte, das ist jetzt über 30 jahre her und damals dachte ich, wie gut es doch ist, das ich in Deutschland lebe und wir hier nicht so entsetzlich leben müssen. Und auch ich hatte damals - vorher - auch schon mit großer Begeisterung Märchen aus 1001 Nacht gelesen. Aber es waren eben auch nur MÄRCHEN!
Eine Kusine von mir hat auch an soe ein Märchen geglaubt und durch Heirat in Tunesien erlebt. Es wurde ein Albtraum für die damalige Medizinstudentin, obwohl der ebenfalls "junge hübsche Mann", der als solcher auch alles an Kleidung trug und tragen konnte, wohlhabend gewesen war.
Es ist die mangelnde Kompatibilitöt mit unserer Kultur, die viele Menschen instinktiv und auch ängslich erfassen und die in jeder freizügigen Gesellschaft irgendwann zum Problem wird.
Ich will als Frau diese frauenfeindliche Kultur des Islam hier nicht und auf Märchen in diesem Zusammenhang verzichte ich gerne!

Ralph Armin Schmid
  ·  
23.09.2020-05:09

Hoch interessant, und ja, klingt vertraut. Ich habe mich von Äußerem komplett abgekoppelt, ich laufe nur noch "in praktisch" rum, schwarze Carghohose, schwarzes T-Shirt, fertig, aus. Man kann mich für einen Arbeitslosen oder für einen einfachen Arbeiter halten, auch hielt man mich schon für Security-Personal, den Ingenieur und Freund klassischer Orgelmusik werden eher wenige hinter meiner Kluft vermuten, aber ohne das zusätzliche Spannungsfeld "sieht muslimisch aus" kann ich mit dem Privileg des Äußeren des 08/15-Deutschen schmerzfrei mit den Klischees und Erwartungen der Leute spielen und damit Spaß haben.

Man kann nur hoffen, daß man irgendwann auch bei arabischem Aussehen so entspannt durchs Leben gehen kann.

Benedikt
  ·  
24.09.2020-08:09

Genauso als verkleidet beäugt werden aber auch Leute, die deutsche Trachten tragen. (Abgesehen von Lederhosen in Bayern außerhalb Münchens.) Sicher ohne den rassistischen Aspekt, den ich gar nicht abstreiten will. Aber wer anders aussieht, fällt auf und - so abgedroschen das klingt - Kleider machen Leute.
Dass es dann keinen Unterschied macht, ob traditionelle Kleidung oder Shirt und Jenas getragen werden, zeigt aber doch eindrucksvoll, das wir noch einen langen weg vor uns haben.
Wobei ich das bei Polizisten, Soldaten, anderen uniformierten Beamten wiederum für richtig halte, dass sie "uniform" sind - aber das wurde ja auch hier nur am Rand angesprochem.)
Danke für den interessanten Text!

Hatice
  ·  
24.09.2020-12:09

Die Modernisierungsversuche in den 1920er Jahren durch den afghanischen König haben mich stark an Atatürk erinnert, der dem türkischen Volk nach der Gründung der türkischen Republik einen "moderneren" Kleidungsstil aufzwang, beispielsweise durch das Hutgesetz. Diese Maßnahme wird auch im Kleinen Prinzen von Saint-Exupéry erwähnt und als diktatorisch beschrieben. Die Stelle wurde dann in der türkischen Übersetzung zensiert bzw. umgeändert. Kleidung hat nichts mit Modernität zu tun und man wird ja auch nicht angefeindet, wenn man mit ner Tracht rumläuft.

Martin
  ·  
26.09.2020-11:09

"man wird ja auch nicht angefeindet, wenn man mit ner Tracht rumläuft."

Nein, das fängt schon vorher an. Allein, wenn man im Freundeskreis erwähnt, man fände das gar nicht so schlecht und würde das auch gerne mal probieren, erntet man schon scheele Blicke und abwertende Kommentare....

Mark
  ·  
26.09.2020-12:09

Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass dieses Thema letztlich viel komplexer ist, als man zunächst annehmen möchte. Soweit ich weiß, hat z.B. Atatürk für eine aufgeklärtere, weltoffene türkische Gesellschaft und positive Sozialreformen, wie auch z.B. das Frauenwahlrecht gekämpft - lange bevor es z.B. in Deutschland zugelassen wurde. Und das alles in einem sehr religiös-reaktionären Umfeld - für mich ein absoluter Held; von daher würde ich ihn hier ungerne alleine mit dem Prädikat diktatorisch stehen lassen, auch wenn es das sehr partikulär betrachtet zweifellos war. Bei all seinen sehr vernünftigen Reformen hatte Atatürk, wie gesagt, gegen eine sehr religiös-reaktionäre Kaste anzukämpfen und war gezwungen, gegen diese eine Deutungs- und Machthoheit zu gewinnen. Und das sagt ja nicht nur etwas über Atatürk aus, sondern insbesondere auch über die Menschen, die mit ihrem Hutgesetz (du musst einen solchen Hut tragen, sonst wirst du eben auch nicht als gleichwertig anerkannt) aussagt.

Barbara
  ·  
24.09.2020-01:09

Sie sehen in allen Klamotten umwerfend aus! Die afghanische Tracht steht ihnen besonders gut.

Bahramand
  ·  
26.09.2020-11:09

Ich als Afghanischer Muslim der auch in Deutschland lebt kann diesem Bericht nicht zustimmen, ich lebe seit 9 Jahren glücklich in Deutschland und habe hier studiert.

Zu der Afghanischen "Tracht" kann ich sagen das es einem selber klar sein sollte wenn man soetwas hier in Europa im Alltag trägt merkwürdige Blicke bekommt. Hat das gleich mit Rassismus zutuen ich denke nicht.
Wenn man eine Bayrische Tracht oder so etwas in der Art in einer anderen Stadt in Deutschland tragen würde dann würde dies auch "komisch" sein. Im besten Fall würden die Menschen neugierig werden, aber eine Sache ist ganz klar es lenkt die Aufmerksamkeit auf diese Person. Dann kommt die Frage will man dies oder nicht? Jeder kann tragen was die Person selber will dies ist klar,aber die konsequenzen muss jeder selber tragen. Manchmal muss man selber nachdenken und überlegen was das beste für einen selbst ist, ich ziehe auch keinen Jogginganzug auf einer Hochzeit an :)

Wenn ich mich voll Afghanisch kleiden will dann gehe ich zurück in mein Heimatland, ich denke das es die Pflicht ist sich anzugleichen in dem Land in dem man lebt.
Leider machen dies viele nicht und es trägt zu großen Spannunen zwischen uns Muslimen und Deutschen, wenn sich ein Deutscher in Afghanistan nicht den geflogenheit anpasst würde dies zu starken problemen führen.

Ich war immer schon ein offener Mensch mit Rassimus in Deutschland hatte ich nie etwas zutuen. Ich glaube ein großer Teil dieser Dramas wird von den Medien aufgebauscht. Außerdem finde ich den vergleich mit "geflüchteten" schlimm, da auch viele Muslime in Deutschland nichts mit diesen zutuen haben und dies auch nicht wollen.
Ich bin legal nach Deutschland gekommen, einige meiner Freunde auch. Meiner Meinung nach muss ich mich nicht Afghanisch kleiden um mein land zu represnetieren sondern ich als Mensch kann die anderen Menschen davon überzeugen das ich nicht Gefährlich bin oder mit gewissen Vorurteilen aufräumen.Vorurteile gibt es in jeder Kultur zwischen Deutschen und zwischen Afghanen, mit einem offenen Gespräch kann viel gelöst werden. Ich verstehe nicht wieviele andere Muslime so sehr schimpfen wie unfair sie behandelt werden aber sich selber nicht fragen können ob sie nicht selber eine Teilschuld haben.Ich bin Dankbar in Deutschland leben zu dürfen.

Gast
  ·  
27.09.2020-07:09

Die Tracht gefällt mir auch gut. Sieht bequem aus.

Gast
  ·  
25.09.2020-11:09

Ich werde auch oft als “irgendwie ausländisch” gelesen. Dabei waren schon alle möglichen Nationalitäten auf der Welt dabei. Dann habe ich als Frau auch noch extrem kurze Haare. Sehr überfordernd für die meisten... :) Allerdings sind das nicht nur, wie oft zu schnell rück geschlossen, “die konservativen weißen Deutschen”. Als Studentin an verschiedenen Unis in verschiedenen Fächern mit sehr alternativen und liberalen Menschen, traf ich auch dort schon auf komische Blicke zu meiner Kleidung, meinen Haaren und dem ewigen Rätsel nach meiner Herkunft.
Mittlerweile laufe ich jeden Tag total anders herum, weil ich es für mich entdeckt habe die Leute lieber mit ihrem Konservatismus, den sie selbst nichtmals bemerken, auffliegen zu lassen statt mich in Standardklamotten zu verstecken :)

Rheinländer
  ·  
26.09.2020-05:09

Der freundliche sieht in beiden Kleidungstiele schnieke aus. Allerdings muss man der realität ins Auge sehen , kleider machen Leute und Leute interpretieren sehr viel in Kleidung hinein. Dass eine klassische Afghanische tracht in unseren breitengrade mit strengen Konservatismus verknüpft wird ist doch offensichtlicht.
Wir interpretieren in allen Kleidungstielen etwas hinein , sei es Punks , Polizei , Nonnen, Der Blaumann , oder Faschisten. Kleidung zeigt nach aussen was wir von uns halten oder welche funktion wir ausüben.
Allerdings ist es eine schande , dass sie in ihren Streetwear trotzdem nicht mit der Masse schwimmen können. Würde ich Sie in meiner gegend Leben würden die meisten Bürger (Holzköpfe gibt es leider immer) als netten und zugänglichen Mann wahrnehmen und ich lebe definitiv nicht in einem aufblühenden Studentenvirtel. Leider ist der latente Alltagsrassismus schwer zu durchbrechen aber nicht unzerstörbar. Immer wenn ich mit Konservativen rede und Argumentieren kann , dass "diese uns jene Person" nicht den klassischen Sterotyp entspricht wird das als ausnahme Interpretiert. Aber je mehr Vorbilder man aufzählen kann desto mehr wird eine Ausnahme zum Realbild in Köpfen derer, die in Schubladen denken. Bleiben Sie freundlich , stoisch und gelassen - damit wir gemeinsam Schubladendenker aus der Schublade rausholen.

Stefan
  ·  
26.09.2020-05:09

Wollte mir eigentlich in Marokko eine Djellaba kaufen. Der Verkäufer war auch interessiert, zeigte mir dann auch eine Auswahl und sie würden mir auch eine Wunsch-Djellaba schneidern. Schlussendlich sagte ich ihm aber, dass ich sie in Deutschland nicht tragen könne, da ich ansonsten als Rassist gelten würde. Er verstand es nicht. Ich versteh es auch nicht, aber so ist es.
Wir wissen doch genau, warum wir uns in der Kindheit als Indianer verkleideten, Krawatten tragen und als Nicht-Bajuware Lederhosen anziehen.

Deniz Y.
  ·  
26.09.2020-05:09

was ein quatsch..als ob ernsthaft bei so ein Hemd die Leute tuscheln!? geschweige denn bei Sneaker...also bitte...wenn ihr euch unbedingt in den Mittelpunkt drängen möchtet und der Opferrolle fröhnen, nächstes mal nicht ganz so plump...denkt euch wenigstens interessantere Storrys aus.
Ps. bin selber Deutsch-Türke und fahre ein Sportwagen und noch nie habe ich derartige Kommentare zu hören bekommen. Aber vllt. bin ich auch nicht paranoid genug dass ich meine alle Welt würde über mich reden.
PPS. hört bitte endlich auf euch selbst als Ausländer usw zu sehen..DAS ist auch rasisstisch...und spaltet einfach genauso die Gesellschaft..es wird erst besser wenn wir uns alle einfach nur als Menschen verstehen (nicht als Opfer!)

Manfred Krüger
  ·  
26.09.2020-06:09

Ich bin Afrodeutscher, 1946 in Mannheim geboren. Bei allen erlebten Vorurteilen, eines habe ich gelernt - und bin dankbar drum - erst das Hören schaltet das vorurteilsbeladene Sehen aus. Jetzt beginnt die offene Zugewandtheit.

Fr. Dr. Sündüz ...
  ·  
26.09.2020-07:09

was kümmert sie so stark, was sie über sie denken, sie sollen

Fr. Dr. S. Aktimur
  ·  
26.09.2020-08:09

Geschichte wiederholt sich.
gerade die Deutschen, haben schnell vergessen, wie viele Menschen nach dem 2. Welkrieg mit den Schiffen an vielen Häfen von Deuschland nach Amerika ausgewandert sind, nach besseren Leben ohne Unterdrückung und suche nach Arbeit ohne ethnischer Verfolgung ist Grundrecht der Menschen, was wollen die Amerikaner seit 2001 in ihrem Land,jeder weiss , dass sie dort nicht Friedenswegen sind, sondern die weisse Heroinproduktion durch die Einheimischen Bauern fördern und die Märkte überwachen, Jeder Bauer der dort an der Produktion beteiligt ist lebt wie ein König haben alle einen schicken US Panzer vor die Türe, den übrigen Bewölkerung geht miserabel, haben sie siet Jahren im Fernseh eine einzige Frau auf der Strasse gesehen, ich nicht,sie kenne sich werder in kulturellen , noch in geographischen Gegebenheiten dieses Landes aus, ein Land mit den reichesten Bodenschätzen,Leider starben auch 4000 amerikanische Müttersöhne wegen dieser gescheiterten POlitik der USA, genauso so in Irak, haben sie einen grünen Zone geschaffen, dann haben sie Waffen dort zurück gelassen für alle Theröristischen Gruppen zum Bedienen. Da wundern sin sich, dass in ihren Ländern Europa und überall ISid aktiv wird und Anschläge machen..
man hat uns seit der Kindheit eingetrichtet, Supermacht Amerika geht hin sorgt für Frieden, und retet die einheimischen sorgt für Frieden, das ist eher Schein als sein,erst recht stiften sie in solchen Ländern Unruhe an , dann viele Menschen sind auf der Flucht vor dem Krieg, nehmen alle auf sich nach Europa zu gelangen, sie tun ihr ganzes hab und Hab und Gut in einen Rucksack, machen sich auf eine gefährliche Reise durch vielen Ländern, auch die unbegleitete Minderjährige, erleiden während dem Fluch schwere Misshandlungen und sexuelle Übergriffe, werden sie zusätzlich der Kriegstrauma noch mehr traumatisiert,sie müssen monatelang in psychiatrischen Kliniken und Ambulatorien psychologisch betreut werden müssen , bis sie wieder alltagstauglich werden, und bei einer Pflegefamilie oder Kinderheimen und Schulen plaziert werden, oder zur Adoption freigegeben werden .

Leider , wir bekommen auch davon zu spüren, da wir eine spezielle Klinik sind, die Kinder und Jugendliche nach unternommenen Suizidversuch krisenintervenieren und traumaspezifische Therapien in unseren 9 Kinder und
Jugendstationen anbieten.
allen wünsche ich trotzt Kältereinbruch einen happy WE, herzliche Grüsse aus der Schweiz

Ulrich Becker
  ·  
26.09.2020-08:09

Holla! Ein feiner Artikel!
Ich bin durch Zufall darauf gestoßen.
Das hätte ich von der Bundeszentrale für politische Bildung nicht erwartet.
Groß geworden in den 60igern, die Hochzeit der Gastarbeiter in Deutschland, kennt man die Zitate mit denen der Autor konfrontiert wird. Geändert hat sich nämlich nichts - aber durch die neuen Medien wird es - und das ist das Gute - jetzt in der Breite publik

Karl Marx
  ·  
26.09.2020-08:09

(Jogginghose)
Dass kommt auch bei Deutschen nicht gut an wenn ich oder andere mit Jogginhose herumlaufen sieht das einfach nach Harz 4 aus und slbst wenn ich Jeans trage dazu aber Hosenträger und Gürtel selbst bei nur einem kuckt man mich an wie eine Novum das gleiche mit Hut oder Spiegelsonnenbrille usw. !

(schwarzhaarig und vollbärtig)
Ein Kumpel meines Bruders ist das auch und er ist Deutscher und hat weiße Haut und der sieht auch aus wie ein Taliban, von dem hörte ich aber noch nicht von Geringschäzung oder Beleidigungen !

Was sagst du eigentlich zur Vollverschleierung gut oder nicht und Glaubengenossen die Christen vorschreiben wann sie welche Feste feiern sollen oder was sie dürfen und nicht dürfen ? (Schariapolizei)

Nina
  ·  
26.09.2020-08:09

Man(n) geht doch nicht in Tracht zur Arbeit. Außerdem sieht der Peran Tumban wie ein Schlafanzug für die meisten Europäer aus. Versuchen Sie mal als Frau in muslimsich religösen Ländern ohne Dresscode sprich Kopftuch aufzutreten. Etwas Ähnliches könnte ich auch behaupten, dass ich aufgrund meiner Kleidung (vor allem im Sommer) von gläubigen Muslimen als Ungläubige abgestempelt werde.

Nick
  ·  
26.09.2020-09:09

Die Deutschen sind in ganz Europa für ihren schlechten Kleidungsstil bekannt. Gleichzeitig gibt es hier kaum etwas für das man so schnell verurteilt wird, als wenn man mit seiner Bekleidung aus der Reihe fällt. Wenn ich im Sommer bei über 30 Grad mit langer Hose, Hemd und geschlossenen Schuhen herumlaufe, starren mir die Leute auch hinterher. Selbst meine Freunde mokieren sich manchmal über mein "formelles Auftreten". Bei Ihnen kommt zwar noch eine rassistische Komponente hinzu, dennoch sollten Sie sich aus dem Verhalten der Leute nichts machen. Das ist leider ganz normal und es geht so manchem weißen Deutschen ganz genauso.

Andreas
  ·  
26.09.2020-09:09

Tja, er ist, was er ist! Das kann ja wohl kaum ein Problem sein. Und weil er anders aussieht, fällt er auf. Noch immer kein Problem! Und wenn jemand - ganz menschlich - wegen des Äüßeren feststellt, der ist nicht von hier, dann ist das Realität, auch wenn er noch so oft in Innsbruck geboren ist! Statt sich über die Realität zu beklagen, sollte er sie annehmen! Integartion bedeutet auch, weniger auffallen. Statt sich von der Realität diskriminiert zu betrachten, sollte man die Realität annehmen!

Thomas Walther
  ·  
26.09.2020-09:09

Niemand darf aufgrund seiner Herkunft, Glaubens, Aussehn und so weiter verurteilt werden. Dies bekam ich von meinen Eltern bei gebracht und mein christlicher Glaube tut da sein übriges. Wenn auch ich trotzdem manchemal nach dem Äußeren gehe tut mir dies im nachhinein Leid.

Franz
  ·  
26.09.2020-09:09

Wäre es für eine Kopftuchträgerin denkbar, solch einen Text und Fotos von sich (mit/ohne Kopftuch) zu veröffentlichen?

wjbfred@t-online.de
  ·  
26.09.2020-10:09

Als jemand der von den frühen 1960igern bis Anfang der 1970iger als Deutscher in Kabul gelebt hat,kann ich dem Autor nur zustimmen; die alte Novelle von Gottfried Keller "Kleider machen Leute" hat unverändert Gültigkeit !!

Rosa Rose
  ·  
26.09.2020-10:09

Interessanter Artikel, einfach nur, was die Mode und den Kleidungsstil anbelangt. Trotzdem kann ich dieses Rumgejammere über Diskriminierung und Alltagsrassisimus nicht mehr hören. Ich wette, Sie bekommen auch bewundernde Blicke und meken es noch nciht einmal! Zum Teil hat der Rassisimus ja auch eine gut nachvollziehbare Ursache. Der Einfachheit halber, spreche ich nur über mich selbst: obwohl inzwischen Mitte 50, werde ich als Frau (fast) ausschließlich von Männern mit Migrationshintergund auf der Straße belästigt. Und - irgendeine bittere Pille muss man als erwachsener Mensche eben schlucken. DIE perfekte Gesellschaft wird es sowieso nie geben. Dafür haben Sie als Migrant ja auf anderen Ebenen, die bestmögliche Umterstützung - höchstwahrscheinlich ohne dafür zu bezahlen - in diesem Land erfahren. Selbst als Deutsche werde ich oft diskriminiert, sei es als Frau; sei es als spirituell interessierte Frau; sei es (auch) wegen des Kleidungsstils; sei es, wegen einer vom Mainstream abweichenden Meinung. Muss ich dehalb ständig rumheulen? Nein. Ich lerne als erwachsener Mensch damit umzugehen.

Georg
  ·  
26.09.2020-10:09

Naja, wenn jemand mit Thor Steinar-Klamotten rumläuft oder mit einem Gesichtsschleier (oder ohne Mund-Nasen-Schutz in manchen Situationen), dann spreche ich ihr schon ihre Progressivität ab.

Aber so ein Peran Tumban sieht schon sehr komfortabel aus. Wäre das kulturelle Aneignung wenn ich den als weißer Mann tragen würde?

Georg
  ·  
26.09.2020-10:09

Naja, wenn jemand mit Thor Steinar-Klamotten rumläuft oder mit einem Gesichtsschleier (oder ohne Mund-Nasen-Schutz in manchen Situationen), dann spreche ich ihr schon ihre Progressivität ab.

Aber so ein Peran Tumban sieht schon sehr komfortabel aus. Wäre das kulturelle Aneignung wenn ich den als weißer Mann tragen würde?

Karl
  ·  
26.09.2020-10:09

Der Trend geht weltweit zur Einheitskleidung, besonders auch bei jungen Menschen. Wer sich nicht kleidet wie die anderen wird gemobbt. Primark ist angesagt.

Gast
  ·  
26.09.2020-10:09

Dieser Planet "brennt" überall gleichzeitig und wird von dieser Spezies zugrunde gerichtet. Aber wenn dann der Homo sapiens sich nur Sorgen über sein Outfit macht, spricht dieses für sich!

karl
  ·  
26.09.2020-10:09

Man sieht schon, wie er seinen Kleiderschrank zugerichtet hat.

Britta
  ·  
26.09.2020-10:09

Dass man aufgrund der Kleidung, die man trägt von Betrachtern sofort einer "Schublade" zugeordnet wird, ist wohl so alt wie das Konstrukt "Mode" an sich. Egal ob man Rückschlüsse auf sozialen Status, Musikgeschmack oder Subkultur vermutet, die Menschen bilden sich eine (oft falsche) Meinung. Was mich in Deutschland aber immer wieder ebenso belustigt, wie verstört ist die Tatsache, dass viele Deutsche sich auf Mittelaltermärkten sofort entsprechende Tuniken und Kleider kaufen, im September Polyester-Dirndl mit Ballerinas tragen, auf "Afrika-Festivals" in vermeintlich "authentischen" Kleidungsstücken herumlaufen, aber die Menschen, zu deren Kulturkreis oder Berufsfeld diese Teile gehören, werden schräg angesehen, als "Freaks" oder "unangepasst" abgestempelt.

Thomas Jay
  ·  
26.09.2020-10:09

Mit einem Anzug und wenn er seinem Bart etwas stutzen und rasieren würde, würde er viel besser aussehen. Es ist kein Wunder das es Vorurteile gegen diese Menschen gibt die z.B nur Turnschuhe und Jogginghose tragen weil sie meistens von Leuten getragen werden die entweder Sozial auf der niedrigsten Menschenstufe stehen oder sie A..zozial verhalten bzw. an den Tag legen( wie einer aus dem tiefsten Ghetto).
Des weiteren wer will einen Menschen auch wenn es zum Islamischen Glauben gehört einen Mann im Nachthemd rumlaufen sehen das können die gerne in ihren eigenen 4 Wänden tun oder in der Mosche.

Ich selbst trage seid meiner Konfirmation nur noch Anzug weil ich mich dort drin sehr wohl und sicher fühle und die Menschen mir Respekt erweisen anders als wenn ich ( und ja wir haben einen selbst test gemacht.) mit einem Kollegen der in durch die City gehen wo die Leute sich erst trauen mit mir zu reden und manchmal fragen sind sie der Anwalt des Jungenmannes ^^
Man sagt es stimmt zwar nicht aber ich sehen es so : Kleider machen doch Leute.
Und so wie man sich gibt wird man auch behandelt.

Stefan
  ·  
26.09.2020-11:09

Mich würde interessieren, wie die Leute reagieren, wenn du Tiroler Tracht tragen würdest. Das ist in Innsbruck auch nicht (mehr) alltäglich, aber man sieht es doch ab und zu mal. Würden sie über dich lächeln, dich bewundern?
Abgesehen davon: ich finde ist völlig hirnrissig, Menschen nach dem Äusseren zu beurteilen. Der best angezogene Mensch kann ein völliger Idiot sein und der ärmlichst gekleidete ein begnadeter Künstler.

Markus
  ·  
26.09.2020-11:09

Hier wird immer nur eingefordert. Von mir aus kann der Autor auch einer FKK huldigen. Null Problem. Doch wie schaut es, wenn Menschen aus westlichen Ländern (USA, Europa) mit ihrer Mode oder Tracht die muslimischen Länder wie Iran, Saudiarabien... als Touristen oder Neu- Siedler bunt und regenbogenfarbig, mit Hotpaints und Leggins aufwerten würden?
Den Splitter des Tiroler siehst du wohl, aber den Balkan im eigenen Auge nicht.

Desmond
  ·  
26.09.2020-11:09

Andere Probleme haben Sie nicht? Echt wie im Kindergarten! Inder Öffentlichkeit wird man angeschaut und mancmal beurteilt. Manche lachen und spotten über Schlipsträger, manche über Punks. So ist eben der Mensch, aber auch die Tiere verhalten sich so. Grow up, snowflake, get over it!

Sigi
  ·  
26.09.2020-12:09

Durch den Text bemerkt man, dass man diese "Klischee"-Gedanken in der deutschen Bevölkerung nicht aus dem Kopf bringt - warum bloß? Das geht schon im Kindergarten an, wenn eine/r anders aussieht als die Anderen. Zum Beispiel wenn das Kind rote Haare hat (was kann es selber für sein aussehen dafür - gar nichts!) oder wenn ein Kind behindert ist. Ausgrenzen, bzw. keinen Umgang mit derjenigen Person zu haben wird schnell gefordert von den Eltern gefordert ohne das Kind kennen gelernt zu haben.
Wenn man jedoch Kontakt zu der "anders aussehenden Person" hat, dann kann die Erfahrung zeigen, dass sogar ganz gute Freundschaften für's Leben entstehen können und dass man das Aussehen nicht so wichtig nehmen muss. Auf den Charakter kommt es an und der sollte entscheiden. Aber das steht nicht im Vordergrund, sondern erst einmal was man als erstes Gefühl oder im Kopf hat - und das ist in Deutschland leider zuerst einmal Ablehnung und vor allem Abwerten.

Gute Sprachkenntnisse sind sehr wichtig - es gibt immer noch ein Erstaunen darüber, wenn jemand mit dunklerer Hautfarbe ein gutes Deutsch spricht. Man denke an die Kinder, die in Deutschland auf die Welt kamen und astrein bayrisch und Hochdeutsch sprechen. Welche Überraschungsmomente kann/konnte man da erleben!

Dass auch Kleidung ein Aspekt der Ausgrenzung sein kann, das merkte man schon, als vor Jahren Diskussionen umgingen in Deutschland ob man, da die Markenkleidung so als "Aufwertung einer Person" im Vordergrund stand nicht lieber auf Schuluniformen setzen sollte.

Danke für den Artikel, er zeigt, dass man sich selber bei der Nase nehmen sollte.

Sesachar
  ·  
26.09.2020-12:09

Also an den Klamotten würde ich mich niemals stören, egal ob modisch oder traditionell. Hauptsache gepflegt. Und deshalb ist mein einziger Aufhänger der Bart, auch weil er - meiner bescheidenen Meinung nach - dem Gesicht des Mannes nicht schmeichelt. Er ist "too much", zu breit/voll. Das raubt dem Gesicht seinen Ausdruck und lässt es - leider - auf jedem Bild gleich aussehen. Aber diese Einschätzung bewegt sich fernab von Herkünften und Religionszugehörigkeiten. Die sind gleich. Aber Bart steht halt nicht jedem. :)

Marius
  ·  
26.09.2020-12:09

Also ich finde auch, dass er alles tragen kann.
Ich glaube, man gewöhnt sich mit der Zeit daran, öfter mal schief angeschaut zu werden, aber mich würde das unglaublich nerven und ich weiß nicht, ob ich immer zurückhaltend sein könnte. Dafür meinen größten Respekt!
Während gewisse Bevölkerungsgruppen die Diskriminierung fördern, ist es aber meiner Meinung nach nicht nur durch Rassismus bedingt, dass der Autor diskriminiert wird.
Die Deutschen haben einfach das Problem, dass sie nicht offen und tolerant genug sind, in vielerelei Hinsicht. Da muss man sich einfach mal in einem Schrebergarten umschauen. Baut der Nachbar zu nah an meinem Grundstück? Warum braucht der Energieverschwender zwei Autos? Warum ist der Garten nicht bepflanzt? Warum zieht er eine Cap auf, das sieht doch asozial aus...
Wir müssen lernen, hinter die Kulissen zu sehen und mehr miteinander zu reden, anstatt vorschnell alles und jeden zu verurteilen. Da könnten wir uns von anderen Kulturen bestimmt einiges abschauen.
An den Autor: Das nächste mal, wenn sie z.B. in der Fußgängerzone jemand besonders blöd beäugt, laden sie die Person auf einen Kaffee oder Tee ein. Die Reaktion ist bestimmt Gold wert!

Gast
  ·  
26.09.2020-12:09

Die Verurteilung dahinter verstehe ich nicht.. klar, man fällt (siehe Kommentare) natürlich auf, wenn man Tracht trägt, egal welcher Art. Warum man das aber verurteilen sollte, statt einfach interessiert oder gleichgültig zu sein, ist mir schleierhaft.
Bei der 'normalen' Kleidung frage ich mich erst recht, was manche da für Probleme haben. Ich sehe nichts als einen gepflegten Mann, durchschnittlich bis schick gekleidet und mit einem Sinn für Farbkombinationen. So weit, so unauffällig.
Wie bedauerlich, dass man heutzutage noch über Menschen urteilt, ohne vorher mit ihnen gesprochen zu haben (denn das Gespräch belehrt einen häufig eines Besseren). Danke für den Text, der einige hoffentlich zu mehr Offenheit diesbezüglich bewegt.

Jan
  ·  
26.09.2020-12:09

Was ist denn "muslimisch gelesen"? Muslimisch oder nicht? Da hilft auch die Erklär-Box "Wenn Menschen andere Menschen..." nicht - den Aspekt einfach weggelassen, hätte den Artikel besser gemacht.

Zum Auftreten und Beäugtwerden unterschlägt der Artikel, dass die Immigration der letzten Jahre in das Geschlechtergleichgewicht der 15-35jährigen in Deutschland massiv gestört hat - die jungen, exotisch aussehenden und manchmal auch gut gekleideten Männer mögen bei mancher zu kurz gekommenen Frau gut ankommen, der Konkurrenzdruck tut der Gesellschaft als ganzes nicht gut. Davon unabhängig reflektiert das, wie es um die Rolle der Frauen in den Herkunftsländern bestellt ist.

Jan
  ·  
26.09.2020-06:09

Was ist denn "muslimisch gelesen"? Muslimisch oder nicht? Da hilft auch die Erklär-Box "Wenn Menschen andere Menschen..." nicht - den Aspekt einfach weggelassen, hätte den Artikel besser gemacht.

Zum Auftreten und Beäugtwerden unterschlägt der Artikel, dass die Immigration der letzten Jahre in das Geschlechtergleichgewicht der 15-35jährigen in Deutschland massiv gestört hat - die jungen, exotisch aussehenden und manchmal auch gut gekleideten Männer mögen bei mancher zu kurz gekommenen Frau gut ankommen, der Konkurrenzdruck tut der Gesellschaft als ganzes nicht gut. Davon unabhängig reflektiert das, wie es um die Rolle der Frauen in den Herkunftsländern bestellt ist.

Karin Siegmann
  ·  
26.09.2020-12:09

Ich freue mich immer wenn ich einen Menschen sehe der sich traut sich in, seiner Kultur/Religion, entsprender Kleidung kleidet. In meiner Heimatstadt Oldenburg, fährt ein Busfahrer mit Turban. Ich freue mich und bewundere seinen Mut. Ich bin Deutsche und weiß das viele Deutsche das ablehnen und sagen das sich die Menschen einer anderen Kultur sich anpassen müssen, wenn sie hier leben wollen. Ich frage mich dann immer ob sie auch dazu bereit wären wenn sie, in ein anderen Land leben. Vielfältigkeit bereichert das Leben. Wenn wir fordern das man unsere Kultur achten, sollten wir das auch tun.

Thomas Kempkes
  ·  
26.09.2020-12:09

Vielen Dank für diesen wunderbar differenzierten Beitrag! Für mich, der nicht nach Migrationshintergrund aussieht und daher jedenfalls genau diese geschilderten Erfahrungen nicht kennt, ist er sehr gut nachvollziehbar.

Solch ein Artikel gehört in die Mitte der Gesellschaft, wo möglichst viele von denjenigen darüber nachdenken, deren Umfeld wenig von internationalen Kontakten geprägt ist.

Das Gefühl, dass viele der beschriebenen Momente des Unwohlseins mit der eigenen Herkunft zu tun haben, ist sicher sehr oft vollständig berechtigt. Man würde sich selbst etwas vormachen, wenn man sie "wegdrückt", also ignoriert oder auf einen anderen Umstand zurückführt.

Dennoch kann genau das helfen, denn auch aus anderen Situationen im Leben kennen wir doch dieses Phänomen: Was wir denken, dass ein anderer über uns denkt, ist oft nicht dasselbe wie das, was der andere wirklich über uns denkt. Zum Glück denkt der andere oft gar nicht so schlecht über uns, wie wir denken. Oft. Nicht immer.

Was aber hilft, ist miteinander zu reden, sich auszutauschen - oder zu schreiben, wie es der Autor getan hat. Danke!

Marcel
  ·  
26.09.2020-12:09

Grundsätzlich finde ich ihm steht alles gut. Aber es gibt ein altes Sprichtwort. "Bist du in Rom, machs wie die Römer". Das ist im Grunde zeitlos. Klar fällt man in Tracht auf, würde einem Bayern mit Lederhose in Hamburg nicht anders gehen. Auch der elegante Anzug ist ein Art Uniform oder Tracht, man sieht in der Regel wenn man nicht gerade im Frankfurter Bankenviertel ist immer weniger Männer im Anzug, finde ich persönlich schade, aber auch damit fällt man auf egal ob Muslim oder nicht. Es ist im Grunde eine Kleidung, die dem Umfeld nicht angemessen ist, die auffällt und damit will ich gar nicht in Abrede stellen, das man als fremdländisch aussehender Mensch bei manchen Menschen grundsätzlich aneckt egal welche Klamoten. Dass das Outfit mit Hemd wie im Bild auffällt wage ich aber zu bezweifeln.

Marcus E.
  ·  
26.09.2020-01:09

Kleidung ist schon zum Teil ein Statement und damit Mittel zur Kommunikation. Das man damit das eine oder andere Klischee bedient ist ja oftmals auch gewollt. Dass es jetzt für bestimmte Grupppen schwierig ist einen Weg zu finden ist gleichermaßen schade wie auch normal und manchmal aus der Situation heraus vielleicht sogar spannend, weil man damit spielen kann. Ich denke die eine oder andere "Randgruppe" ist da vielleicht auch etwas übersensibel. Wenn ich mich aufregen würde wer sich über meine Frisur nicht gut findet hätte ich viel zu tun. Ich trage Bart und Pferdeschwanz und riskiere damit auch Missfallen. Ich habe es aber selber in der Hand. Blöd ist es natürlich wenn nicht so richtig zu passen scheint. Mit Jeans und Hemd/T-Shirt sollte man doch als Mittelmaß den Alltag in jeder Großstadt mit sehr wenigen Kommentaren erleben können.

Petra Stellwag
  ·  
26.09.2020-01:09

Auch wer in westlichen Ländern als Eingeborener "gelesen" wird, wird aufgrund sehr traditioneller (ja, das gibt es auch in Deutschland!) oder einfach etwas weniger modischer Kleidung entsprechend einsortiert, das ist kein "Privileg" von Menschen mit Migrationshintergrund.
Kopftuch z. B., vor 50 Jahren noch häufige Bekleidung deutscher Frauen vor allem im ländlichen Bereich, wenn auch meist etwas anders getragen als von Musliminnen, ist heute verpönt. Sogar aggressive Reaktionen von Musliminnen gab es vereinzelt, da sich diese in Unwissenheit über den Hintergrund durch das offensichtlich "unberechtigte" Tragen "ihres" Outfits angegriffen fühlten.

Seiten