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Was wollen die denn?

Klar, Präsident werden. Aber wofür stehen Amtsinhaber Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden eigentlich genau? Eine Gegenüberstellung

  • 4 Min.
Biden, Trump

Update, 7.11.: Wir haben diese Positionen kurz vor der Wahl zusammengetragen. Nach Tagen des Wartens ist mittlerweile klar: Der Demokrat Joe Biden wird nächster US-Präsident.

Wer auf die Kampagnen-Webseite von Donald Trump kommt, wird zum Spenden aufgerufen und über anstehende Events informiert, ein Wahlprogramm findet sich nicht. Wahlkampf – das heißt natürlich, dass zwei Spitzenkandidaten gegeneinander antreten und sich aneinander abarbeiten. Aber nicht nur Persönlichkeiten, auch Inhalte stehen zur Wahl, schließlich werden Donald Trump oder sein Herausforderer Joe Biden, der sein Wahlprogramm auf der Webseite detailliert ausbreitet, die USA für Jahre prägen. Ein paar Schlaglichter auf ihre Positionen zu Klimawandel, Coronavirus, Migrationspolitik und mehr.

Coronavirus

Das Coronavirus trifft die USA hart. Mehr als 8 Millionen postitiv getestete Fälle und 222.000 Todesopfer: Klar, dass die Pandemie das Wahlkampfthema ist. Da die Zahlen seit einigen Wochen wieder nach oben schnellen, haben einige Regionen erneut strengere Maßnahmen verordnet, die von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ausfallen – und für Diskussion sorgen. 

Joe Biden will im Fall seines Wahlsieges am 3. November dafür sorgen, dass die Wirtschaft wieder angekurbelt wird – allerdings nur, wenn gewährleistet ist, dass landesweite Test- und Kontaktverfolgungsmaßnahmen eingerichtet sind. Schulen sollen geöffnet werden, wenn für persönliche Schutzausrüstungen eine verlässliche Versorgungskette geschaffen worden ist. Kleinunternehmen will er mit den notwendigen Ressourcen ausstatten, damit sie wieder ihre Türen öffnen können.

Donald Trump hat sich im Gegensatz zu Biden gegen eine landesweite Maskenpflicht ausgesprochen. Obwohl die Regierung kostenlose Tests anbietet, ist die Koordinierung von Testmaßnahmen weiterhin größtenteils Sache der einzelnen Bundesstaaten. In der Vergangenheit hat der Präsident gesagt, dass ein erhöhtes Testaufkommen „uns schlecht dastehen lässt“. Trump will Schulen wieder öffnen, lieber früher als später. Im Sommer sagte er, dass „Städte oder Staaten, die zurzeit noch Gefahrenherd sind“ womöglich „eine Wiedereröffnung um ein paar Wochen verschieben müssten“. Schulbezirken, sagte er im Sommer, die nicht öffnen wollen, sollten Fördermittel gestrichen werden.

Krankenversicherung

Ginge es nach Joe Biden, bliebe der „Affordable Care Act“, Barack Obamas umfassende Krankenversicherungsreform, im Kern bestehen und würde in Teilen ausgeweitet. Mehr Menschen sollen die Möglichkeit bekommen, sich einen gesetzlichen Versicherungsplan auszusuchen. Biden möchte kein System einführen, das für alle gilt („medicare for all“). Das allgemeine Eintrittsalter für Medicare, die Krankenversicherung für ältere Bürger und solche mit Behinderungen, würde von 65 auf 60 Jahre gesenkt.

Eines von Donald Trumps großen Wahlkampfversprechen vor vier Jahren war, den Affordable Care Act außer Kraft zu setzen und danach zu ersetzen. Ein detaillierter Plan wurde noch nicht ausgearbeitet. Verschreibungspflichtige Medikamente und Versicherungsbeiträge sollen zudem preiswerter werden.

Biden Wahlkampf  (Foto:  SAUL MARTINEZ/NYT/Redux/laif)

Jobs, Jobs, Jobs! Laut dem US-Büro für Arbeitsmarktstatistiken gibt es nur einen Bereich, in dem die Zahl der Beschäftigten noch mehr wächst als in der Krankenpflege: in der Windenergie

(Foto: SAUL MARTINEZ/NYT/Redux/laif)

Klimawandel

In seinem Wahlprogramm hat Joe Biden ein zwei Billionen Dollar schweres Maßnahmenpaket angekündigt, um innerhalb von vier Jahren dem Klimawandel entgegenzuwirken. Er will Anreize schaffen, die zum Beispiel Gebäudeeffizienzstandards fördern, und plant, dass bis 2035 Elektrizität zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammt und die USA bis 2050 emissionsfrei sein werden. Das Klimaabkommen von Paris möchte er wieder unterzeichnen und sieht die USA in einer führenden Rolle im weltweiten Kampf gegen den Klimawandel.

Der Plan des Präsidenten, wie man den Klimawandel bremsen könnte, ist relativ einfach erklärt: Es gibt ihn bisher nicht. Donald Trump hat ein Problem damit, der Wissenschaft zu glauben, dass der Mensch für den Klimawandel verantwortlich ist oder ihn bremsen könnte. Unter Trumps Führung sind die USA aus dem Abkommen von Paris ausgetreten, die Kohleindustrie hat er immer wieder unterstützt und Dutzende umweltpolitische Verordnungen zurückgenommen.

Migration

Joe Biden hat sich für eine umfassende Einwanderungsreform ausgesprochen. Bei einem Wahlsieg würde er Trumps präsidiale Verfügung rückgängig machen, die die Einreise aus diversen Ländern erschwert, deren Bevölkerung zu einem Großteil aus Muslimen besteht („muslim ban“). Einwanderern ohne gültige Papiere will er es unter bestimmten Umständen ermöglichen, Bürger des Landes zu werden. Gleiches gilt für Menschen, die als Kinder illegal über die Grenze kamen, sogenannte „Dreamer“.

Hier kannst du Obamas und Trumps Präsidentschaft direkt vergleichen

Ein weiteres großes Wahlversprechen von Donald Trump im Jahr 2016 war der Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Dieser Plan besteht weiterhin, die Umsetzung läuft allerdings schleppend. Auch der Präsident wünscht sich eine umfassende Einwanderungsreform. Diese ist auf einem Leistungsprinzip aufgebaut, Familienzusammenführung gehört nicht zu den Schwerpunkten. Ein Gesetz, das Kinder schützt, die ohne Papiere über die Grenze gekommen sind, will Trump auslaufen lassen. Seit er im Amt ist, hat Trump mehrfach angedroht, „Millionen von Einwohnern“ abzuschieben. Allerdings wurden während seiner Präsidentschaft weniger Menschen abgeschoben, als während der seines Vorgängers Barack Obama.

Trump Wahlkampf (Foto: Paul Weaver/Pacific Press/LightRocket via Getty Images)

LGBT: kurz für Liberty, Guns, Beer, Trump, eh klar. Nur: Was ist mit Q, I und +?

(Foto: Paul Weaver/Pacific Press/LightRocket via Getty Images)

Umgang mit Minderheiten

In Joe Bidens Wahlprogramm findet sich ein Abschnitt, der sich für umfassende Gleichberechtigung einsetzt. Demnach sollen Menschen, die sich als LGBTQ+ identifizieren, vor Diskriminierung geschützt werden und stärkere Rechte, auch im Berufsleben, erhalten. Der ehemalige Vizepräsident unterstützt außerdem die gleichgeschlechtliche Ehe. Biden hat der „Black Lives Matter“-Bewegung seine Unterstützung zugesagt, eckte dort aber auch an, weil er sich dafür einsetzt, der Polizei mehr Mittel zur Verfügung zu stellen.

Donald Trump hat die LGBTQ+-Community sowohl offen unterstützt als ihr auch Unterstützung abgesprochen. Unter seiner Regierung wurde es Transgender-Personen verboten, sich beim Militär verpflichten zu lassen. Von Trump gibt es keine eindeutige Aussage, was gleichgeschlechtliche Ehen angeht. Ende September nannte Trump die „Black Lives Matter“-Bewegung eine „extremistische sozialistische Organisation“, die die Belange der Black Community beschädige. Im Dezember 2018 unterzeichnete der Präsident den „First Step Act“, ein Reformgesetz, das sich gegen Masseninhaftierungen einsetzt, von denen überproportional afroamerikanische Bürger betroffen sind, und das Rehabilitierungsmaßnahmen fördert.

Titelbild: SAUL LOEB/AFP via Getty Images

Hier gibt es eine ausführliche Analyse der Wahlkampfthemen von Republikanern und Demokraten.

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

10 Kommentare
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Gast
  ·  
02.11.2020-12:11

Find ich gut

Eberharter Hanna
  ·  
04.11.2020-01:11

Meiner Meinung nach, ist Biden der bessere PRÄSIDENT, da er sich wesentlich für die Menschen einsetzt.
Er versucht den Menschen durch seine Vorhaben ein besseres Leben zu ermöglichen.
Menschen mit anderen Sexualitäten, sollen dann mehrere Rechte haben. Was eigentlich normal sein sollte, da dies Menschenrechte sein sollten, egal welche Sexualität.
Trump macht oft einfach falsche Versprechen.
Er redet von Gleichberechtigung für LGBTQ+ Mitglieder, verbietet aber Transsexuellen Personen, dem Militär beizutreten und Dienst zu leisten.
Auch bei der BLACK LIVES MATTER Bewegung zeigt er seine rassistische und menschensverachtende Art.
Er spricht von einer extremistischen sozialistischen Organisation.
Black Lives Matter unterstützt die GLeichberechtigung für alle Hautfarben und Herkünfte. Die Aussage „All lives matter“ dagegen, ist eine rassistische Aussage gegen die Black Lives Matter Bewegung.

Gast
  ·  
04.11.2020-01:11

Trump hat mehrfach angedroht Millionen von Einwohnern abzuschieben.

Das könnte wiederum eine negative Eigenschaft für die anstehende Wahl sein.

Viele Amerikanische Einwohner werden von Präsident Trump abgeschoben und daher werden auch die Einwohner Zahlen der USA sinken.

Maximilian Totschnig
  ·  
04.11.2020-01:11

Meiner Meinung nach ist der Klimawandel eines wenn nicht das wichtigste Thema.
Überall steigt das Klima es wird immer wärmer und das sind bewiesene Fakten.
Deshalb finde ich es sehr gut das Joe Biden das Thema in die Hand nimmt und versucht das Problem zu lösen.
Eines seiner Ziele ist dass im Jahre 2035 der ganze Strom aus erneuerbarer Energie hergestellt wird.
Hoffentlich wird er sein Versprechen halten.
Er will dass die USA bis 2050 Emisionsfrei ist.
Und er wird auch das Klimerverzeichniss von Paris wieder unterschreiben.

Judith Eberharter
  ·  
04.11.2020-01:11

In der Corona-Krise ist es Donald Trump nicht wichtig effektive Maßnahmen zu setzen meiner Meinung nach ist es ihm nur wichtig ob es ihm gut geht er ist nicht für eine Führungsposition geschaffen den er achtet meist auf sein eigenes Wohlergehen und ist gegen alles was für ihn keine Rolle spielt. So auch eine Krankenversicherung für alle den er und seine Frau und auch die meisten seiner Wähler haben genug Geld um sich eine private Krankenversicherung zu leisten. Es haben nicht nur Ärmere einen Nachteil sondern auch Menschen die der Lbgq angehören, denn er benachteiligt Sie in vielen hinsiechten. Auch Menschen mit einer anderen Hautfarbe sind ihm nicht die liebsten Redepartner. Jon Biden ist im Gegensatz zu ihm für eine Krankenversicherung. Doch viel wollen ihn nicht Wählen da er schon älter ist und dadurch die jüngere Generation nicht in allen hinsiechten verstehen würde.

LB11
  ·  
04.11.2020-04:11

Mehr als 8 Millionen postitiv getestete Fälle und 222.000 Todesopfer müssten eigentlich für sich sprechen. Auch wenn der amtierende Präsident die Meinung vertritt, dass er mächtiger als dieses Virus ist, wird auch er sich an bestehenden Fakten orientieren müssen. „Make america great again“ bedeutet die Fakten unter den Teppich kehren, nur damit man nicht schlecht dasteht. Aber was erwartet man sich von einem Präsidenten, der seinem Volk rät, das Desinfektionsmittel zu trinken, um gesund zu bleiben. In diversen Medien wurde Trump zum König der „fakenews“ bezüglich Corona gekürt. Bleibt nur zu hoffen, dass „Trump ist wiedergewählt worden“ am Wochenende auch zu den „fakenews“ gehört.

Gast
  ·  
04.11.2020-05:11

Wie die laufende Stimmenauszählung in Amerika leider bestätigt, gehen sehr viele Amerikaner mit Trump den bevorzugten Weg des geringsten Widerstandes. Kohleindustrie bringt Geld, die Eisbären in Grönland haben leider keine eigene Stimme und eine zu geringe Lobby. Amerika mit seinen zahlreichen Naturkatastrophen wird so oft von der Natur an den Klimawandel erinnert und zur Umkehr ermahnt. Genau seit heute ist die USA nicht mehr Mitglied des Pariser Klimaabkommens und hält sich somit an keine Vorschriften mehr. Geld regiert die Welt und ein Umweltsünder verdient sich sein eigenes Geld natürlich viel leichter. Die ganze Welt müsste sich gemeinsam gegen diesen Wahnsinn stemmen, nicht nur Greta und co – denn auch wenn Trump die Wahl wiedergewinnt, muss man ihm klar machen, dass die Welt nicht ihm alleine gehört.

LR
  ·  
04.11.2020-10:11

Ich finde es gut das Joe Biden sich für den Klimawandel einsetzt. Es ist ein sehr wichtiges Thema, womit wir uns alle beschäftigen und nicht außer Acht lassen sollten. Das Amerika das Klimaabkommen auch unterzeichnet, ist sehr Wichtig, da Amerika so ein großes und mächtiges Land, mit vielen Einwohner ist. Dass er die nächsten vier Jahre sich für erneuerbare Energie einsetzt und mit einem zwei Billionen Dollar schweren Maßnahmenpaket dem Klimawandel entgegenwirken will, spricht sehr für ihn. Meiner Meinung nach sollte man trotzdem nie vergessen zu hinterfragen, wie viel er davon wirklich umsetzten kann.
Wenn Donald Trump zum Präsidenten gewählt wird und dann aus dem Klimaabkommen aussteigt, könnte das meiner Meinung nach weitreichende Folgen haben. Dass er weiterhin den vom Menschen geschaffenen Klimawandel leugnet, verstehe ich nicht. Es gibt genügend Studien die den Klimawandel beweisen.

Lena Rauch
  ·  
04.11.2020-11:11

Meiner Meinung nach ist dir ganze Lage relativ widersprüchlich. Das Verhalten des US präsidenten Donald Trump ist unprofessionell und nicht wirklich argumentativ. Er tätigt Aussagen zum Thema rassismus, homophobie, corona widerspricht sich dann jedoch immer wieder sobald Kritik fällt. Beispielsweise zur Maskenplflicht. Er selbst hatte den Virus ist jedoch ohne weiteres nach wenigen Tagen ins weiße Haus zurück gekehrt. Für mich ist das ein klares Zeichen, dass er nicht wirklich begreifen will, worum es geht. Allgemein verhält er sich Rassistisch sowie homophob. Es wird verboten als Transsexueller dem Heer beizutreten, die BLM bewegung hat ihn offensichtlich ebenfalls nicht berührt. Ich bin der Meinung Amerika braucht jemanden der das Land weiter bringt anstatt jemanden der die Macht zu seinem eigenen Zweck ausnutzt.

Lars
  ·  
06.11.2020-12:11

Schöne und vor allem unpolarisierte Zusammenfassung. Danke!