Tarik Tesfu

Tarik Tesfu (Foto: Nadine Schwickart)
Kriegt öfter mal die Genderkrise, kann aber trotzdem noch strahlen: Tarik Tesfu (Foto: Nadine Schwickart)

Tarik Tesfus Botschaft ist „Genderlove“. Die verbreitet er seit 2015 mit seiner Videokolumne „Tariks Genderkrise“ im Netz. Seine Hoffnung: irgendwann „easy peasy in Gender-Ruhestand“ zu gehen. Aber erst will er mit seinem Projekt ein Drittel der Menschen erreichen, „die bei den Wörtern Gender und Feminismus das Kotzen kriegen“. Das Wissen und die Video-Skills für die Kolumne hat er sich im Studium (Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Gender Studies) und bei der Arbeit als TV-Redakteur für den WDR angeeignet. Das Studium hat er übrigens „selbstbestimmt ohne Abschluss“ beendet, dafür aber eine Ausbildung zum Erzieher abgeschlossen. Tarik ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und lebt heute in Berlin.

Lesen

Hillary, die Feministin?

Am 8. November wird in den USA gewählt. Zwei Redakteurinnen vom Online-Portal ze.tt fragen sich nun: Wäre es ein Sieg für den Feminismus, wenn Hillary Clinton Präsidentin würde? Kurz: Ist Clinton eine Feministin? Die eine, Kim Torster, findet: „Ja auf jeden Fall“, denn eine Präsidentin würde ein wichtiges Signal an Mädchen und junge Frauen senden: nämlich dass sie einfach alles erreichen können. Die andere, Tessa Högele, denkt sich: „Nö, auf gar keinen Fall.“ Schließlich würde eine wahre Feministin das Establishment bekämpfen wollen, dem Clinton selbst angehöre. Zwei unbedingt lesenswerte Kommentare – und wenn ihr mich fragt: Yes, she is!  

ze.tt: Ja, Hillary Clinton als Präsidentin wäre ein Sieg für den Feminismus

ze.tt: Nein, Hillary Clinton als Präsidentin wäre kein Sieg für den Feminismus

High-five, Adele!

Ein außerordentliches High-five und ein Knicks gehen an die Sängerin Adele und ihre Courage, in einem Interview mit „Vanity Fair“ offen über ihre postpartale Depression zu sprechen. Also eine Depression, die manche Mütter nach der Geburt eines Kindes erleiden und an der in Deutschland jährlich 50.000 Frauen erkranken.

Vanity Fair: Adele, Queen of Hearts

Bei Edition F gibt es eine Zusammenfassung des Interviews auf Deutsch, Redakteurin Silvia Follmann hat außerdem Zahlen und Fakten zum Thema postpartale Depression gesammelt und kritisiert dabei völlig zu Recht das gängige Gesellschaftsbild von der „perfekten“ Mutter.

Edition F: Adele: „Ich dachte, es sei die schlechteste Entscheidung meines Lebens gewesen“

Schauen

Auf die Klospülung kommt es an

Trommelwirbel, Tusch und Hurra! Es gibt ein neues Youtube-Talkformat: „Auf Klo“. Wöchentlich trifft Youtuberin Mai einen Gast. Klingt jetzt erst mal nicht so spannend, aber wie der Titel es vermuten lässt, plaudert Mai mit ihren (ausschließlich weiblichen) Gästen auf dem Klosett. Mein absoluter Favorit unter den bisherigen Talks ist der mit „Missy“-Redakteurin und Aktivistin Hengameh Yaghoobifarah.

„Auf Klo“ läuft übrigens auf funk, dem jungen Online-Angebot von ARD und ZDF. Kleine Anregung an die Macher_innen: Wie wäre es mal mit einem Unisex-Auf-Klo-Talk? Ich kenne da nämlich so einen Gender-Netzkolumnisten, der gerne mal zum Klopapiertest vorbeikommen würde.

Auf Klo: Hengameh: Dick und schön. Was dagegen?

Ich bin kein Kostüm!

Studierende der kanadischen Wilfrid Laurier University haben pünktlich zu Halloween ein beeindruckendes Fotoprojekt auf Facebook veröffentlicht. Zu sehen sind verschiedene Frauen, die Bilder von kostümierten Menschen in der Hand halten. Darunter der Slogan „I AM NOT A COSTUME“. Eine der Studierenden ist schwarz und zeigt ein Bild von zwei weißen Typen, die sich braun angemalt und den Hintern ausgestopft haben und es scheinbar ziemlich funny finden, sich als schwarze Frau zu verkleiden. Dieses peinliche und zugleich rassistische Phänomen kenne ich nur zu gut, wenn in Deutschland mal wieder der Karneval wütet und sich einige Deppen (mein Wortlaut) als Chines_innen, Zigeuner_innen (nicht mein Wortlaut) oder Buschmänner (auch nicht mein Wortlaut) verkleiden. Ein absolutes No-Go!

LSPIRG: Please be mindful of how you dress up for Halloween!

Hass auf den ersten Blick

Bilal ist 25 Jahre alt, gebürtiger Deutscher, Student, seine Eltern stammen aus Palästina. Aufgrund seines Aussehens wird ihm oft das Deutschsein abgesprochen. Besonders seitdem mehr Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Mit anderen Studierenden der Hochschule Fulda startet er ein Video-Sozialprojekt und fragt Passant_innen: „Was ist der erste Gedanke, wenn Sie mich sehen?“ Die Antworten zeigen: Auch in Fulda rappelt es im Rassismus-Karton. Und trotzdem gibt es ein Happy End...

Medienseminar Hochschule Fulda: Des willste net wissen

Jennifer Rostock, die Hengstin

Man kann von der Band Jennifer Rostock halten, was man will. Die musikalischen Geschmäcker sind verschieden. Aber wenn es um politische Statements geht, dann mischt Jennifer Rostock ganz vorne mit. Nach ihrem Anti-AfD-Song machen sie sich jetzt mit dem Lied „Hengstin“ gegen Sexismus stark: Die Band hat für den Song schon ordentlich auf den Deckel bekommen. Denn die selbst ernannte Feminismus-Polizei weiß ganz genau: Mit nackter Haut gegen Sexismus ankämpfen geht ja mal gar nicht. Geht sehr wohl, wie ich finde. Wenn die Frontfrau von Jennifer Rostock sich nackt ausziehen und allen Sexisten den Stinkefinger zeigen will, dann ist das ihr gutes Recht. Alles andere wäre sexistisch, weil niemand über den Körper einer Frau bestimmen oder urteilen darf, nur eben der Mensch, der drinsteckt. Daher: Gut gebrüllt, Hengstin!

Jennifer Rostock: Hengstin

Titelbild: Renke Brandt