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Das gehypte Pokerface

Der junge Pete Buttigieg ist schwul, besonnen und spricht acht Sprachen – und ist damit quasi das Gegenteil von Trump, finden seine Fans

  • 2 Min.
Foto:  Mark Peterson/Redux/laif

Im November 2020 will Donald Trump zum US-Präsidenten wiedergewählt werden. Der Wahlkampf läuft bereits: Über 20 Kandidat*innen der Demokratischen Partei haben sich in Stellung gebracht, um gegen ihn anzutreten. Doch nur eine*r darf. Fluter.de stellt die fünf aussichtsreichsten vor – plus einen weniger aussichtsreichen Republikaner.

Plötzlich war der Mann mit dem ungewöhnlichen Namen überall. Auf dem Cover des „Time Magazine“, in den Late-Night-Shows von Trevor Noah und Jimmy Fallon, schwarz-weiß in der „Vogue“, auf den großen Bühnen von Kalifornien bis New Hampshire. Kein anderer Präsidentschaftskandidat wurde in den vergangenen Monaten so gehypt wie Pete Buttigieg. Der Newcomer unter den demokratischen Anwärtern aufs Weiße Haus macht sich dem Land gerade erst bekannt. Diese Frische könnte sein Vorteil sein, die Unerfahrenheit ihn aber auch bremsen.

Buttigieg, 1982 in South Bend, Indiana, geboren, wäre nicht nur der jüngste US-Präsident aller Zeiten, er wäre auch der erste offen homosexuelle. In Umfragen steht er derzeit zwischen Platz drei und sechs, was schon jetzt eine kleine Sensation ist angesichts der Tatsache, dass Buttigieg ja nur ein Lokalpolitiker ist. Seinen maltesischen Nachnamen – von dort kam sein kürzlich verstorbener Vater Joseph – spricht man Boot-edge-edge aus, auch das muss Buttigieg bei seinen Auftritten immer noch erklären.

Alter: 37

Position: Bürgermeister von South Bend, Indiana

Wahlkampfthemen: LGBTQ-Rechte, Reform des Wahl- und Justizsystems

Basis: Weiße Männer, ältere Wähler, Menschen mit Uniabschluss, Besserverdienende

Spenden: 31,8 Millionen Dollar*

In South Bend, der 100.000-Einwohner-Stadt, die Buttigieg seit 2012 und noch bis Ende des Jahres als Bürgermeister regiert, nennen sie ihn Mayor Pete, das ist einfacher. Allerdings sind dort die Meinungen über ihn gespalten. Seine Unterstützer loben, dass er das Stadtzentrum freundlicher, sicherer und lebendiger gestaltet habe. Seine Kritiker weisen darauf hin, dass Buttigiegs Aufräumpolitik zur Verdrängung ärmerer und afroamerikanischer Bewohner geführt habe. Manche Menschen in South Bend sind stolz auf den berühmten Sohn der Stadt, auf seine Bilderbuchbiografie. Andere sehen in Buttigieg nur den nächsten weißen elitären Politiker. Bei weißen Wählern ist er in Umfragen jedenfalls deutlich beliebter als bei People of Color.

Was macht den Mann „aus dem Nichts“, wie es derzeit immer wieder heißt, aus? Buttigieg kann Abschlüsse in Harvard und Oxford vorweisen, er arbeitete drei Jahre beim Beratungsunternehmen McKinsey, außerdem spricht er acht Sprachen, spielt Klavier und ist einer der wenigen Kandidaten mit Militärerfahrung. 2014 war er sechs Monate lang in Afghanistan stationiert. „In vieler Hinsicht ist Buttigieg das genaue Gegenteil von Trump: jünger, streberhafter, kleiner, besonnener und mit einem Mann verheiratet“, schrieb „Time“ in seiner Titelgeschichte.

Buttigieg gibt sich als Brückenbauer. Zwischen Jung und Alt, Land und Stadt, Arbeitern und Anzugträgern. Rhetorisch ist er fast allen Mitstreitern überlegen. Doch seine politische Agenda bleibt weiterhin vage. Als er zu Beginn einer Town-Hall-Sendung von Fox News Ende Mai von einem Zuschauer gefragt wurde, wie er sich mit seinem Programm von den anderen Kandidaten und Kandidatinnen unterscheide, nannte Buttigieg keinen einzigen konkreten Programmpunkt. „Mein Gesicht ist die Botschaft“, hat Buttigieg mal in einem Interview gesagt.

Er will das Wahlsystem, den Obersten Gerichtshof und das Immigrationssystem reformieren, so steht es auf seiner Website. Doch wie, das erklärt er nicht in Details. Buttigieg geht es darum, einen Neuanfang zu symbolisieren. Es sei Zeit für eine „neue Generation der Führungskräfte“, sagt er bei seinen Events. Manche fühlen sich sogar an Barack Obama erinnert, der 2008 mit „Hope“, „Yes, we can“ und viel Aufbruchstimmung Massen begeisterte.

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Einen nicht unbedeutenden Vorteil hat Buttigieg durch seine Heimat, den Rust Belt, jene von Arbeitslosigkeit geplagte Industrieregion, die schon bei der letzten Wahl mitentscheidend war und auch 2020 enorm wichtig sein wird. Donald Trump gewann 2016 die meisten Bundesstaaten im Mittleren Westen. Wer auch immer für die Demokraten antritt, er oder sie muss die Bewohner des Rust Belt überzeugen.

Von Trump wurde Buttigieg neulich übrigens als Alfred E. Neuman verspottet – so heißt die Witzfigur aus dem US-Satiremagazin „Mad“. Der 37-jährige Demokrat reagierte locker: Der Name sage ihm nichts, „muss wohl eine Generationensache sein“.

* Anm. d. Red.: In der ersten Version dieses Porträts schrieben wir hier von 7 Millionen Dollar Wahlkampfspenden. Diese Angabe bezog sich auf das erste Quartal 2019. Wie sein Kampagnenteam mitteilte, konnte Buttigieg seit April 2019 weitere 24,8 Millionen Dollar einsammeln. Die Spendenzahlen anderer Demokrat*innen für das zweite Quartal waren zum Zeitpunkt der Bearbeitung noch nicht öffentlich. 

Titelbild: Mark Peterson/Redux/laif

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

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