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Die mit dem Plan

Elizabeth Warren gilt als akribische Strategin. Gerade wenn es darum geht, künftig Geld und Macht umzuverteilen

  • 3 Min.
Foto: Marco Bello/Bloomberg via Getty Images

Im November 2020 will Donald Trump zum US-Präsidenten wiedergewählt werden. Der Wahlkampf läuft bereits: Über 20 Kandidat*innen der Demokratischen Partei haben sich in Stellung gebracht, um gegen ihn anzutreten. Doch nur eine*r darf. Fluter.de stellt die fünf aussichtsreichsten vor – plus einen weniger aussichtsreichen Republikaner.

Vielleicht wird Elizabeth Warren irgendwann auf die erste Woche im Juni 2019 zurückblicken und in ihr so etwas wie einen Zündungsmoment erkennen. Es nahm seinen Anfang mit einer Wahlumfrage, die Warren bei den demokratischen Präsidentschaftsbewerbern auf Platz drei – fast gleichauf mit Bernie Sanders – sah. Anschließend durfte sie in der „New York Times“ eine Kolumne des Journalisten Farhad Manjoo über sich lesen, die Warrens PR-Abteilung nicht besser hätte formulieren können. „Ich möchte in Elizabeth Warrens Amerika leben“, lautete die Überschrift. Kurz darauf wurde sie dann sogar vom rechten „Fox News“-Moderator Tucker Carlson in dessen Primetime-Sendung für ihren „ökonomischen Patriotismus“ gelobt, den sich, so Carlson, kein einziger Politiker der Republikaner trauen würde. Und einen Tag später staunte der Comedian Trevor Noah in seiner Late-Night-Show, dass es Warren gelungen sei, „aus dem überfüllten Feld herauszustechen, weil sie als Einzige die Strategie fährt, einen Plan zu haben“.

Das Image hat sich mittlerweile verfestigt: Warren ist die mit dem Plan. Beziehungsweise: die mit den Plänen. Fast im Wochentakt präsentiert die 70-Jährige Gesetzentwürfe, in denen Probleme und Lösungen nicht nur grob skizziert, sondern bis ins Detail ausformuliert und finanziell durchgerechnet sind. Warren, die erste Präsidentin in der Geschichte der USA werden möchte, gilt als „wonk“, was man mit Fachspezialistin, Streberin oder „Aktenfresserin“ übersetzen kann. Die Frage ist, ob ihre Pläne auch genug US-Amerikaner erreichen. Eine breite, diverse Anhängerschaft fehlt ihr nämlich noch. 

Alter: 70

Position: Senatorin aus Massachusetts

Wahlkampfthemen: Regulierung der Finanzwelt, höhere Steuern für Vermögen ab 50 Millionen Dollar, Stärkung der Mittelschicht, nachhaltige Wirtschaft

Basis: Kapitalismuskritiker*innen; weiße Student*innen, Politiknerds; Linke, die Sanders nicht mögen, Vorstadtbewohner*innen

Spenden: 16,5 Millionen Dollar

Was die politische Agenda angeht, unterscheiden sich Warren und ihr Mitstreiter Bernie Sanders kaum voneinander. Beide gehören zum linken Flügel der Demokraten. Man könnte auch sagen, sie stehen sich dort gegenseitig im Weg. Sanders hat allerdings, so widersprüchlich es klingen mag, den Vorteil einer gescheiterten Kandidatur. Während seine Basis stark gewachsen ist, seit er in den Vorwahlen 2016 Hillary Clinton unterlag, muss Warren noch um Bekanntheit kämpfen.

Was genau will Warren? Unter anderem deutlich mehr Steuern für Millionäre ab 50 Millionen Dollar Vermögen, deutlich weniger Einfluss von Lobbyisten, einen Erlass von Studienschulden, ein Aufbrechen der Technologie-Giganten, eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte, eine allgemeine Krankenversicherung und eine Erhöhung des Mindestlohns. Kurz: eine deutliche Umverteilung von Geld und Macht. Doch ob all das auch zu mehr sozialer Gerechtigkeit führt, bezweifeln Ökonomen. So könnte der Erlass von Studienschulden beispielsweise genau das Gegenteil bewirken, weil davon überproportional Absolventen besonders teurer Studiengänge wie Medizin oder Jura profitieren würden. Die verdienen später allerdings auch am meisten und kommen oft aus reichen Familien.

Kürzlich stellte Warren ihren „Green Manufacturing Plan for America“ vor, ein umfassendes Programm, das Klimaschutz mit neuen Arbeitsplätzen verbinden soll. Auch das Thema Abtreibungen ist für sie zentral, gerade jetzt, wo die Republikaner elementare Rechte wieder zurücknehmen wollen. „Vermögende Frauen werden auch weiter Zugang zu Abtreibungen haben. Wer es nicht haben wird, sind arme Frauen, arbeitende Frauen; Frauen, die es sich nicht erlauben können, drei Tage freizunehmen“, sagte Warren kürzlich in einer TV-Sendung.

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Warren identifiziert sich mit denen, die prekär leben; vielleicht, weil sie diese Verhältnisse selbst kennt. Als sie zwölf Jahre alt war, erlitt ihr Vater einen Herzinfarkt. Ihre Mutter wurde mit einem Mindestlohnjob zur Alleinernährerin. Warren selbst war die längste Zeit ihres Lebens Juraprofessorin, erst nach der Finanzkrise vor zehn Jahren entschloss sich die Mutter zweier Kinder für den Wechsel in die Politik, seit 2012 sitzt sie im US-Kongress.

Zu ihrer Geschichte gehört auch, dass sie noch in den 90er-Jahren registrierte Republikanerin war, was ihr manche Demokraten heute übel nehmen. Den schärfsten Gegenwind spürte Warren jedoch im vergangenen Jahr, als sie mittels eines DNA-Tests ihre indigene Herkunft nachwies. Diese hatte Donald Trump zuvor bezweifelt. Weil sie nur zu höchstens einem Vierundsechzigstel „native American“ ist, nennt er sie auch weiterhin „Pocahontas“ oder „Fake Indian“. Und was sagt Warren über Trump? Dass er längst im Gefängnis sitzen würde, wäre er nicht gerade US-Präsident.

 

Titelbild: Marco Bello/Bloomberg via Getty Images

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

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