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Der Schüleraufstand in Soweto

Historische Jugendbewegungen, Teil 4: Als sie in der Sprache der Unterdrücker unterrichtet werden sollten, begehrten die Schüler auf. Der blutige Protest von 1976 gilt als Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika

Schüleraufstand

Südafrika im Jahr 1976 war ein Land, das seine Bewohner in Menschen erster, zweiter und dritter Klasse aufteilte. Ganz oben standen die „Weißen“, darunter die „Farbigen“ (englisch: Coloured), ganz unten die „Schwarzen“.

In diesem Apartheid-Staat herrschte eine weiße Oberschicht. Was sie von den anderen hielt, formulierte der spätere Premierminister Hendrik F. Verwoerd bereits in den 1950er-Jahren so: „Wir müssen den Eingeborenen schon früh beibringen, dass sie niemals den Europäern gleich sein werden.“ Schwarze seien für niedere Arbeiten da, so Verwoerd. Warum sollte man ihnen da Mathematik beibringen?

Schwarze Schüler sollten fortan auf Afrikaans, der Sprache der Weißen unterrichtet werden

Ein neues Gesetz bestimmte, dass schwarze Schüler auf höheren Schulen nicht nur auf Englisch unterrichtet wurden, sondern auch auf Afrikaans, der Sprache der Weißen. Nichtweiße sollten also nicht mehr nur vermittelt bekommen, dass sie minderwertig sind, sie sollten das auch noch in der Sprache der Unterdrücker lernen.

Im Juni 1976 zogen deshalb mehrere tausend Schüler durch Soweto, ein Township südwestlich der Großstadt Johannesburg. Sie demonstrierten und sangen gegen die Diskriminierung an. An den Kreuzungen zogen Polizisten auf, mit scharfer Munition schossen sie auf die Demonstranten.

Eine der ersten Kugeln traf den zwölfjährigen Hector Pieterson, tödlich verletzt sackte er zusammen. Das Foto, wie der sterbende Jugendliche weggetragen wird, den Mund blutverschmiert, den Kopf im Nacken, schafft es auf Titelseiten in der ganzen Welt.

Die Polizei geht skrupellos vor – die blutigen Bilder kann sie nicht mehr aus der Welt schaffen

In den Wochen darauf erheben sich schwarze Jugendliche in vielen Orten Südafrikas, es kommt zu Lynchmorden und Plünderungen. Die Polizei ist skrupellos, erschießt mehrere hundert Menschen. Doch die blutigen Bilder kann sie nicht aus der Welt schaffen.

Der Aufstand der Jugendlichen von Soweto gilt als Anfang vom Ende der Apartheid. Im Land wuchs der Widerstand der schwarzen Bevölkerungsmehrheit, international war Südafrika schon länger isoliert und wurde durch UN-Sanktionen bestraft. Bis zur ersten freien Wahl dauerte es aber noch fast 20 Jahre. Heute ist der 16. Juni ein nationaler Feiertag in Südafrika. Sein Name: Tag der Jugend.

Immer wieder: Die junge Generation begehrt auf und fordert radikale Erneuerung. Unsere historische Reihe über politische Jugendbewegungen:

Teil 1: Wartburgfest und Hambacher Fest – Bürger sein, nicht Untertan

Teil 2: Die 68er – Lüften in einem muffigen und verstaubten Land

Teil 3: Die Jungtürken – für eine Republik gekämpft, dann Unterdrücker geworden

Teil 4: Schüleraufstand in Soweto – der Anfang vom Ende der Apartheid in Südfrika

Illustration: Enrico Nagel

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

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