Elf Jahre lang sammelten die drei Grafiker des Schweizer Designerbüros Prill Vieceli Cremers auf Reisen und Flohmärkten Geldscheine, vergrößerten die darauf gedruckten Illustrationen und packten sie anschließend kommentarlos in einen Bildband. Die Fragen, die sich das Trio damit beantworten wollte: Mit welchen Bildern drückt man Wert aus? Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede?

Ein Blick in das Buch und die Geldbörsen dieser Welt zeigt: Auf Banknoten abgebildet werden meist Motive, die eng mit den Identitäten der jeweiligen Länder verknüpft sind: Ideale, die verkörpert, Ereignisse, an die erinnert, und Erfolge, die hochgehalten werden sollen. Besonders oft zu sehen sind berühmte Bauten und bekannte Köpfe, von George Washington bis Muammar al-Gaddafi. Auf Geldscheinen wird regiert, gekämpft und gehandelt, getanzt, geschrieben und posiert. Es gibt Kühe und Haie, Flugzeuge und Fußballer, Tablets und Terminals. Auf engstem Raum scheinen Staaten und Währungsräume das zur Schau zu stellen, für das sie stehen wollen.
Die Banknote wird zur Visitenkarte.

Bevor man beim nächsten Einkauf einen Euroschein über den Tresen schiebt, kann es deshalb durchaus lohnend sein, kurz mal näher hinzugucken. Von Nennwert und Sicherheitsmerkmalen wie Wasserzeichen oder Folienelementen abgesehen: Was ist auf allen sieben Scheinen sonst noch zu sehen? Und vor allem: warum? Vielleicht finden sich dort wertvolle Hinweise auf die Frage, was heute die kollektive europäische Identität ausmacht. 


 
Motiv auf schottischem Geldschein
Schottland

Marktplatz auf den Malediven
Malediven

Banknotenmotive aus Biafra und Nordkorea
Links: Biafra, rechts: Nordkorea

Illustration von tanzenden Bienen und einem Fußballer
Links: Polen, rechts: Irland

Umgekehrt fliegender Doppeldecker
Peru

Kuh und Tablet
Links: Ruanda, rechts: Senegal

links: Portrait eines Mannes, rechts: Fabrikarbeiter
Links: Bolivien, rechts: Luxemburg

Links: eine Landschaft, rechts: ein Hai und eine nackte, tanzende Frau
Links: Suriname, rechts: Cookinseln

Eine Lehrerin mit Grundschülern
Guatemala

Ein Minenarbeiter in Sambia
Sambia

Links: unmögliche Figur, rechts: angeschnittenes Porträt von Mobuto Sese Seko
Links: Holland, rechts: Zaire (heute Demokratische Republik Kongo)

Links: ein mit Muster bemaltes Gesicht, rechts: bunte Muster
Links: Brasilien, rechts: Marokko

Linke Seite: ein Snowboarder, rechte Seite: Dreifaltigkeitssymbol
Links: Russland, rechts: Vereinigte Staaten von Amerika

Fabrikarbeiter
Luxemburg

Linke Seite: ein Wasserfall, rechte Seite: eine Frau am Computer, ein Satellit etc.
Links: Brunei, rechts: Indien

Linke Seite: eine Chemikerin, rechte Seite: Mitglieder eines Geheimbundes bei einem Ritual
Links: Schottland, rechts: Philippinen

Linke Seite: Menschen am Strand, rechte Seite: ein Künstler
Links: Bahamas, rechts: Brasilien