Ein Zitat, das in letzter Zeit wieder häufiger hervorgekramt wird: „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufspringen, bis wir am Ziel sind.“ So im Jahr 1997 von Recep Tayyip Erdoğan öffentlich aus einem Gedicht zitiert. Eine Provokation, die ihn für vier Monate ins Gefängnis bringen sollte.

Am Sonntag lässt Präsident Erdoğan die Wähler über eine neue Verfassung abstimmen – viele sorgen sich, die Republik Türkei könnte nun tatsächlich vom Demokratie-Zug abspringen.

Worum geht es bei dem Referendum – und warum ist das so wichtig?

Es geht um 18 Änderungen (von der Forschungsstelle für türkisches Recht an der Uni Erlangen hier rot markiert und übersetzt ) – mit wahrscheinlich zigfach so vielen Folgen. Welchen Machtzuwachs die Verfassungsänderung dem Präsidenten bescheren würde, zeigt #kurzerklärt:

Beim Inforadio lassen sich die Folgen eines Ja oder Nein filtern – für Erdoğan, die Opposition, die Wirtschaft …

Und wer richtig tief ins Thema einsteigen möchte, wird im Türkei-Dossier der bpb fündig.

Wie wird es ausgehen – und wieso?

Das Ergebnis ist auch kurz vor der Abstimmung nicht absehbar, Experten rechnen mit einem knappen Ausgang. Sorgen bereitete Wahlbeobachtern, dass die „Nein“-Kampagne der Opposition behindert worden sei, wie der Leiter der OSZE-Wahlbeobachtermission in diesem Interview berichtet.

In Deutschland hat knapp die Hälfte der 1,4 Millionen wahlberechtigten Türken abgestimmt. Auch hier wird mit einem annähernden 50/50-Votum gerechnet. Wie kommt’s? Journalist Eren Güvercin sagt: „Wir Deutschtürken ticken anders“:

„Zündfunk“: Ein Scherbenhaufen, mit dem wir Deutschtürken klarkommen müssen

Fest steht laut diesem Artikel aber auch, dass die türkische Regierungspartei AKP eine starke Lobby in Deutschland hat:

Tagesspiegel: Erdoğans Lobby in Deutschland

Zugabe: Gegen Stereotype

Sunniten, Aleviten, Christen, Juden, Kurden – wir wussten, dass es problematisch ist, von „den Türken“ zu sprechen (für einen schnellen Überblick einfach mal den Wikipedia-Eintrag „Volksgruppen in der Türkei“ checken), aber von den Afrotürken hatten wir noch nie gehört. Sogar viele Türken wissen nichts oder nur wenig über die Minderheit, schreibt das deutsch-türkische Kulturmagazin „Renk“, das die Afrotürken vorstellt:

Renk: Afrotürken – im toten Winkel der Geschichte

Auch einen Klick Blick wert: NDR-Reporterin Yasemin Ergin war eine Woche lang in Istanbul unterwegs und hat mit vielen Menschen gesprochen – über den Terror, den Ausnahmezustand und die autoritäre Wende in der türkischen Politik:

Titelbild: Renke Brandt