Alternative Modelle

Alternative Modelle (GIF: Anthony Antonellis)
Auch wenn Internetriesen wie Google viel Geld in Forschung und die Entwicklung von Technologien stecken mögen – letztendlich geht es ihnen (so wie jedem anderen Konzern auch) vor allem um eines: Gewinn. Groß aufgezogene Projekte wie Ubuntu und Wikipedia versuchen derweil, das Internet offen, transparent und gemeinnützig zu gestalten (GIF: Anthony Antonellis)

Vor einigen Monaten kursierte eine kühne Idee im Netz: Unter dem Hashtag #WeAreTwitter wurde diskutiert, ob der populäre Kurznachrichtendienst nicht einfach durch seine Nutzer-Crowd übernommen werden könnte. Aus der Idee ist bisher allerdings wenig geworden. Nur ein paar tausend Unterstützer haben eine Onlinepetition unterzeichnet, die Twitter zu einer Zusammenarbeit aufforderte. Es sieht ganz so aus, als bliebe alles beim Alten und Twitter ein klassischer Internetdienst, der im Auftrag seiner Besitzer möglichst viel Geld einbringen soll. 

Die Umwandlung von Twitter in ein nutzerbetriebenes Projekt wäre eine kleine Sensation gewesen. Egal ob es sich um Softwareentwicklungen handelt, um Plattformen oder Inhalte, oft gehören sie sehr großen Konzernen, die man an einer Hand abzählen kann: Facebook betreibt neben dem größten sozialen Netzwerk auch den mobilen Messenger WhatsApp und die Foto-App Instagram. Microsoft steht unter anderem hinter dem PC-Betriebssystem Windows, der Bürosoftware Microsoft Office und dem Video-Telefoniedienst Skype. Und zu Alphabet (vormals Google) gehört neben vielem anderen die mit Abstand erfolgreichste Suchmaschine, das mobile Betriebssystem Android nebst dazugehörigem App-Marktplatz, das Videoportal YouTube sowie der E-Mail-Dienst Gmail. 

Die Konzerne und ihre Manager sind vor allem einem Ziel verpflichtet: den Wert des Unternehmens zu steigern und möglichst hohe Einnahmen zu erwirtschaften. Allerdings existiert eine kleine Gegenwelt, in der nicht Gewinne das Maß der Dinge sind. Dort entstehen nicht profitorientierte Inhalte und jede Menge Software, die Open Source ist, also für alle einsehbar, nutzbar und variierbar. Oft handelt es sich dabei um kleinere Hobbyprojekte. Einige Projekte verfügen allerdings über eine professionelle Struktur aus bezahlten Entwicklern und Projektmanagern, die die Software betreuen, sie weiterentwickeln und die Community aus Freiwilligen bei Laune halten. Vier Gegenmodelle, über die das Netz im größeren Maßstab anders gestaltet wird:

Wikipedia: Spenden statt Anzeigen

Seit einigen Wochen bittet ein auffälliges Banner auf der deutschsprachigen Wikipedia wieder um Spenden. Die Artikel der Online-Enzyklopädie werden von Tausenden Ehrenamtlichen geschrieben und gegengeprüft, es existiert aber auch eine parallele Organisationsstruktur. Bei der globalen Wikimedia Foundation arbeiten etwa 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, beim Länderverein Wikimedia Deutschland um die 90 Leute. Diese Struktur wird nicht über Werbung finanziert, sondern über Spenden.

Ein Großteil des Geldes stammt aus einer großen Kampagne, die jedes Jahr geschaltet wird. Ein Spendenbanner, das zuvor auf seine maximale Wirkung hin optimiert wurde, wird einfach so lange angezeigt, bis ein vorher definierter Zielbetrag erreicht ist. Insgesamt kamen für Wikimedia im letzten Geschäftsjahr auf diese Weise weltweit 77,2 Millionen US-Dollar zusammen. Der Verein Wikimedia Deutschland nahm im letzten Jahr im Herbst knapp neun Millionen Euro ein von rund 400.000 Einzelspendern. Mit den Spendeneinnahmen entwickelt Wikimedia die Technologie weiter, fördert Projekte der Community, organisiert Konferenzen und betreut kleinere Schwesterprojekte wie das Reise-Wiki Wikivoyage. 

Weltweit wurden im vergangenen Jahr 77,2 Millionen US-Dollar für die Wikimedia Foundation gespendet

Das Open-Source-Modell von WordPress

Mit der kostenlosen und quelloffenen Software WordPress lassen sich Blogs oder auch aufwendige Onlinemagazine bauen. Hinter der populären Blog-Software steht die nicht profitorientierte WordPress Foundation, diese ist aber eng mit einem kommerziellen Unternehmen verbunden. Der WordPress-Schöpfer Matt Mullenweg hatte die Software erst unter dem Dach seiner Firma Automattic Inc. entwickelt und dann schließlich die Stiftung gegründet, der er die Rechte an der Marke WordPress geschenkt hat. 

WordPress verfolgt ein Open-Source-Geschäftsmodell, das für viele Internetprojekte typisch ist. Auf WordPress.org lässt sich die Software kostenlos herunterladen, Geld verdient Automattic mit thematisch verwandten Produkten. Der eigentliche Goldesel ist der Blog-Hoster WordPress.com, für Leute, die sich ohne technischen Aufwand ein Blog zulegen wollen. Es gibt einen kostenlosen Modus, bei dem das eigene Blog stets auf WordPress.com endet und Werbung eingespielt wird, und dann gibt es noch verschiedene kostenpflichtige Modelle. Für Automattic arbeiten mehr als 500 Leute, die im Zuge ihrer bezahlten Arbeit auch weiterhin an der WordPress-Software arbeiten. 

Der Goldesel der WordPress Foundation ist der Blog-Hoster WordPress.com – mit seiner Hilfe kann man sich ohne großen technischen Aufwand einen Blog zulegen