Man sieht sie auf belebten Plätzen, vor Einkaufscentern oder an touristischen Hotspots und vor allem: man hört sie - die Straßenmusiker. Europa macht das Reisen einfach, das Leben von Straßenmusikern nicht unbedingt.

Schon Homer schreibt über sie

Das reisende Musikervolk hat eine lange Tradition. Schon in Homers berühmter Reisesaga, der Odyssee, gab es Geschichten von wandernden Dichtern. Die Fähigsten unter ihnen unterhielten sogar ganze Königshöfe. Auch altiranische Quellen erzählen davon. Dabei galten die Wandermusiker nicht nur als erfreuliche Entertainer. Neugierigen Ohren waren sie oft Boten von Nachrichten oder Klatsch und Tratsch. Im europäischen Mittelalter gab es generell viele Wanderberufe. Wie die Wandergesellen zum Beispiel, die neben ihrem Handwerk auch zu Musizieren verstanden. Durch das Musizieren auf freien Plätzen konnten sie so längere Durststrecken durch Arbeitslosigkeit überwinden.

Es gibt auch Hürden

Spätestens im 20. Jahrhundert hat sich die Straßenmusik als eine eigene Form der Kleinkunst etabliert und einige Performer sind sogar berühmt geworden - Jan Tiersen zum Beispiel. Seine Filmmusik zu „Die fabelhafte Welt der Amélie“ erinnert in ihrer Mischung aus Folk, Chanson und Musette und dem Einsatz des Akkordeons an französische Straßenmusik.

Doch das Reisen und Leben aus dem Musikkoffer, wird in vielen europäischen Metropolen immer schwieriger. Einige Städte wie Paris, Wien oder München gehen sehr restriktiv mit Wandermusikern um. In der bayerischen Landeshauptstadt müssen sie sogar durch ein Behörden-Casting, um eine Tagesgenehmigung zu erhalten.

Als zugänglichstes Pflaster gilt in Deutschland immer noch Berlin, obwohl das Spielen in den U- und S-Bahnen sowie auf Bahnhöfen einer Genehmigung bedarf. Denn Betteln und Musizieren werden rechtlich gleichgesetzt und sind verboten. Straßenmusiker können sich in Berlin eine Genehmigung für das Spielen im öffentlichen Nahverkehr besorgen. Sie kostet 7,20 EUR pro Tag. Darin enthalten ist die An- und Abfahrt zu dem Bahnhof, auf dem musiziert wird.

Doch auch dann gilt es, Regeln zu beachten. Erstens Musizieren nur zwischen 16 und 22:00 Uhr. Zweitens keine Verstärker benutzen, sonst ist es schnell Ruhestörung. Doch wer selbst schon mal bei richtig guten Straßenrockern im Park oder unter einer Brücke hängen blieb, weiß, dass sich zumindest in Berlin nur wenige strikt an diese Reglements halten.

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Regelwerk für Straßenmusiker auf wikihow