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Wer ist Zed und wie viele?

Der Film „Mogul Mowgli“ zeigt einen aufstrebenden britischen Rapper aus einer pakistanischen Familie – und dass der Spagat zwischen Identität und Job krank machen kann

Foto: Mogul Mowgli / BBC Films

Worum geht’s?

Zaheer, genannt Zed, ist ein britischer Rapper auf dem Weg nach ganz oben: Gerade wurde ihm die erste internationale Tour angeboten. Auf die Kritik seiner Freundin Bina, er würde nur noch über Heimat rappen, sich aber gar nicht selbst mit ihr auseinandersetzen, fliegt Zed zurück nach England und besucht seine Eltern. Die stammen aus Pakistan. Bei ihnen zu Hause findet Zed Mixtapes mit pakistanischer Qawwali-Musik, die Reise zu seinen kulturellen Wurzeln beginnt. Bis Zed plötzlich durch eine schwere Erbkrankheit außer Gefecht gesetzt wird. Er halluziniert, Szenen aus Tradition und Rapmoderne, dem Leben seines Vaters und den Gefühlen seiner Kindheit steigern sich zu einer albtraumhaften Identitätskrise.

Wie wird’s erzählt?

Verworren. Zed, gespielt von Riz Ahmed, wird wie ein britischer Eminem dargestellt: Bei Tag und Nacht, in jeder Lebenslage rappt er über seine Gefühle, selbst wenn gerade seine Freundin neben ihm schläft. In seinem Kopf ist so viel los, dass man als Zuschauer*in nicht immer mitkommt. Ein Mann mit Blumenschleier vor dem Gesicht verfolgt ihn in seinen Träumen und Gedanken, seine Familie ist süß bis übergriffig, und unter Narkose träumt Zed davon, wie er vor Koranschülern mit einem Ringer kämpft. Warum, weiß man als Zuschauer*in nicht. Irgendwie berührt es einen auch nicht so richtig. Trotzdem ist der Kampf zwischen den verschiedenen Zugehörigkeiten spürbar, und Zed’s Frage „Wer bin ich und wie viele?“ hämmert irgendwann nicht nur auf ihn, sondern auch auf die Zuschauer*innen ein.

Regisseur Bassam Tariq hat bisher ausschließlich Dokumentarfilme gedreht, „Mogul Mowgli“ ist sein erster Spielfilm. Dafür hat der Filmemacher richtig auf die Tube gedrückt: ästhetische Bilder, leuchtende Farben, Zeitlupen und beängstigend eindrucksvolle Nahaufnahmen. Es wirkt so, als orientiere sich der Film sehr an Riz Ahmeds echtem Leben, teilweise werden auch private Videos von Ahmeds Kindheit eingeblendet. Einige Charaktere werden dagegen überzeichnet, so wie Zeds Rapkonkurrent RPG, der als Bling-Bling-Persiflage eines dümmlichen Otto-Normal-Cloud-Rappers daherkommt. 

 

Was zeigt uns das?

Zed hat es nicht einfach. Vielen Kindern, die mehrere Identitäten in sich vereinen, geht es ähnlich: Die soziale Herkunft kann sehr bestimmend und Familienstrukturen können schwer zu durchbrechen sein. Dazu kommt, dass traumatische Erinnerungen – zum Beispiel an einen Krieg oder eine Flucht – von einer Generation an die nächste weitergegeben werden können. Manchmal, das zeigt „Mogul Mowgli“, machen sie einen sogar verrückt. 

Gut zu wissen

Hauptdarsteller Riz Ahmed hat das Drehbuch geschrieben und ist auch im echten Leben als Rapper unterwegs – unter dem Künstlernamen Riz MC. Gemeinsam mit dem Rapper Heems und dem Produzenten Redinho gründete er vor einigen Jahren die Musikgruppe „Swet Shop Boys“, die 2016 den Song „Half Moghul Half Mowgli“ veröffentlichte. Im Film kommt immer wieder die Phrase „Toba Tek Singh“ vor. Dabei handelt es sich um eine Kurzgeschichte des pakistanischen Autors Saadat Hasan Manto aus dem Jahr 1955, der die Beziehung zwischen Indien und Pakistan satirisch behandelt. 

 

Good Job!

Die Musik ist gut eingesetzt und kraftvoll – genauso wie die Reime von Rapper Zed.

Taschentuchmomente?

Nicht viele. Als Zed in der Dusche zwischen seinen streitenden Eltern zusammenbricht, fühlt man aber schon sehr mit.

Ideal für …

Fans von Riz Ahmed und seiner Musik.

„Mogul Mowgli“ (Panorama, 2020) von Bassam Tariq läuft ab dem 21.2. an vier Terminen auf der Berlinale. Alle Infos gibt es hier.

Titelbild: Mogul Mowgli / BBC Films

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

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