Schweden – Das EU-Vorzeigeland für Willkommenskultur

Schweden wird oft als Vorbild genannt, wenn es um eine Willkommenskultur und den entsprechenden staatlichen Umgang mit Flüchtlingen geht. In dem skandinavischen Land ist man Flüchtlingen gegenüber aufgeschlossener als anderswo. Das zeigt sich auch an deren vergleichsweise sehr hohen Anzahl: Schweden ist das Land, das innerhalb der Europäischen Union gemessen an seiner Einwohnerzahl seit Jahren die meisten Flüchtlinge aufnimmt. Auf 1.000 Einwohner kamen im Jahr 2014 8,4 Asylbewerber. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 2,5. Eine funktionierende Infrastruktur zu ihrer Aufnahme, Registrierung und Unterbringung wurde in Schweden schon während der letzten großen Einwanderungsbewegung aufgebaut: 2007 nahm die schwedische Stadt Södertälje mehr Flüchtlinge aus dem Irak auf als die klassischen Einwanderungsländer USA und Kanada zusammengenommen. Angesichts des derzeit verstärkten Zustroms von Flüchtlingen gibt es aber auch in Schweden eine Diskussion über die „Grenzen der Aufnahmekapazität“. Die Unterkünfte werden knapp und manche Kommunen beklagen, dass sie die Vielzahl der Flüchtlinge nicht mehr aufnehmen können. Von der angespannten Lage profitieren vor allem die „Schwedendemokraten“, die mehr Härte gegenüber Flüchtlingen fordern: Die rechtspopulistische Partei steht in Umfragen derzeit bei über 20 Prozent und ist damit so stark wie noch nie.

Schweiz – Wo Einwanderer die Wirtschaft ankurbeln und Ängste auslösen

Rund 80.000 Menschen wanderten seit 2007 jährlich in die Alpenrepublik ein. Das scheint sich positiv auf die Wirtschaft in der Schweiz auszuwirken: So ist laut eines Berichtes der Weltbank der ökonomische Nutzen von Migration längerfristig signifikant höher als die damit verbundenen Kosten. Die Neuankömmlinge senkten den Altersdurchschnitt der Republik und entschärften das Problem des Fachkräftemangels. Unter den Zuwanderern sind auch viele Deutsche, die die Lebensqualität in der Schweiz schätzen. Doch die Stimmung kippt: Letztes Jahr votierten die Schweizer mit knapper Mehrheit für eine Begrenzung der Zuwanderung. Eine große Rolle spielte bei der Debatte der angebliche „Dichtestress“, also dass eine zu große Zuwanderung die Bewohner der flächenmäßig kleinen Schweiz überfordern würde. In den dicht besiedelten und engen Ballungsgebieten wie Zürich oder Genf stimmten die Menschen aber gegen eine Begrenzung. Das lässt viele Kommentatoren vermuten, dass die wahren Motive für die Ablehnung der Zuwanderung andere sein müssen. Vielleicht geht es da eher um Ängste und das Unbehagen, die Schweiz könne sich durch Zuwanderer stark verändern. Offen bleibt zunächst also die Frage, wie weltoffen die Schweiz in Zukunft sein will. Bei der Schweizer Parlamentswahl im Oktober gewann die rechtskonservative Schweizerische Volkspartei 65 der 200 Sitze.

Libanon – Herausforderungen ein paar Nummern größer

Während Deutschland über die Aufnahme von bis zu einer Million Flüchtlinge diskutiert, hat der Libanon mit Herausforderungen in einer ganz anderen Dimension zu kämpfen: Etwa 4,5 Millionen Einwohner hatte der Mittelmeerstaat bis vor Kurzem. Seit Ausbruch des Krieges in Syrien kamen schätzungsweise bis zu zwei Millionen syrische Flüchtlinge hinzu, die hier Schutz suchen. Und das in einem Land, das selbst krisen- und kriegsgebeutelt ist: Im Libanon gibt es viele politische Spannungen, vor allem zwischen der Hisbollah und pro-westlichen Parteien. Zwar sind die Flüchtlinge dort trotz der innenpolitischen Konflikte relativ sicher, eine langfristige Perspektive haben sie jedoch nicht. Die Regierung des Libanons ist mit der Situation offensichtlich überfordert: Sie verhindert die Errichtung von vollwertigen Siedlungen, da sie die Syrer nicht dauerhaft aufnehmen will. Viele von ihnen versuchen daher, über den Libanon in andere Staaten zu gelangen, in denen etwa schon Familienmitglieder oder Freunde leben und die ihnen bessere Chancen auf Arbeit bieten können.

Uruguay – Offen für alle, die Arbeit haben

Zwar ist Uruguay das kleinste spanischsprachige Land Südamerikas, seine Verfassung erhebt aber einen sehr hohen Anspruch: Sie garantiert jeder Person die Möglichkeit, nach Uruguay einzuwandern. Es gibt keine festen Quoten und nicht so viele Bestimmungen wie in etlichen anderen Ländern. Voraussetzung ist die erklärte Absicht des Einwanderers, in Uruguay leben zu wollen, und ein festes Einkommen – zum Beispiel aus einer Arbeit in Uruguay, aus einer Rente oder auch aus Immobilien- oder Firmenbesitz. Das genügt, um einen Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung stellen zu können. Zudem bot Uruguay immer wieder auch aus Eigeninitiative Flüchtlingen die Aufnahme an, zuletzt etwa syrischen Kriegsflüchtlingen sowie einigen ehemaligen Gefangenen aus dem US-Gefängnis Guantanamo Bay, für deren Aufnahme sich kein anderer Staat in Südamerika bereit erklärt hatte. Allerdings hat der Außenminister der neuen Regierung, Rodolfo Nin Novoa, jüngst angekündigt, diese Politik ändern zu wollen. Weitere Guantanamo-Insassen sollen nicht aufgenommen werden, und auch für syrische Familien soll es bis Ende 2015 einen Aufnahmestopp geben. Als Begründung führte er „kulturelle und infrastrukturelle Probleme“ an.

Kanada – Klassisches Einwanderungsland, das aber strenger geworden ist

Als erster Staat der Welt hat Kanada Multikulturalismus als Grundrecht in seiner Verfassung verankert. Kanada gilt als das klassische Einwanderungsland. Jährlich nimmt es rund 250.000 Migranten auf. Von den heute 35 Millionen Einwohnern Kanadas wurden gut 20 Prozent nicht dort geboren. Das viel gelobte Punktesystem, das jahrzehntelang darauf ausgerichtet gewesen war, besonders gut ausgebildete und dringend gesuchte Arbeitskräfte anzuwerben, wurde jedoch vor Kurzem unter der konservativen Regierung durch ein neues ersetzt. Einwanderer werden nun einer wesentlich strengeren Prüfung unterzogen. Gute Chancen, akzeptiert zu werden, haben diejenigen Bewerber, denen bereits ein Jobangebot vorliegt. Flüchtlinge werden nur vereinzelt aufgenommen, und die bürokratischen Hürden sind hierfür zuletzt noch erhöht worden. Womöglich steht aber wieder ein Wechsel in der Flüchtlingspolitik an: Die liberale Opposition, die die rigiden Maßnahmen scharf kritisiert hatte, hat bei den Parlamentswahlen im Oktober die absolute Mehrheit im Parlament gewonnen.

Pitcairn – Einsame Insel, die dringend Zuwanderer sucht – aber nur solche mit Geld

Sie ist eines der letzten verbliebenen Überseegebiete Großbritanniens: die kleine Insel Pitcairn, auf der noch heute die Nachfahren der Meuterer des Schiffs „Bounty“ leben. Sie liegt mitten im Pazifik und ist einer der abgelegensten Orte der Welt. Jetzt will die Einwanderungsbehörde die schrumpfende Inselbevölkerung vor dem Aussterben retten und wirbt daher aktiv um Einwanderer: „Angesichts einer alternden Bevölkerung von rund 50 Personen sucht dieses britische Überseegebiet nach qualifizierten Einzelpersonen und Familien, die Freude an der Herausforderung hätten, am Aufbau einer lebendigen und nachhaltigen Zukunft in dieser entlegenen Siedlung mitzuwirken“, heißt es auf der Webseite der Inselverwaltung. Allerdings sollten Neuankömmlinge mit ausreichend finanziellen Mitteln ausgestattet und kerngesund sein. Im Gegenzug bietet die Insel nur wenige Jobmöglichkeiten und ein raues Klima, aber auch die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. Alle drei Monate kommt ein Boot, das Pitcairn mit dem Nötigsten versorgt. Hin und wieder verirren sich so auch Touristen hierhin. Und vielleicht bald auch wieder ein paar Einwanderer.