Ein alter Weihnachtsbaum hängt auf dem Bürgersteig aus einem orangefarbenen Mülleimer in einer nächtlichen Straßenszene

Oh Tannenbaum, no Tannenbaum

Nach Weihnachten werden in Deutschland bis zu 30 Millionen Christbäume entsorgt. Dabei könnte man mit den Tannen noch so einiges anstellen – oder aber auf Alternativen setzen

Text: Michael Brake und Fotos: Nikita Teryoshin
Thema: Klima
24. Dezember 2025

Acht bis zwölf Jahre braucht eine Nordmanntanne, bis sie groß genug ist, um Weihnachtsbaum zu sein. Im besten Fall steht sie anschließend einen Monat, im schlechtesten ein paar Tage in einem Wohnzimmer. Kurz nach dem Fest wird sie dann Abfall, zusammen mit etwa 25 Millionen Bäumen alleine in Deutschland, jedes Jahr. 

Warum nicht einfach Vitamin-C-haltige Tannentees kochen?

Dabei ließen sich die Bäume noch weiter nutzen. So kann man beispielsweise aus den Nadeln Badezusätze machen, die ätherischen Öle sind schon mit drin. Auf ähnliche Weise lassen sich auch Vitamin-C-haltige Tannen- oder Fichtennadeltees kochen (nicht für Schwangere geeignet!). Und im Garten helfen die Nadeln bei der Schneckenabwehr.

Ganze Tannenzweige können wiederum Beete oder Blumenkästen vor Frost schützen. Auch sind sie gut geeignet, einen Komposthaufen zu strukturieren: Legt man die Zweige lagenweise zwischen die Essensabfälle, verbessern sie die Luftzirkulation und so die Kompostierung. Wer einen Kamin hat, kann das Holz des Stammes verfeuern – vorher sollte es allerdings erst mal gut trocknen, am besten mehrere Monate lang. Und wer einen Häcksler besitzt, kann aus dem Stamm Mulch für die Gartenbeete machen. 

Mehrstöckiges Wohnhaus mit mehreren Fenstern, aus einem oberen Fenster wirft eine Person einen Weihnachtsbaum heraus
Elektroroller mit grünem Lenker, der von Tannenzweigen bedeckt ist

Weihnachtsbäume verheizen: deckt den Jahresbedarf von 500 Haushalten

Eine andere Möglichkeit ist das Upcycling: aus dem alten Baum etwas Neues schaffen. Das erfordert etwas Geschick, aber immerhin ist Nadelholz relativ weich und so leichter schnitz- und formbar. Bei Nordmanntannen – die mit Abstand beliebteste Christbaumsorte in Deutschland – wachsen die Zweige ringförmig um den Stamm. Aus diesen Segmenten lassen sich gut Kleiderhaken basteln. Oder auch ein Küchenquirl. Auch ein Schlitten oder Möbel aus alten Weihnachtsbäumen sind denkbar – wenn man Zeit, Muße und die richtigen Werkzeuge zur Hand hat.

Wer weder Kamin noch Bedarf an selbst gemachtem Mulch hat, muss trotzdem kein schlechtes Gewissen haben: Aus Sicht der Entsorgungswirtschaft sind Weihnachtsbäume „Grüngutabfälle“, das Gros wird kompostiert, ein Teil landet in Biomasse-Kraftwerken, einige werden auch verbrannt. Viele Müllabfuhren sind auf die Christbaumschwemme im Januar vorbereitet und holen, meist an festgelegten Tagen und Orten, die Bäume ab. Diese sollten unzerhackt, ungeschmückt und unverpackt sein. 

So wie in Berlin, wo die BSR jedes Jahr durchschnittlich 340.000 Bäume schreddert. Regionale Biomasse-Kraftwerke verarbeiten die Reste zu Fernwärme und Strom. Das deckt den Jahresbedarf von 490 Berliner Haushalten. Im schleswig-holsteinischen Eckernförde helfen die Bäume seit mehr als 40 Jahren sogar dabei, die Strandpromenade im Winter vor Sand und Überspülung zu schützen: Ihre Zweige werden zu Bündeln geschnürt und verstärken den Sandfangzaun.

Wo alte Weihnachtsbäume hingegen nicht landen: im Zoo. Zwar stimmt es, dass Elefanten und auch andere Zootiere gerne Christbäume essen. Serviert bekommen sie aber nur unverkaufte Exemplare, bei denen ausgeschlossen ist, dass Rückstände von Lametta oder anderem Christbaumschmuck die Tiere gefährden können.

Elefant steht in einem Betongehege mit einem Tannenzweig auf dem Rücken, darüber hängen Netze an der Decke
Rückansicht eines orangefarbenen Müllwagens mit einem eingesammelten Weihnachtsbaum im Laderaum

Sauerländer Tanne aus georgischen Samen

Letztlich ist das Problem bei deutschen Weihnachtsbäumen aber weniger die Entsorgung als der Anbau. Zwar stammen die meisten der in Deutschland verkauften Bäume aus regionalem Anbau: Die Hochburgen der Weihnachtsbaumwirtschaft sind Nordrhein-Westfalen (Sauerland), Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Doch die meisten Bäume werden in Monokulturen gezüchtet, was ökologisch gesehen problematisch ist. Dazu kommt, dass nur rund 60 Prozent der Tannen bilderbuchartig wachsen. Wer einen Baum mit schiefem Stamm kauft, bewahrt ihn davor, direkt wieder entsorgt zu werden.

Ende 2023 hatte der BUND die Nadeln von 19 Weihnachtsbäumen untersuchen lassen und in 14 von ihnen Rückstände von Pestiziden gefunden. In fünf Weihnachtsbäumen wurde sogar das Totalherbizid Glyphosat nachgewiesen.

Der BUND und andere Umweltverbände empfehlen Bio-Weihnachtstannen, etwa von Bioland und Demeter, oder FSC-zertifizierte Bäume. (FSC steht für „Forest Stewardship Council“ und ist ein internationales Zertifizierungssystem für nachhaltigere Waldwirtschaft, das auch bei Möbeln, Spielzeug usw. aus Holz zum Einsatz kommt.)

 

Dieser Text ist erstmalig im Dezember 2018 erschienen, wir haben die Zahlen und Fakten aktualisiert.

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