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Dein Spickzettel für Corona-Diskussionen

Das Thema Corona wird dieses Jahr in vielen Familien unterm Weihnachtsbaum liegen. Wie diskutiert man am besten mit Impfgegnern und Corona-Leugnern? Fünf Experten geben Tipps

Corona, Weihnachten

Der Opa möchte sich nicht impfen lassen, die Tante hält das Virus für erfunden, und der Cousin stöhnt bei jedem Stoßlüften: Das Thema Corona wird dieses Jahr in vielen Familien unterm Weihnachtsbaum liegen oder das Videotreffen dominieren – und für Diskussionen sorgen. Fünf Expertinnen und Experten geben persönliche Tipps, wie man gut durch die Gespräche kommt.

„Der Corona-Impfstoff ist gefährlich“

 

Psychologe Dr. Philipp Schmid:

„Dinge zu hinterfragen ist für eine informierte Entscheidungsfindung wesentlich. Ich würde erstmal die Gefühlswelt des Gegenübers verstehen und anerkennen: ‚Wie kommst du zu dem Schluss, dass die Impfung nicht sicher ist?‘ Erst bei solchen offenen Fragen bringt der andere sich ein. Wenn er dann von dieser Webseite und jenem Telegram-Channel erzählt, würde ich sagen: ‚Stimmt, hätte ich diese Informationen gelesen, wäre ich zum selben Schluss gekommen.‘ Danach würde ich anbieten, meine Sicht mit ihm zu teilen, und auch betonen, dass die Impfung am Ende eine freie Entscheidung ist.

Oft sagen Impfskeptiker, dass sie sich erst impfen lassen, wenn der Impfstoff zu 100 Prozent sicher ist. Dieses Argument kann man auf zwei Arten widerlegen. Inhaltlich: Das Risiko der Krankheit ist deutlich höher als das Risiko einer Impfung. Rhetorisch: Hier wird eine unmögliche Erwartung gestellt, da kein medizinisches Mittel, ob Herz-OP oder Schmerzmittel, jemals absolute Sicherheit garantiert.

Viele Menschen haben Angst, weil der Zulassungsprozess so schnell abläuft. Das stimmt, aber er wurde eben nur beschleunigt, indem man administrative Prozesse abgekürzt hat. Die vielen Sicherheitstests sind davon jedoch nicht betroffen. Das Zulassungsverfahren für Impfstoffe in der EU ist zwar sehr kompliziert, aber eben auch: sehr sicher.

Oft hört man jetzt das Argument, dass zum ersten Mal ganz neuartige gentechnische Impfstoffe zugelassen werden. Doch schon seit 25 Jahren beschäftigen sich Forscher damit. Die neuen Impfstoffe verwenden die sogenannte Messenger-RNA (mRNA). Diese enthält Baupläne für Proteine, die der Zelle sagen, welche Antikörper sie herstellen muss, um sich gegen die SARS-CoV-2-Viren zu wappnen. Manche Menschen fürchten, dass der mRNA-Impfstoff auch die DNA, das Genom des Menschen, verändern kann – aber das ist chemisch unmöglich. Dieses Video zeigt es noch mal etwas anschaulicher. Ich denke, es ist beim Jahrhundertereignis Pandemie wichtig, dass möglichst viele Menschen sich eingehend informieren und früh über ihre Ängste und Unsicherheiten mit anderen sprechen. Kommunikation ist die beste Impfung gegen Impfskepsis.“

Dr. Philipp Schmid forscht an der Uni Erfurt zu Impfgegnern, Wissenschaftsleugnern und der Bekämpfung von Falschinformationen. Wie Letzteres geht, hat er zusammen mit Kollegen in einem Online-Handbuch alltagstauglich aufgeschrieben.

„Lieber krieg ich Corona, als dass ich weitere Monate alleine bin“

Psychoanalytiker Prof. Dr. Ulrich Schultz-Venrath:

„Das ist eine Aussage voller Resignation und auch versteckter Aggression. Argumentieren oder Schuldzuweisungen sind in dem Fall eher kontraproduktiv. Erkenne zunächst die Not des Gegenübers an und drücke dein Mitgefühl aus. ‚Das macht mich traurig zu hören. Ich kann dich verstehen‘, so könnte die erste Reaktion lauten, gefolgt von einer Gegenfrage, die das Gegenüber zum Perspektivwechsel anregt. Das ist ein klassisches Werkzeug des Therapeuten. Ich würde also fragen: ,Was würdest du mir antworten, wenn ich so etwas sagen würde?‘ Aber unterm Weihnachtsbaum wird natürlich in den meisten Fällen keine professionelle Therapiesitzung beginnen. Man sollte sich und dem Gegenüber vor Augen führen: Die physische Nähe mit anderen ist schön – sie ist aber nicht notwendigerweise eine Voraussetzung für die Qualität unserer Beziehungen. Lässt sich das Gegenüber ermuntern, den Kontakt mit anderen wieder aufzunehmen und auch mal neue Kommunikationswege zu gehen, die mental zusammenbringen, ist das ein Stupser in die richtige Richtung.“

Prof. Dr. Ulrich Schultz-Venrath kennt die pandemiebedingten Nöte vieler Menschen aus seiner täglichen psychoanalytischen Praxis in Köln.

„Wir leben in einer Corona-Diktatur“

Jurist Dr. Ulf Buermeyer:

„Eine Diktatur ist eine Regierungsform, in der Entscheidungen nicht vom Volk abhängen. Das ist in Deutschland nicht der Fall: Die Corona-Verordnungen stammen von den 16 Landesregierungen, und jede einzelne wurde gewählt. In manchen Bundesländern entscheiden sogar unmittelbar die Landtage über die Verordnungen.

Der neue Paragraf 28 a des Infektionsschutzgesetzes liefert einen Baukasten mit Maßnahmen – etwa eine Maskenpflicht –, die Bundestag und Bundesrat vorgeben, um die Pandemie zu bekämpfen. Wenn wir sie hinter uns haben, darf der Maßnahmenkatalog nicht mehr verwendet werden.

Ganz wichtig: Der Baukasten selbst schränkt unsere Grundrechte nicht ein. Das tun erst die Länder, wenn sie sich daraus bedienen. Ist es verhältnismäßig, in der U-Bahn in Berlin eine Maskenpflicht einzuführen? Wenn ja, darf die Regel für vier Wochen gelten. Danach muss neu überprüft werden, ob sie angemessen ist – zum Beispiel vom Bundesverfassungsgericht. Bei dem kann jede*r Bürger*in Beschwerde gegen bestimmte Maßnahmen einlegen. Wie sich eine Maßnahme konkret auf den Pandemieverlauf auswirkt, weiß niemand so genau. Aber man kann eine Prognose abgeben, beobachten und nachsteuern. Um solche Abwägungsentscheidungen zu treffen, wählen wir Politiker*innen.

In Deutschland haben wir eine Art kapitalistische Grundentscheidung getroffen: Die Wirtschaft soll weiterlaufen. Theater, Kinos etc. werden geschlossen – dafür bleiben die Schulen zunächst lange offen, sodass Eltern arbeiten gehen und Steuern zahlen können. Damit können dann wiederum Kultureinrichtungen, Musiker*innen und Künstler*innen subventioniert werden.“

Dr. Ulf Buermeyer war einige Jahre als Richter in Berlin tätig, hostet den Podcast „Lage der Nation“ und ist Vorsitzender der Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. (GFF). Irgendwann hat er auch mal ägyptische Hieroglyphen studiert.

„Das Coronavirus ist nicht gefährlicher als die Grippe!“

Virologin Prof. Dr. Helga Rübsamen-Schaeff:

„Wer die Grippe hinter sich hat, steht in den meisten Fällen aus dem Bett auf, ist vielleicht noch ein paar Tage schlapp, hat es dann aber hinter sich. Bei Covid-19 ist das nicht so. Die Influenzaviren, die die Grippe verursachen, greifen vor allem die Atemwege an; das Coronavirus kann jedoch alle Organe schädigen und die Blutgerinnung verändern, sodass gefährliche Thrombosen entstehen. Wir wissen noch wenig über das Virus, sicher ist aber: Es führt zu vielfachen und stärkeren Spätfolgen wie Müdigkeit oder Atemnot, die noch mehr als 60 Tage nach den ersten Symptomen zu spüren sind.

In der Grippesaison vor drei Jahren starben in Deutschland schätzungsweise 25.000 Menschen, ein trauriger Rekord. Laborbestätigt sind davon jedoch laut RKI nur etwa 1.600. Der Vergleich mit den Corona-Todesfällen hinkt daher. Deutschland hat bereits mehr als 24.000 Corona-Tote, alle waren positiv auf das Virus getestet, zu beklagen – und wir stehen erst am Anfang des Winters. Weltweit werden jährlich bis zu 645.000 Grippetote geschätzt, bei Corona gibt es jetzt schon über 1,6 Millionen bestätigte Todesfälle seit Anfang dieses Jahres. Würden wir dem SARS-CoV-2-Virus so begegnen wie den Influenzaviren in einer Grippesaison – ohne Mundschutz, Lüften oder Kontaktbeschränkungen: Ich mag mir nicht vorstellen, in welcher Lage wir uns jetzt befänden.“

Helga Rübsamen-Schaeff ist Professorin für Virologie und Biochemie an der Uni Frankfurt/Main und Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

„Du liest doch nur Mainstreampresse. Auf Telegram gibt’s die Wahrheit!“

Journalist Stephan Anpalagan:

„Wer so in Rage ist, dass er den Kampfbegriff Mainstreampresse benutzt, braucht vielleicht mal frische Luft. ‚Komm, Onkel Willi‘, würde ich sagen, ‚wir spazieren zum Kiosk und du zeigst mir die Mainstreammedien.‘ Da wird’s zwischen ‚Taz‘ und ‚Spiegel‘, ‚Focus‘ und ‚Bild‘ spannend: Ist der ‚Spiegel‘ Mainstream? Dann lohnt es, einen aufzuschlagen. Eine Grundskepsis gegenüber Medien finde ich gut und wichtig. Aber dann sollte Onkel Willi auch konkret rausrücken, was da falsch oder gar nicht geschrieben wird. Klar macht der ‚Spiegel‘ Fehler. Aber ich habe meine Zweifel, dass Willi einen nennenswerten Teil des ‚Spiegel‘ widerlegen kann. Weiter im Kiosk: Die ‚Bild‘ wird als meistgelesene Zeitung des Landes ja wohl ein Mainstreamtitel sein? Warum berichtet sie dann völlig anders als der ‚Spiegel‘? Wir sehen: In der Detailansicht wackelt der Begriff ‚Mainstreampresse‘. Deutsche Medien sind frei und vielfältig bis zur Schmerzgrenze, für die Erkenntnis reicht schon der Besuch in diesem einen Kiosk.

Vielen Willis dürfte das aber ohnehin gleich sein. Ihnen geht es seltener um Meinungsvielfalt oder journalistische Qualität als um ihr Sendungsbewusstsein und die Opferrolle inmitten all der ‚Schlafschafe‘, die an Drostens Lippen hängen. Man glaubt einem veganen Kochbuchautor ja nicht von heute auf morgen eher als einem Virologen der Charité. Das ist ein Prozess, der tief in einen informationellen Kaninchenbau führt und an dessen Ende man als einer der wenigen vermeintlichen Selber- und Querdenker wieder auftaucht. Darauf kann man sich einlassen: ‚Willi, ich weiß vieles nicht, und vor allem bin ich kein Virologe. Ich denke aber nach und höre zu. Lass uns reden.‘ Wenn man dann mit wissenschaftlichen Erkenntnissen argumentiert, die so gut wie jeder Wissenschaftler weltweit als wahr anerkennt, Willi aber auf Attila Hildmanns Telegram-Channel als ernst zu nehmender Informationsquelle beharrt, kann man auch einfach mal sagen: ‚Entschuldige, aber da kommen wir nicht zusammen.‘“ 

 

Stephan Anpalagan schreibt Kolumnen, Texte und Posts, die die Reichweite vieler etablierter Medien toppen. Er hat Theologie studiert, kennt sich mit „gottgleichen“ Figuren wie Christian Drosten also aus.

Illustrationen: Frank Höhne; Protokolliert von Sara Geisler, Paul Hofmann, Niklas Prenzel, Tabea Venrath

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

14 Kommentare
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Jonas
  ·  
21.12.2020-12:12

Leute die bereits so tief drin sind im quergedachten Sumpf lassen sich nur schwer durch ruhige Gespräche wieder rausziehen, eher werden sie aggressiv wenn sie das Gefühl haben aufs Glatteis geführt zu werden.
Ich habe leider einige davon im näheren Umfeld, erschreckend viele eigentlich, zu manchen lassen sich schlicht nur die Brücken abbrechen und zwar mit einem richtig lauten Knall.
Ich scheue nicht davor mir diesen Leuten gegenüber zu wünschen das wir bitte alle sofort zwangsgeimpft werden und am besten 2 Monate mit ABSOLUTER Ausgangssperre belegt werden mit Grundversorgung durch die Bundeswehr und das Rote Kreuz bei horrenden Gefängnisstrafen bei Zuwiderhandlung und einem Eintrag auf schwarzen Listen für die Leute denen die Behandlung bei Ansteckung schlicht verweigert wird und rigorosen Grenzschließungen.
Dann hätten wir erstens das Problem nicht mehr einer Pandemie und diese ganzen Idioten würden einfach mal in ihre Schranken gewiesen werden.
Es kann doch nicht sein das einige Systemgegner die Republik seit Monaten in ihrem Bann halten und sich aufführen wie die Axt im Walde.
Wasserwerfer bei Demos sind da noch zu harmlos.
Der letzte Rechte der auf den Reichstag marschiert ist bekam 5 Jahre Festungshaft und das fordere ich für JEDEN der da auf der Treppe stand!

Christina
  ·  
22.12.2020-03:12

Ich fühle das, absolut und ich hoffe nur, dass die Zukunft diesen Menschen zeigt, wie falsch sie liegen. Aber Aggression mit Aggression zu bekämpfen ist leider nie der richtige Weg und tut auch dir nicht gut

Gast
  ·  
21.12.2020-12:12

Schöner Artikel, hilft vermutlich Vielen, sich nicht nur an Weihnachten mit Corona-Skeptikern auseinanderzusetzen.
Dialog ist immer besser als sich verhärtende Fronten...

Eva
  ·  
23.12.2020-05:12

"Bravo" den Autoren und der Redaktion für den Spickzettel zu Weihnachten!
Da habt Ihr ja mal wieder die Hälfte weggelassen und psychologisch "wertvoll wissenschaftliche Argumentationshilfe" dem gemeinen Bürger erteilt, damit dieser mit den Corona- und Wissenschaftsleugnern besser zurecht kommt.
Ich hoffe, Ihr wurdet für die Propaganda gut bezahlt.

Markus
  ·  
28.12.2020-04:12

Liebe Eva,
bitte hilf mir! Was wurde mir hier weggelassen? Bin ich auch ein "Schlafschaf"?
Danke. Markus

Matthias Westermann
  ·  
03.01.2021-09:01

Die BPB ist leider auch befangen und kann sich in diesem Diskurs nicht ernsthaft als neutral darstellen.

Fakt ist, dass eine Medienkampagne über das Land rollt, die gewissen Interessenvertretern nützt. Wieder einmal gilt: Follow the money! Klientelpolitik im Greisenstaat Deutschland. Auf Kosten aller nachfolgenden Generationen.

Würden die Medien beide Seiten kritisch beäugen, gäbe es gar keine so stark in Extreme eskalierende Gegenbewegung.

Schweigespiralen, Filterblasen und Echokammern wirken eben auch, wenn im Mainstream in Dauerschleife Angst und Panik verbreitet wird. Und der deutsche Denuniziant sein Comeback feiert.

Liebe BPB, vielleicht werfen Sie noch einmal einen Blick auf den Beutelsbacher Konsens, bevor Sie sich das nächste mal "keywordoptimiert" auf Klickfang in Social Media begeben.

P.S: - ein TV-Tipp: Schauen Sie sich einmal den Mitschnitt der Axel Springer Awards an. Dort hofiert Gesundheitsminister Jens Spahn Elon Musk mit einer Laudatio. Elon Musk hat die Corona-Maßnahmen als faschistisch bezeichnet und ist krasser Impfgegner. Nicht, dass dieser Mensch glaubwürdig wäre. Aber die Szenerie verrät doch schon alles über Moral und Glaubwürdigkeit in unserer Mediendemokratie (bzw. Gerontokratie).

fluter.de
  ·  
04.01.2021-10:01

danke für die Kritik. Manche Sachlage ist natürlich komplexer die kurzen Diskussionstipps nahelegen. Aber magst du dich dann nicht auch zu Sachfragen äußern – statt hier über Medienkampagnen und Schweigespiralen zu raunen? Damit wäre allen Diskutant*innen geholfen. Grüße aus der Redaktion

Matthias Westermann
  ·  
05.01.2021-04:01

zur Schweigespirale empfehle ich diese kurze Abhandlung:

https://noelle-neumann.de/wissenschaftliches-werk/schweigespirale/

Hinsichtlich des Corona-Phänomens passiert nämlich genau das: Gegenstimmen werden in die Ecke von Absurditäten verdrängt, was jeden fruchtvollen Diskurs zerstört. Alle großen Medien beteiligen sich an dieser Hetze. Denn auch Journalisten unterliegen diesem "Gruppenzwang" und wollen sich nicht ins soziale Abseits befördern. Dies führt dazu, dass dem Normalbürger eine Realität simuliert wird, die sich nicht mit den Empfindungen der meisten Bürgerinnen und Bürger deckt.

Tatsache ist, dass das Virus existiert und das es Menschen töten kann. Tatsache ist aber auch, dass der ganze Medienzirkus das Phänomen künstlich aufbauscht und eine rationale Debatte über den richtigen Umgang damit verhindert. Die Menschenwürde ist unantastbar und sollte sich nicht "aufrechnen lassen" mit Wirtschaftsdaten. Nichtsdestotrotz muss es erlaubt sein zu hinterfragen, ob wir nicht mehr kaputtmachen, als retten.

Glauben Sie ernsthaft, dass die "Coronaleugner" (um Ihr Framing aufzugreifen), Menschen sterben und leiden sehen wollen? Nein, sie wollen nur andere politische Lösungen!

Bleiben Sie fair und ausgewogen,

Matthias Westermann

Hannah
  ·  
06.01.2021-09:01

Hallo Matthias,
Aktuell sterben um die 900 Menschen täglich allein in Deutschland am Coronavirus. Wie kannst du da von einem künstlich aufgebauschtem medialen Phänomen reden? Das ist eine reale und sehr ernste Krise.
Und natürlich ist es erlaubt, die Politik zu hinterfragen, aber dann bitte mit konstruktiven Vorschlägen. Von welchen anderen politischen Lösungen sprichst du konkret?

Matthias
  ·  
07.01.2021-12:01

Es sterben aber auch Menschen an anderen, ebenfalls ungelösten Ursachen. Doch da steckt kein neuer Markt hinter.

Politische Lösungen wären m. E. z. B.:

- Massive Investitionen in Kliniken und deren Personal
- Risikogruppen finanziell und fachlich unterstützen, bisher hat die amtierende Regierung die Rentner ja nur ausgenommen, den Sozialstaat massiv beschnitten (siehe das Riesenthema Altersarmut)
- Regionalisierung von Lieferketten (Corona ist auch Ausdruck von Globalisierungseffekten!)
- Gesundheitsprogramme für die Bevölkerung, Kompetenzen zur Stärkung des Immunsystems, Ernährungslehre

Es ist eine Fragen der politischen Philosophie, ob man glaubt, alles kontrollieren und einhegen zu können bzw. zu dürfen. Don Quijote sollte das Wappen der Corona-Kontroverse zieren. Statt mit Verboten und Schreckensszenarien, sollte eine zukunftsorientierte Politik mit Anreizen arbeiten.

Angst essen Seele auf.

Elke Haselhorst
  ·  
06.01.2021-02:01

Auch ich gehöre zu den von den Medien in die rechte Ecke gestellten "Querdenkern". Wohl gemerkt, ich leugne das Virus NICHT, sondern die zum Himmel schreienden Maßnahmen der Verantwortlichen, die in meinen Augen längst der Verantwortung nicht mehr gerecht werden. Warum? Hier ein paar Fakten einer ganz normalen Bürgerin:
1. Alles in der BRD wird (und wurde) auf "Rentabilität" hin geprüft, wie auch zig Kliniken, die dann geschlossen und abgerissen wurden mangels "schwarzer Zahlen"!
2. Aus den teilweise hektischen wochenweise geänderten Vor- und Rückwärtsverordnungen konnte man seitens der Politiker immer nur die Angst um fehlende Klinikplätze sowie Pflegepersonal am Limit heraushören. NIE war es die Angst um die Erkrankung der Bürger selbst.
Lehre aus Pkt.1+2: Gesundheit läßt sich NICHT in Rentabilität messen. Wer Mio. für Rüstung ausgibt, kann nicht behaupten, für Kliniken und deren Pflegekräfte ist kein Geld da.
3. Es sollte mal eine Studie durchgeführt werden, die belegen könnte, warum Landbevölkerung im Durchschnitt gesundheitlich stärker ist, als mancher Bürger in der Stadt. Könnte es sein, dass das Immunsystem dieser Menschen seit ihrer Geburt mit weitaus mehr Keimen in Kontakt gekommen ist? In den 70er Jahren fand ein regelrechter Hype um z.B. Sagrotan statt. ALLES, was zur Babyausstattung nötig war, wurde desinfiziert. Ich behaupte: Genau derart großgewordene Menschen sind heute besonders anfällig und dementsprechend panisch. Einer davon ist Herr Spahn, der altersmäßig in dieses sterile Schema hineingeboten wurde und uns diktiert, überall zu desinfizieren. Fazit: auch wenns auf dem Land einigen "stinkt", die Bedingungen für ein intaktes Immunsystem ist nirgends besser.
4. Statt im Frühjahr alte und vorerkranke Menschen in einem kurzen und heftigen Lockdown ganz von der übrigen Bevölkerung zu schützen, wurden ALLE "runtergefahren". Hätte man dann allen anderen Bürgern das Leben frei gelassen wie es war, wären wir zu 75% alle durchgeseucht. Der Sommer mit seiner Sonnenenergie ist im Krankheitsfall auch immer ein "heilender Begleiter".
5. Last not least: Anstatt der Bevölkerung JEDEN Tag Angstschübe zu verabreichen, sollten die Verantwortlichen dafür sorgen, dass die gesamten Medien ihre agressive Wortwahl aus den täglichen Berichten streichen. Oder gibt es da Vorgaben, gerade DAS zu vermitteln? Ein Schelm wäre, wer dabei Böses denkt. Sachlichkeit wird den Querdenkern abgesprochen, ICH spreche sie mittlerweile sämtlichen Medien ab. Lasse mich (63Jahre,w.) aber gern eines Besseren belehren, sobald die "Angstmedien" nicht mehr verschrecken, sondern emotionslos und rein sachlich informieren.

Ein Satz zur Impfung: ICH verweigere, da ich vergangenheitlich nach 2 Grippeimpfungen sehr schwer krank war, wer garantiert mir, dass es diesmal anders sei soll. Immunsystem stärken durch Äpfel, Zitronen, Gemüse, Salat und gaaaaaaanz wichtig: SPORT. Der ist für viele Bürger auch "ausgesetzt", kein Wunder, wenn man sich unsere dicken unsportlichen Volksvertreter allesamt anschaut. In dem Sinn, gute Nacht

Thowe
  ·  
06.01.2021-07:01

Zu 1. Ich möchte nicht mehr Krankenkassenbeiträge bezahlen als nötig.
Zu 2. Warum ging es um die Kapazitäten? Weil die Triage vermieden werden soll. Hätten wir doppelt so viele Kliniken, wären auch diese an ihre Grenzen gestossen.
Zu 3. Warum nehmen Sie das Ergebnis der Studie vorweg?
Zu 4. Sie meinen Schutzhaft? Ernsthaft? Unsere Eltern wegsperren lassen? Niemals!!
Zu 5. Sind Landmenschen ängstlicher, oder warum reagieren sie auf Mainstream-Meldung derart? Zur Medienkompetenz gehört, Information einzuordnen und sich selber eine Meinung zu bilden.

Herr Schibalski
  ·  
06.01.2021-07:01

Lieber Matthias Westermann,

sehr viele Menschen bilden sich ziemlich unumstößliche Meinungen, obwohl sie oft keine Ökonomen, Mediziner, Juristen (insbesondere Verfassungsrechtler), Politologen und Journalisten sind.

Um Missverständnisse vorzubeugen: Sich generell Meinungen zu bilden, ist üblicherweise jedoch nichts Vorwerfbares.

Matthias Westermann
  ·  
07.01.2021-12:01

Es ist niemandem vorzuwerfen, dass er als Individuum in ein System geboren wird, das stimmt.

Es ist jedoch offensichtlich, dass die Presse im postmodernen Deutschland im Jahre 2021 eine zentrale Rolle dabei spielt, welches Diskurse als relevant erachtet werden. Weiterführend: //www.derblindefleck.de/top-themen/top-seven-der-vergessenenen-nachrichten...

Um sich eine fundierte Meinung zu bilden, benötigt man Medienkompetenz. Nur in der Rundschau unterschiedlicher ideologisch orientierter Medien kann sich ein Destillat an Wahrheit herauskristallisieren. Herr Schibalski, glauben Sie, dass die meisten Konsumenten von Nachrichten dies tun?

Das Grundproblem, was der Corona-Kontroverse zugrunde liegt, ist doch, dass eine monowissenschaftliche Herangehensweise vielleicht immunologisch sinnvoll ist, sozialpsychologisch, gesellschaftspolitisch, pädagogisch, juristisch, volkswirtschaftlich und selbst gesellschaftsethisch massive Folgeprobleme evoziert.