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In eisigen Höhen

Manche Menschen setzen ihr Leben aufs Spiel, um über die Runden zu kommen – wie die Kolbar im Irak

Kolbar

Wenn man im wohlhabenden Deutschland lebt, vergisst man oft, dass Menschen in anderen Ländern große Risiken eingehen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen: Kinderarbeiter schürfen in Minen nach Rohstoffen, Erntehelferinnen tragen wegen der Pflanzengifte gesundheitliche Schäden davon, und für Arbeitende in der Textilindustrie gibt es oft kaum Sicherheitsvorkehrungen.

Auch die Männer in dieser Fotostrecke riskieren Kopf und Kragen in ihrem Job. Die sogenannten Kolbar kommen aus dem kurdischen Grenzgebiet zwischen Irak und Iran und transportieren zum Beispiel Matratzen oder Fernseher über verschneite Passrouten. Die Ware ist im Irak billiger als im Iran, der zudem einem von den USA initiierten Wirtschaftsboykott unterliegt. Bis zu 50 Kilogramm schleppen die Kolbar über eisige Passrouten – ohne Outdoorausrüstung, sondern oft nur in Alltagskleidung. Neben Abstürzen und Erfrierungen besteht die größte Gefahr in den iranischen Grenzern, die rigoros gegen die Kolbar vorgehen. Denn der Iran sieht in den Transporten Schmuggel. Laut einem Bericht der EU wurden allein 2018 70 Kolbar von iranischen Grenzsoldaten erschossen, weitere 160 verletzt.

Kolbar

Risikoreiche Arbeit: die verschneiten Berggipfel überqueren die Kolbar ohne Ausrüstung, meist nur in Alltagsklamotten

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Kolbar

Verschnaufpause: Fernseher, Matratzen und sonstige Schmuggelwaren, die die Kolbar auf ihren Rücken tragen, sind nicht gerade leicht

Kolbar

Die Kolbar müssen nicht nur Abstürze und Erfrierungen fürchten, sondern auch iranische Grenzsoldaten, die schon etliche von ihnen verletzt oder getötet haben

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.