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Homo Pharma

Manche haben nicht eine einzige Pille im Haus, andere horten sie kiloweise. Diese Fotostrecke zeigt, wie ungleich Medikamente weltweit verteilt sind

Hausapotheke

Die einen schwören auf feuchte Wickel oder Inhalieren, die anderen haben für jedes Wehwehchen die passende Tablette parat: Wie wir mit Medikamenten umgehen, ist nicht nur von Familie zu Familie verschieden – weltweit gibt es große Unterschiede. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu essenziellen Medikamenten. Jährlich sterben 25 Millionen Menschen an Krankheiten, deren Behandlung oder Vorbeugung eigentlich unkompliziert wäre. 

Medikamente im Wert von sieben Milliarden Euro landen in Deutschland im Müll 

In Staaten mit einem entsprechenden Gesundheitssystem werden grundlegende Medikamente bezuschusst und sind für wenig Geld in der Drogerie oder Apotheke erhältlich – in vielen anderen Ländern, in denen diese Infrastruktur fehlt, müssen nach wie vor 90 Prozent der Bevölkerung ihre Medizin aus der eigenen Tasche zahlen. Damit werden Erkrankte und ihre Familien häufig in die Armut getrieben. Gleichzeitig gibt es in Europa einen Überschuss: Medikamente im Wert von bis zu sieben Milliarden Euro sollen Schätzungen zufolge allein in Deutschland jährlich im Müll landen – weil sie abgelaufen sind und damit ihre Wirksamkeit nicht mehr gewährleistet ist.

Der Zugang zu Arzneimitteln verbessert sich aber in vielen Ländern. Weil die Märkte in China, Indien, Indonesien oder Brasilien so rasant wachsen, werden sie „Pharmerging Countries“ genannt. Sie ließen die weltweiten Ausgaben für Medikamente auf 1,4 Billionen US-Dollar wachsen, ein Anstieg um ca. 30 Prozent seit 2015. Und auch Initiativen wie „Access to Medicine Index“ helfen dabei, die Medikamentenversorgung weltweit zu verbessern. Das viel beachtete Ranking analysiert, wie Pharmaunternehmen ihre Medikamente in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen vertreiben – und übt so Druck auf die Konzerne aus.

Der Fotograf Gabriele Galimberti dokumentiert die weltweiten Unterschiede in der Nutzung von Medikamenten. Das Projekt führt ihn in eine Favela Rio de Janeiros, ein Luxusapartment in Miami oder Landhaus in Litauen. Während Menschen in Industrieländern zwischen kommerziellen Medikamenten und natürlichen Heilmitteln navigieren, stellt sich mancherorts gar nicht erst die Frage, ob man industriellen Medikamenten vertraut oder der Heilkraft der Natur: Zu rar und zu teuer sind Pharmazeutika.

Text und Übersetzung: Nikita Vaillant

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

2 Kommentare
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Gast
  ·  
19.06.2020-12:06

Interessante Bilder, aber das Homöopathika und ätherische Öle hier unkommentiert und gleichwertig neben tatsächlichen Medikamenten besprochen würden ist schade. Und dass dann andererseits ayahuasca erwähnt, aber kein Wort über die stark berauschende Wirkung verloren wird ist zumindest interessant.

Zweiter Gast
  ·  
28.06.2020-11:06

Ich finde dazu muss man erst den Kontext der jeweiligen Bezeichnungen erklären.

Arzneimittel sind zum größten Teil synthetisch hergestellt und kommen nicht in der Natur so vor (d. h. frei in der Natur vorkommendende Heilpflanzen können nicht als Medikamente patentiert/bezeichnet/verkauft werden).

Durch die linguistische Festlegung zum einen und gesellschaftliche Anerkennung von Medikation als eine der (kapitalistischen) Errungenschaften der Moderne, ist es nicht leicht natürlich vorkommende Heilmittel/-pflanzen nun auf dem konventionellen Forschungsweg als Arzneimittel zu zertifizieren.

Zumal auch das Geld und Interesse der Pharmaindustrie dort nicht gut angelegt ist, weil in der Natur vorkommende Mittel schwer zu patentieren sind.

Homöopathie kann in der Tat trotzdem einen Anspruch für sich haben zu heilen und die Gesundheit zu verbessern. Leider ist der konventionelle Weg zur Evidenz der Wirksamkeit dieser Mittel noch nicht genug beschritten.

Es müsste mehr Forscher geben, die sich dieser "brotlosen" Forschung auf hohem Niveau annimmt.