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Nur Frauen haben Essstörungen? Die Fotografin Mafalda Rakoš hat Männer auf dem Weg zur Genesung begleitet

A Story to Tell

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A Story to Tell
Wenn Zweifel und Unsicherheiten sich wieder anschleichen wie Dämonen: Leroys von ihm selbst modifiziertes Porträt

Magersucht, Bulimie, Binge Eating – von Essstörungen sind häufig junge Menschen betroffen. Und noch häufiger junge Frauen. Die Hälfte aller 15-jährigen Mädchen in Deutschland finden sich zu dick, obwohl sie normalgewichtig sind. In ihrem Projekt „A story to tell“ lenkt die österreichische Fotografin Mafalda Rakoš den Blick aber auf Männer, die an Essstörungen leiden. Ihre Fotos dokumentieren die Geschichten von elf Betroffenen aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden, viele von ihnen sind homo-, bi-, transsexuell oder transgender.

Dass wir Essstörungen in erster Linie mit Frauen assoziieren, hat für die jungen Männer Folgen: Fehlende Sensibilität und Unwissen können dazu führen, dass Männer ihre Erkrankung lange nicht bemerken – und Ärzt:innen sie auch nicht diagnostizieren. Dadurch werden die Essstörungen oft erst spät erkannt. Rakoš sagt: „Männer leiden zweifellos seltener an Essstörungen. Wenn sie sie jedoch bekommen, dann meist mit voller Wucht.“ Fast alle Männer, mit denen sie sich traf, hatten stationäre Aufenthalte in einer Klinik hinter sich, manche dachten sogar an Suizid.

Essstörung, Männer
Gefühlte Wahrheit: Thomas hat seinen Körper mit dem Rotstift nachgemalt – so wie er ihn sieht, wenn es ihm nicht gut geht

Die queeren Protagonisten berichten von Gefühlen der Ausgrenzung und Stigmatisierung – und das seit ihrer Kindheit. Das spiele für die Essstörung eine große Rolle, sagt Rakoš, die sich im Rahmen der Fotoarbeit intensiv mit dem Thema befasst hat: Essstörungen entwickele man selten „nur“ durch ein gestörtes Verhältnis zum Körper und zum Essen. Oft seien sie Symptome tiefer liegender psychologischer Probleme. Das suchthafte Verhalten diene dann zur Verdrängung unangenehmer Emotionen – wie zum Beispiel dem Gefühl, nicht in vorgegebene Geschlechterrollen zu passen.

Als Schlüssel zur Genesung nennen alle, die Mafalda Rakoš für „A story to tell“ begleitet hat, vor allem: lernen, liebevoll mit sich selbst umzugehen, und Gefühle nicht mehr unterdrücken, sondern sich aktiv mit ihnen auseinandersetzen.

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A Story to Tell
„Ich dachte, das wäre normal“: Elias wollte gar nie wirklich dünn sein, zumindest nicht bewusst. Eine Depression führte bei ihm zur Magersucht. Inzwischen freut er sich darüber, einen kleinen Bauch zu haben

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A Story to Tell
Wo alles begann: Markus in der Turnhalle seiner alten Schule in Borken. Er wollte hier fotografiert werden, weil die Magersucht ihn am Ende seiner Schullaufbahn einholte und exzessiver Sport während der Krankheit ein dominierendes Thema für ihn war

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Essstörung, Männer
Bunt und stark: Diese Statue in Ramons Zimmer hat er selbst bemalt

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Essstörung, Männer
Ramon wählte seine ehemalige Klinik in den Niederlanden als Schauplatz für die Portraits

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A Story to Tell
Elias beim Termin bei einer Amtsärztin zur Musterung in Österreich. Er wurde trotz Essstörung für „tauglich“ für den Militärdienst befunden – die Ärztin hatte seine Symptome nicht mit der Krankheit in Verbindung gebracht
Essstörung, Männer
Leroys mehrseitiger Text, der „Brief an seinen Körper“, ist sein Versuch, die Essstörung hinter sich zu lassen. Er weiß, dass er schon viel geschafft hat: „Gut gemacht! Mach weiter so!“

Wenn du unter einer Essstörung leidest oder glaubst, dass mit deinem Essverhalten etwas nicht stimmt, informiere dich und lass dir helfen! Beratungsmöglichkeiten und weitere Informationen findest du zum Beispiel auf www.bzga-essstoerungen.de oder unter der Telefonnummer 0221-892031 (Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung).

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

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