Einer geht noch rein: der Körper als Abfüllanlage

Ein Mensch kann sich, wenn er will, ein zweites Haus kaufen, ein drittes Auto oder ein viertes Tablet. Aber was das Essen angeht, ist irgendwann Schluss. Natürlich kann man den Appetit anregen und neue Schokoladensorten entwerfen oder den fünfzigsten Joghurt. Aber viel mehr als die 3.539 Kalorien pro Tag, die die Deutschen zu sich nehmen, schaffen selbst US-Amerikaner nicht. Während viele Industrien immer noch ein bisschen mehr verkaufen können, kann der Lebensmittelmarkt nur begrenzt wachsen. Wollen Nahrungsmittelkonzerne mehr Umsatz machen, müssen sie also austesten, wie viel in einen menschlichen Körper reinpasst.
 Sieben Prozent der täglichen Kalorienzufuhr eines Durchschnittsdeutschen stammen aus Alkohol. Laut FAO, der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen, sind die Deutschen damit Weltmeister im Trinken.

Vor einigen Jahren machten sich das einige Spirituosenhersteller zunutze: Der „Alcopop“ wurde zum Trendgetränk hochgejazzt. Die Mischungen aus Hochprozentigem wie Wodka und Limonade enthalten „nur“ etwa so viel Alkohol wie Starkbier. Rechtlich gesehen aber ist „die Abgabe von Branntwein an Personen unter 18 Jahren verboten“. In der Praxis können Minderjährige dennoch jederzeit problemlos an Alcopops herankommen. Um Jugendliche vor der Gewöhnung zu schützen, führte die rot-grüne Regierung im Jahr 2004 eine Sondersteuer auf Alcopops ein.
 In dieser Zeit konnte man eine Anzeigenkampagne in großen Zeitungen bestaunen: „Initiative verantwortungsbewusster Umgang mit Alkohol“, hieß es da. Eine der Forderungen: keine Besteuerung von Alcopops, dafür Alkohol jeder Art erst ab 18. Wer dahintersteckte? Die Anzeigen wurden von der Firma Diageo finanziert – und die ist Weltmarktführer bei Spirituosen. Besonders erfolgreich war die Kampagne nicht, im Gegensatz zur Sondersteuer: Heute, gut zehn Jahre später, gelten Alcopops als Ladenhüter.

Uuuuund Schnitt! Der Körper als Ausstellungsobjekt

Das Bodymobil ist wahrlich kein Auto, in dem man gerne mitfahren würde. Zumindest nicht so bald. Denn wo der silberne Kleintransporter vorfährt, kommt er leer an und fährt mit einem Leichnam wieder ab. Die Reise des Bodymobils geht dann nach Heidelberg, in das „Institut für Plastination“. Dort wird der tote Körper mit Formalin und anderen Chemikalien vollgepumpt, auseinandergenommen und modelliert. Und irgendwann wird er dann ausgestellt, der Leichnam: in der Ausstellung „Körperwelten“ von Gunther von Hagens. 
Rund 500-mal war das Bodymobil schon im Einsatz, heißt es auf der Homepage. Weitere 14.000 Menschen erklärten sich bisher dazu bereit, ihren Körper zu spenden. Dass sie dereinst fremde Besucher anschauen werden, stört die Freiwilligen dabei offenbar nicht.
 Der Trend zur Körperspende ist relativ jung.

Nicht nur für die Plastination, auch zur Ausbildung von Ärzten braucht man tote Menschen. Früher musste man Freiwillige lange suchen. Die medizinischen Fakultäten schalteten gar Anzeigen in Zeitungen. Noch früher, etwa im 18. und 19. Jahrhundert, wurden Leichen einfach beschlagnahmt, zum Beispiel von Hingerichteten.
Heute ist die Zahl der Bewerber für die Körperspende so hoch, dass ausgesiebt wird. Nicht zu Lebzeiten ansteckend krank dürfen die Leichen gewesen sein, und auch wer sich selbst tötet, schafft es nicht auf jeden Seziertisch. Einige Anatomie-Institute lehnen auch zu dicke Körper ab. 
Und schließlich müssen die sterblichen Überreste nach der Zerlegung noch eingeäschert und beerdigt werden. Das kostet Geld. Manche Unis verlangen zwar deshalb von den Körperspendern noch einen Eigenbeitrag von bis zu 1.200 Euro. Billiger als eine richtige Beerdigung ist das aber allemal – für so manchen Spender ist das ein guter Grund, seinen Körper der Wissenschaft zu vermachen.

Jan Ludwig arbeitet als freier Journalist. Nachdem er mit 7 Jahren erfolgreich über eine Hüpfburg-Mauer sprang und mit 22 versuchte, die Küche zu putzen, verdiente jeweils ein ganz besonderer Zweig des Gesundheitswesens an ihm: die Gipsindustrie.