Da haben sich die Jungs in der Bronx mal ordentlich krankgelacht, als plötzlich drei Typen aus New Jersey mit einer Hip-Hop-Platte ankamen. 1979 war das. In der Bronx hatte man da schon seit Jahren Blockpartys mit mobilen Soundsystems gefeiert. Die DJs haben die Instrumentalparts von Funkplatten aneinandergecuttet, und ein MC feuerte die Party-Crowd mit ein paar Reimen an. Aber so ein spontan entstandenes Party-Original in einem Studio nachzustellen und auf Platte zu pressen – völlig absurd, fanden die Erfinder aus der Bronx.

Dann aber landete die Sugarhill Gang, eine von dem Label Sugar Hill zusammengecastete Truppe aus New Jersey, mit „Rapper’s Delight“ einen Millionenhit. Und schon mit der allerersten Plattenaufnahme war Hip-Hop nicht mehr nur das coole Ding aus der Bronx, sondern ein globales Geschäft.

Top 10 New York Hip-Hop von Jan Kage
, Autor, Moderator, Musiker, Partyveranstalter, Kunstexperte und Alleskönner aus Berlin.

1. Grandmaster Flash and the Furious Five: „The Message“ (1982)

Grandmaster Flash ist einer der drei Godfathers der Hip-Hop-Kultur, erfand wesentliche DJ-Techniken wie das Mixen und Scratchen mit und brachte zusammen mit den Rappern The Furious Five die New Yorker Ghettomusik in die ganze Welt. „The Message“ transportiert den ersten Text, der nicht allein die Party animiert, sondern stattdessen eine politische Botschaft hat.

2. Afrika Bambaataa: „Planet Rock“ (1982)

Afrika Bambaataa ist der andere Pate des Hip-Hop, erfand sogar quasi im Alleingang den Namen der Kultur und fasste darin die fünf Elemente Rappen, Auflegen, Breakdancen, Graffitisprühen und Wissen zusammen. Bambaataa ist aber auch Pionier der Elektro- und Technomusik, und dieses Stück ist Zeugnis für deren gemeinsame Wurzeln mit dem Hip-Hop.

3. Run DMC: „Peter Piper“ (1986)

Die drei Jungs aus Queens bringen nach ein paar kommerziell ruhigeren Jahren Rapmusik wieder ganz vorne in die Charts. Ihr Label Def Jam Recordings ist das Label der ausgehenden 80er-Jahre. Das Stück basiert auf einem Sample von Bob James, der Text besteht eher aus Kinderreimen, was den Erfolg mitprägt, und nebenbei erheben Run DMC Adidas-Klamotten zum Fashion-Statement.

4. EPMD: „You Gots to Chill“ (1988)

Die Abkürzung steht für Erick (Sermon) and Parrish (Smith) Millenium Duccats. Das Duo prägt die Hip-Hop-Kultur der ausgehenden 80er durch urbane Lässigkeit. Die Beats von Erick Sermon sind State of the Art, und der Rap ist dermaßen entspannt, dass die beiden nebenher das Chillen erfinden.

5. Public Enemy: „Fight The Power“ (1990)

Public Enemy revolutionieren die Rap-Inhalte mit ihren afrozentrischen Texten und ihrem an die Ästhetik der Black Panther angelehnten Style. Chuck D gibt einer wütenden schwarzen Stimme Ausdruck und legt sie über die laut lärmenden Beats des Produktionsteams Bomb Squad, das in den PE-Produktionen das Sampling extrem weiterentwickelt.

6. A Tribe Called Quest: „Scenario“ (1991)

Anfang der 90er veröffentlicht eine Reihe von Bands, die sich der Native Tongue Family zurechnen, einen neuen Hip-Hop, der spielerischer, eleganter, jazziger und philosophischer ist. ATCQ und ihr bekanntester Rapper Q Tip führen diese Szene an. „Scenario“ bringt außerdem den jungen Rapper Busta Rhymes zum ersten Mal ins Licht der Öffentlichkeit.

7. Wu-Tang Clan: „Shame on a Nigga“ (1993)

Keine andere Band prägte den Sound der 90er so stark wie diese Supergruppe und ihre Beats von Mastermind RZA. Rau, roh, ungeschliffen und die Texte sehr „Straße“ – vulgär, direkt und voller Schimpfwörter. Jeder der zehn Rapper veröffentlichte Soloalben, ein Element ihres Erfolges, denn alle bewarben somit das Kollektiv. Neben Method Man und Raekwon ist auf diesem Track der geniale, 2004 verstorbene Ol’ Dirty Bastard zu hören.

8. Nas: „Halftime“ (1994)

Nas’ Texte sind narrativ wie poetisch und heben das Storytelling auf eine neue Ebene. Nas ist erst Anfang 20, als er sein Debütalbum „Illmatic“ veröffentlicht, produziert von den besten Produzenten der Zeit. Der Sohn eines Jazztrompeters ist nach wie vor eine wichtige Stimme des Rap.

9. Mos Def: „Universal Magnetic“ (1997)

Dies ist die erste Veröffentlichung von Mos Def, der im folgenden Jahr mit seinem Duo Black Star (mit Talib Kweli) und seinen Soloplatten zu einer der einflussreichsten Stimmen der ausgehenden 90er und der Nullerjahre wird. Das Label Rawkus Records stand für einen unkommerziellen Underground, Mos Defs Style und Delivery waren von einer überwältigenden Präsenz geprägt. Mit seinen smarten Texten und dem jazzigen Sound der Produktion knüpfte er an die Native-Tongue-Tradition an.

10. MF Doom: „Doomsday“ (1999)

Wenn es einen Artist’s Artist im Rap Game gibt, dann ist das MF Doom, der MC mit der Maske vorm Gesicht, der in seinen Texten ein schwer zu entwirrendes Knäuel aus Pulp- und Comic-Fiction, postmoderner Philosophie und Straßenlyrik strickt. MF Doom produziert seine Beats weitestgehend selbst.