Was passiert?

„Ich will, dass alles so bleibt, wie es ist“, sagt Hauptfigur Mati einmal. Tut es aber nicht. In drei Wochen sind ihre Maturaprüfungen, danach wird sie zum Studieren nach Wien ziehen, raus aus der niederösterreichischen Provinz, wo jeder jeden kennt und die Kinder bei ihren Eltern jobben, um später den gleichen Beruf zu erlernen. Doch schon vor diesem angekündigten Bruch in Matis Biografie passiert eine Menge: Ihre Position in der Jungsclique, mit der sie gemeinsam in die Disco geht und Motocross fährt, wird auf die Probe gestellt. Sie verliebt sich. Und die Ehe ihrer Eltern fährt in ohrenbetäubender Sprachlosigkeit vor die Wand.

Was zeigt uns das?

Es ist nicht immer leicht, zu sein, wer man sein will – vor allem, wenn eine Entscheidung für etwas zugleich eine Entscheidung gegen etwas Anderes bedeutet. Die Suche nach der eigenen Identität ist klassischer Coming-of-Age-Stoff, hier betrifft er auch die Erwachsenen.

Wie wird’s erzählt?

Äußerst zurückgenommen, in entsättigten Farben und ohne unnötige akustische Dramatisierungen. Die Menschen in „L'Animale“ leben in unspektakulären Wohnungen, sie haben unspektakuläre Berufe (Tierarzt, Bauvermesser, Supermarkthilfe), sie sehen unspektakulär aus und ihre kleinen und großen Dramen passieren ihnen einfach.

Beste Nebenrolle

Ein Steinbruch und ein Autokino. Sie sind die Treffpunkte von Matis Motorradclique. Es sind erhabene Orte, ein Extralob geht ans Location-Scouting.

Taschentuchmoment

Kurz vor Ende, als alle ein wenig ratlos auf ihre Lebenswege schauen, wird plötzlich eine italienische Schnulze eingespielt: „L'Animale“. Und alle singen leise mit. Ein theatralischerer Stilbruch in diesem sonst so lakonischen Film.

Good Job!

Es geht – auch – um homosexuelles Begehren in „L'Animale“, aber das Thema wird nicht größer oder kleiner gemacht, als es ist. Wie alles andere ist es halt einfach vorhanden. So geht es halt auch.

Geht gar nicht

Um die tiefere Bedeutung des Films noch ein wenig deutlicher rüberzubringen, gibt es immer wieder Szenen einer Gedichtinterpretation aus Matis Deutschunterricht. Dieser Wink mit dem Zaunpfahl, nein: Holzhammer, muss nicht sein.

Gut zu wissen

Man kann im Jahr 2018 einen im Jetzt spielenden Film ins Kino bringen, in dem kein einziges Smartphone vorkommt – ohne dass es unglaubwürdig wird. Sogar einen Film über Jugendliche.

Ideal für …

… Menschen mit einem Faible für die leise Geschichten. Und/oder den österreichischen Dialekt. „Halt die Bappn“, „Geh, bitte“, „Oida!“ – es macht einfach Spaß, zuzuhören.

„L'Animale“, Österreich 2018; Regie, Drehbuch: Katharina Mückstein; mit Sophie Stockinger, Kathrin Resetartis, Dominik Warta, Julia Franz Richter, Stefan Pohl; 96 Min.

(Kinostart Österreich: 16. März 2018)

Foto: NGF/LBF