Thema – Berlinale

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Die 69. Berlinale geht los

Bitte schnell aufwachen!

Heute startet die 69. Berlinale – mit vielen Frauen, noch mehr Filmen, einem grünen roten Teppich und unserem Bingo zum Mitmachen

Schau ich die Gesellschaftssatire über das mazedonische Dorf, in dem eine Frau beim traditionell den Männern vorbehaltenen Dreikönigstauchen ein Kreuz aus den Fluten hebt? Oder doch den Film über die 50-jährige Französin, die sich ein Fake-Facebookprofil anlegt, um mit jungen Männern zu flirten? Aber Moment, da läuft doch noch dieser japanische Debütfilm über die Waisenkinder, die mit einer Spielkonsole, einem Wok und einem E-Bass eine Band gründen. 

Mangelnde Vielfalt kann man der Berlinale bei 400 Filmen aus 74 Ländern kaum vorwerfen. Oder doch? Schauen wir uns das diesjährige Programm doch mal genauer an. Von 265 aktuellen Filmen, die auf der Berlinale laufen, sind 98 unter rein weiblicher Regie entstanden. Das sind 37 Prozent. Im prestigeträchtigen Wettbewerb, der Sektion, auf die alle besonders schauen, weil dort goldene, silberne und noch diverse andere Bären verliehen werden, sind es prozentual mehr, nämlich sieben von 17 Filmen, also 41 Prozent. Ist das jetzt viel – weil mehr als je zuvor? Oder wenig – weil halt noch längst nicht die Hälfte? 

Wie grün ist der rote Teppich?

Darüber kann man lange diskutieren. Und genau das ist dann vielleicht auch wichtiger als die Zahlen selbst: über Missstände und Fortschritte offen zu reden, sich über Diversität und Repräsentation den Kopf zerbrechen. Vor und nach dem Kino, auf den Pressekonferenzen, auf Veranstaltungen, abends beim Bier und morgens beim Kaffee. Und auch bei uns in nächsten zehn Tagen, an denen wir täglich von der Berlinale bloggen. 

Wir sprechen mit Ula Stöckl, die 1968 mit „Neun Leben hat die Katze“ den ersten feministischen Film in Deutschland gedreht hat. Wir treffen afrikanische Regisseur*innen, die sich über die filmische Darstellung ihres Kontinents Gedanken machen und neue Wege gehen. Wir schauen nach Neustadt in Sachsen, wo der junge Regisseur Florian Kunert einen Film über Geflüchtete aus Syrien gemacht hat: Sie treffen die ehemaligen Werksarbeiter, in deren früheren Wohnheim sie untergebracht sind. 

Heute Abend geht es mit dem Eröffnungsfilm „The Kindness of Strangers“ los auf dem roten Teppich – der dieses Jahr allerdings recht grün daher kommt. Er besteht aus alten Fischernetzen, gebrauchten Teppichen und ausgemusterten Fehlproduktionen und soll zum Schutz der Meere aufrufen. Wie nachhaltig die Berlinale selbst ist, auch das wird ein Thema sein bei uns. (fx)

Sugargate

Und jetzt zum ersten Skandal der Berlinale: Es gibt keinen! Zucker! am! Kaffeestand! Der Hintergrund: Der Kaffeesponsor durfte keine Tütchen mit eigenem Logo mitbringen, und die Berlinale hat es verpeilt, selbst welche aufzustellen. Ein Retter in der Not war der findige Barista im Pressebereich. Der hatte nämlich selbst welchen mitgebracht. 

 

 

Der braune Zucker war in dem Reagenzglas zwar ziemlich nachhaltig verpackt, reichte aber leider gerade mal für drei Menschen. Dass der Mann weiß, was seine gar nicht so einfache Kundschaft braucht, bewies er gleich fünf Minuten später.

Barista: „Do you want a third espresso shot in your coffee?“ 

Journalist: „I gonna watch a 150 minute long Indian movie, so probably yes.“ (mbr)

Jetzt neu: das Berlinale Bingo

 

Weil man bei so einem Filmfestival ja dauernd auf irgendwas warten muss, hier ein kleiner Zeitvertreib: unser Berlinale-Bingo. Wie spielt man das? Bei Eintreten eines Ereignisses das entsprechende Feld durchstreichen. Bei einer gefüllten Reihe, Spalte oder Diagonale aufspringen und „Berlinale“ skandieren – egal, ob man gerade mit 1.000 Leuten in einer Weltpremiere sitzt.

 

Schon fertig? Dann gleich noch die Inspirationsquelle unseres Berlinale-Bingos spielen. Das hat sich die Filmjournalistin und Kuratorin Jutta Brendemühl ausgedacht. Und wer sein Glück noch mehr herausfordern will, hier noch eins von den Filmfestspielen in Toronto. (fx)

Titelbild: Daniel Seiffert

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

1 Kommentar
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Gast
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07.02.2019-08:02

Doch die Frage ist am Ende, was daran so wichtig ist, wie viele Filme von Frauen gedreht wurden - wenn die Geschlechter doch gleichberchtigt sein sollen. Denn es geht nicht darum, dass die Hälfte der Filme von Frauen gemacht wurde, sondern darum, dass jeder Regisseur unabhängig von seinem Geschlecht und nur anhand seiner Leistungen beurteilt wird. Meint man dann jedoch, man bräuchte einen bestimmten Anteil von Frauen in den verschiedensten Positionen, werden unter Umständen Männer benachteiligt - was man dann, im Gegensatz zu einem "zu geringen Prozentsatz" von Vertretern eines bestimmten Geschlechts, als Sexismus bezeichnen kann. Ich denke, dass Quoten und Prozenten zu viel Bedeutung beigemessen wird. Es entsteht der Eindruck, man wolle es sich hier einfach machen und denkt, dass 50 zu 50 Prozent immer automatisch gerecht sei. Doch in wie viele Kategorien möchte man Menschen dann einteilen und einen bestimmten Anteil aller Stellen mit den Angehörigen jeder Kategorie besetzen?