Auch die Carters gehen bekanntermaßen gerne ins Museum, wenn sie mal frei haben. Aber sie wären nicht das berühmteste Paar der Popwelt, wenn ihre Besuche im Pariser Louvre nicht gleich den Anstoß für ein neues Großwerk gegeben hätten. In ihrem Video „Apes**t“ wagen sie einen symbolisch aufgeladenen Battle Rap mit einem der wichtigsten Kunstort der Welt.

Das zeigt schon die Eingangsszene – natürlich – vor der Mona Lisa. Die Carters stellen sich davor, links und rechts flankieren sie das Porträt von Leonardo da Vinci und rahmen es ein wie ein Triptychon. Sie sind ja nicht als Besucher hier. Sie sind selbst Kunstwerke und stehen denen der alten Meister in nichts nach.

Ein paar Takte später posiert Beyoncé vor der Skulptur der „Nike von Samorake“, wie sie selbst eine Siegesgöttin, und rappt „Gimme my check – or pay me in equity“. In die Gegenwart der Geschlechterdebatte holt sie auch das Bild vom Raub der Sabinerinnen von Jacques-Louis David, eine Art Metoo-Moment der Antike, immerhin handelt es von männlicher Aggression gegen Frauen. Beyoncé hat die passende Zeile: „Get of my dick“. Ebenso von David ist das Bild, das die Krönung von Napoleons Gattin Joséphine zeigt, die dieser einfach mal selbst durchführt. Und nicht der Papst. Naheliegend, dass sich Beyoncé, eingerahmt von ihrem Hofstaat an Tänzerinnen, gleich symbolisch mitgekrönt hat. Wie kulturelle Aneignung, mal anders rum gedacht.

Und Jay-Z? Der macht sich so seine Gedanken über das „Floß der Medusa“ von Théodore Géricault, das den Schiffsbruch einer französischen Fregatte vor dem Senegal im Jahr 1816 zeigt, symbolisch aber die Grausamkeiten des Kolonialismus meint.





 

Hat auch schon mal im Louvre gedreht: Will.i.am mit seinem Stück Mona Lisa Smile

Macht und Status. Die großen Themen bei Bey und Jay. Die großen Themen im Louvre. Das sieht man schon daran, wie wenige Schwarze dort zu sehen sind. Und wenn, dann sind sie meist Sklaven. Eine Ausnahme ist das anmutige Porträt von Marie-Guillemine Benoist, das „Jayoncé“ in stiller Würde einfach einen Moment stehen lassen. Es soll eine befreite Sklavin zeigen.  

Denn genau darum geht es im Video: um das Sichtbarwerden, sich in die Geschichte einschreiben, schwarze Kultur in weißen Kunsttempel feiern. „Apes**t“ wirkt wie ein Akt der Aneignung. Eine kulturelle Dekolonisation des weiß dominierten Kunstkanons. Und offenbar eine ziemlich wirkungsvolle. Wie die Süddeutsche nachgerechnet hat, haben das Video in weniger als einer Woche mehr als dreimal so viele Menschen gesehen als Besucher jährlich in den Louvre kommen. Und das sind immerhin gut 8 Millionen.