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Ein Listicle der besten Suchmaschinen, die sich nicht durchgesetzt haben

Yahoo

Im September 1998 gründeten Larry Page und Sergey Brin mit 100.000 US-Dollar Startkapital offiziell die Firma Google. Heute ist Google – beziehungsweise die daraus hervorgegangene Mutterfirma Alphabet – nicht nur eines der wertvollsten Unternehmen der Welt, sondern vor allem auch extrem stark in unseren Alltag integriert. Um die Algorithmen von Google haben sich ganze Geschäftszweige entwickelt – Stichwort Suchmaschinenoptimierung und Anzeigenmarkt. Etwas zu „googeln“ ist in vielen Ländern ein fester Teil der Alltagssprache geworden. Und das, obwohl es im Laufe der vergangenen 20 Jahre durchaus ernst zu nehmende Konkurrenz gab. Trotzdem schaffte es (noch) keine der folgenden Suchmaschinen, den Siegeszug von Google aufzuhalten:

Lycos

Google hatte 100.000 US-Dollar Startkapital, Lycos zwei Millionen. Das Problem: Lycos war schlecht im Suchen

Die amerikanische Suchmaschine mit dem schwarzen Hund als Logo wurde noch vor Google gegründet – nämlich bereits 1995 – und hatte mit zwei Millionen Dollar auch ein größeres Startkapital zur Verfügung. 1996 legte Lycos den schnellsten Börsengang an der amerikanischen NASDAQ hin. Auf der Höhe der Dotcom-Blase im Jahr 2000 wurde Lycos für mehr als zwölf Milliarden Dollar an die spanische Telefónica verkauft. Nur vier Jahre später war nicht mehr viel vom Hype übrig, und Lycos wechselte für vergleichsweise magere 95 Millionen Dollar wieder den Besitzer. Danach verlor es weiter konstant an Bedeutung, unter anderem, weil die Qualität der Suchergebnisse nicht an die von Google heranreichen konnte.

AskJeeves

Aus heutiger Sicht war Ask Jeeves seiner Zeit weit voraus. Im Jahr 1997 ging die Suchmaschine an den Start und hatte sich ein hehres Ziel gesetzt: Im Gegensatz zur damaligen Konkurrenz wollte Ask Jeeves nicht nur nach einzelnen Stichwörtern suchen, sondern ganze Fragen beantworten können (wie zum Beispiel: „Wer ist der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika?“). Damals war das Interesse der Nutzer an dieser Art der Suche aber noch sehr gering. Heute gehören solche Suchanfragen zum Standardumfang von Sprachassistenten wie Siri oder Alexa. Und auch Google kann mittelkomplexe Fragen heute leicht beantworten. Später wurde Ask Jeeves in Ask.com umbenannt und machte ab dann nur noch Schlagzeilen mit unseriösen Browser-Erweiterungen.

Quaero

Quaero sollte Europa im Jahr 2005 endlich auf Augenhöhe mit dem Silicon Valley befördern. Dahinter stand eine politische Initiative von Frankreich, Deutschland und der Europäischen Union. Quaero sollte keine textbasierte Suchmaschine werden wie Google, sondern eine Multimedia-Suchmaschine: Mit einem Eingabebild sollte Quaero etwa andere, ähnliche Bilder im Internet aufspüren können. Auch Video- und Audiodateien sollten mit der Suchmaschine transkribiert und durchsucht werden können. Wegen konzeptioneller Differenzen der französischen und deutschen Teilnehmer wurde das politisch motivierte Projekt jedoch bald in zwei eigenständige Programme getrennt. Das verbliebene französische Suchmaschinen-Entwicklungsprojekt Quaero wurde im Jahr 2013 aus Mangel an Erfolg dann endgültig beendet. Google führte das Feature „umgekehrte Bildersuche“ im Jahr 2011 ein.

AltaVista

AltaVista konnte bereits ganze Webseiten durchsuchen. Nur: weder besonders schnell noch einfach zu bedienen

Auch AltaVista war eine Suchmaschine der ersten Generation. Sie entstand aus einem Forschungsprojekt des Computerherstellers DEC und konnte deswegen stets auf starke Hardware-Ressourcen zurückgreifen. AltaVista war außerdem eine der ersten Volltext-Suchmaschinen. Das heißt, dass nicht nur der Titel und die sogenannten Meta-Tags einer Webseite durchsucht wurden, sondern tatsächlich auch die Inhalte der Webseite. In Sachen Geschwindigkeit, Übersichtlichkeit und Einfachheit der Bedienung konnte AltaVista Google aber nicht das Wasser reichen, sodass die Popularität der Suchmaschine nach dem Start von Google schnell abnahm, bis sie 2013 endgültig abgeschaltet wurde.

 

Yahoo

Der einst kommerziell erfolgreichste und für Google gefährlichste Rivale war Yahoo. Bereits 1994 begannen zwei amerikanische Studenten aus dem Silicon Valley damit, manuell ein Verzeichnis von Internetseiten anzulegen. Das Internet war zu dieser Zeit noch klein, und die wenigen hundert Seiten konnten gut in starre Kategorien eingeordnet werden. Bald allerdings konnte dieses Konzept mit der Entwicklung des Internets nicht mehr mithalten – die Suchmaschinen setzten sich gegen die Web-Verzeichnisse durch.

Wen der Kampf zwischen Google und Yahoo in den 1990er-Jahren näher interessiert, kann sich die vierte Staffel der amerikanischen Serie „Halt and Catch Fire“ ansehen. Sie macht den konzeptionellen Konflikt der beiden Firmen zum zentralen Element ihrer Handlung:

Bing

2009 brachte Microsoft die Suchmaschine Bing an den Start, die Yahoo bald überholte. Heute liegt sie – mit natürlich großem Abstand zum Platzhirsch – auf Platz drei der weltweit beliebtesten Suchmaschinen. Beim Betriebssystem Windows ist standardmäßig der eigene Browser Edge dabei – und der nutzt natürlich Bing. Diese Vorinstallationen gehören zum Geschäftsmodell von Microsoft und vielen anderen, gebracht hat es zumindest bei Bing nicht so viel. Platz zwei im weltweiten Ranking belegt die chinesische Suchmaschine Baidu, mit der Bing seit 2011 kooperiert: Tippt man in China via Baidu eine englischsprachige Suchanfrage ein, liefert Bing die Antworten. Weil Bing die Suchergebnisse auf Wunsch der chinesischen Behörden zensiert, wird die Suchmaschine von Menschenrechtlern kritisiert. Google seinerseits zog sich vor acht Jahren aus Protest gegen Zensuraufgaben aus China zurück. Medienberichten zufolge plant das US-Unternehmen aber aktuell, wieder nach China zurückzukehren – und diesmal mit den chinesischen Behörden zusammenzuarbeiten. 

Neue Alternativen

Auch wenn Google heute quasi das Monopol auf dem Suchmaschinenmarkt hat (über 85 Prozent aller Suchen im Internet finden dort statt), gibt es sehr viele durchaus gut funktionierende Alternativen. Da sind Suchmaschinen für wissenschaftliche Texte, Suchmaschinen für viralen Content oder speziell für Kinder, Suchmaschinen, die „open source“ sind, die angeben, mit jeder Suchanfrage eine gemeinnützige Organisation zu unterstützen, oder versuchen, durch Aufforstung den ökologischen Fußabdruck der Serverleistung zu kompensieren. Und es gibt Suchmaschinen, die die Privatsphäre und Anonymität besonders stark in den Vordergrund rücken. Sie speichern keine Metadaten von ihren Nutzern, und die Suchergebnisse werden nicht auf einzelne Benutzer personalisiert. Eine Liste mit 30 alternativen Suchmaschinen gibt es hier.

Titelbild: Andrei Lacatusu 

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

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