Klar, beim Thema Toiletten dauert es meist nicht lange und irgendjemand reißt den ersten Klo-Witz. Dabei wäre es angebracht, diese Sache, die in der Tat zum Himmel stinkt, einmal mit dem nötigen Ernst zu betrachten: Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge fehlen weltweit Toiletten für mehr als zwei Milliarden Menschen. Mangelnde Hygiene in Sanitäranlagen und bei der Abwasserentsorgung führen zur Verbreitung von Erkrankungen, an denen täglich Hunderte Menschen sterben, besonders Kinder.

Es gibt eine NGO, die sich ganz dem Thema widmet, die World Toilet Organization (WTO). Ihre Position ist, dass hygienische und funktionierende Toiletten in ausreichender Zahl nicht nur eine Notwendigkeit sind, sondern für die Würde des Menschen unabdingbar. Die WTO fühlt sich der Erfüllung des UN-Millenniumsziels Nummer 7c verpflichtet. Dies sieht vor, den Anteil der Weltbevölkerung, der ohne Zugang zu Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung lebt, radikal zu reduzieren.

Gegründet wurde die WTO übrigens in Singapur, dessen ehemaliger Premierminister Goh Chok Tong einmal gesagt hat, der Zustand der öffentlichen Toiletten eines Landes sage viel über das soziale System aus und sei ein Symbol für den Fortschritt einer Gesellschaft.

Die US-amerikanische Fotografin Andrea Bruce hat Monate damit verbracht, in der ganzen Welt den Zustand der sanitären Anlagen zu dokumentieren. Sie kommt zu einer sehr ähnlichen Einschätzung: „Man muss sich nur den Zustand der Toilettenräume von öffentlichen Schulen ansehen, dann kann man sehr genau sagen, wie in diesem Land die Prioritäten gesetzt werden.“

ndia, near Bhubaneswar, 30 September 2016  Without proper sanitation, good water is hard to fine. Most villages receive their water from wells which are often contaminated through open defecation
Indien, nahe Bhubaneswar. Hier finden sich kaum irgendwo funktionierende Toiletten, und deshalb ist auch sauberes Wasser Mangelware. Denn die meisten Dörfer beziehen ihr Wasser aus Brunnen, die oft kontaminiert sind – durch „offene Defäkation“ (OD), wie das dann von Politikern und Gesundheitsexperten vornehm ausgedrückt wird.
 
Community toilets are one answer to India's lack of toilets. But without a system for maintenance and cleaning, defecation remains a health problem. These four are waiting for the one open, working stall to open for use.  Open defecation may happen in Ind
Mehr öffentliche Toiletten sollen in Indien Abhilfe schaffen. Doch werden die dann nicht regelmäßig gereinigt und repariert, ist auch wieder nicht viel geholfen. Die „offene Defäkation“, die in indischen Dörfern schon ein Problem darstellt, ist dies erst recht in den Slums großer Städte wie Neu-Delhi. Deshalb arbeiten Organisationen wie Water Aid daran, solche Quartiere mit Toiletten auszustatten.
 India, Peepli Kheera, 25 September 2016  In the village of Peepli Kheera, population around 800 people, there is only one toilet which is kept under lock and key. The entire community defecates outside. Men in the fields on one side of the village, women
Meistens besetzt: Für die etwa 800 Einwohner des indischen Dorfes Peepli Khera steht genau eine Toilette zur Verfügung. Deshalb verrichten die meisten ihre Notdurft auf den Feldern im Freien – die Männer auf der einen Seite des Dorfes, die Frauen auf der anderen. Schätzungen zufolge muss sich knapp die Hälfte der Inder auf diese Weise helfen. Viele indische Kinder ziehen sich dadurch Parasiten und chronische Infektionen zu, die ihre Fähigkeit beeinträchtigen, aus der Nahrung Nährstoffe zu ziehen. Laut UNICEF kommen aufgrund dieser Missstände fast 150.000 von ihnen jedes Jahr ums Leben.
India, Peepli Kheera, 30 September 2016  The Indian government has promised every Indian a toilet by 2019. But here, you can see a government-built toilet that is unused and broken. Building toilets is only part of the problem.
Die indische Regierung hat versprochen, dass ab 2019 jeder Bürger des Landes Zugang zu einer Toilette haben soll. Hier auf dem Bild allerdings ist eine solche von Steuergeldern errichtete Toilette zu sehen – sie ist schon wieder kaputt. Das Bauen von sanitären Anlagen ist eben nur ein Teil der Lösung. Sie müssen dann auch an die Wasserversorgung angeschlossen und gut gewartet werden.
India, Delhi, Wazirabad, 08 February 2017  Prakash, 10, and Raees, 11, play in the heavily polluted Yamuna River where 18 drains from New Delhi dump 600 million gallons of sewage every year. The boys thought the bubbles were signs of soap, though many peo
Kinder spielen in dem stark verunreinigten Fluss Yamuna, in den Unmengen an Abwasser aus Neu-Delhi eingeleitet werden. Womöglich dachten sie, der Schaum sei durch Seife entstanden. Dabei sind es neben Tensiden auch Fäkalien und Industrieeinleitungen, die das Flusswasser schäumen lassen.
Haiti, Cap Haitian, 24 November 2016  The slums of northern Haiti suffered from cholera after Hurricane Matthew, exacerbated by their lack of proper toilets. In this slum people often defecate in the lanes between their homes
In den Slums im Westen der Karibikinsel Haiti brach, nachdem hier Anfang Oktober 2016 der Hurrikan Matthew gewütet hatte, vielerorts Cholera aus. Was die Zustände noch verschärfte, war der Mangel an Toiletten. Oft entleeren sich die Bewohner dieser Quartiere einfach auf den kleinen Wegen direkt vor ihren Behausungen.

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Haiti, Cap Haitian, 24 November 2016  SOIL collects the refuse from their composting toilets, distributes new composting toilets in Sada II and the waste compost site in Limonade.
Ein Mitarbeiter von SOIL (Sustainable Organic Integrated Livelihoods) leert in Cap-Haïtien eine öffentliche Toilette. Die Organisation hat sich dem Ziel verschrieben, menschliche Fäkalien zu Kompost und Dünger zu verarbeiten, sodass sie nicht mehr die natürlichen Gewässer und damit auch das Trinkwasser der Menschen verschmutzen.
Haiti, Les Cayes, 15 November 2016  Hurricane Matthew battered Haiti with 145 mile an hour winds, halting the slow reconstruction that’s been under way since 2010’s devastating earthquake. Some 175,000 people were displaced in the immediate aftermath of M
Hurrikan Matthew traf im Oktober 2016 mit etwa 230 Stundenkilometern auf Haiti und versetzte dem Wiederaufbau vieler Gebäude, die es schon bei einem Erdbeben im Jahr 2010 hart getroffen hatte, einen herben Rückschlag. Um die 175.000 Menschen waren zeitweise obdachlos, und aus den Unmengen von Schutt und trübem Wasser kehrte ein altbekannter Feind zurück: die Cholera. Hier ist eine alte Frau damit beschäftigt, Wochen nach dem Hurrikan die Reste ihres Hauses in den Bergen zu reinigen.
Haiti, Port-au-Prince, 27 January 2017  Matteis Exalus, 44, (hat), Roger Dume, 45, (white shirt) and Exilian Cena, 44, have worked together as bayakou for around 20 years, they said. Bayakou crawl into pit toilet holes to empty the feces inside by hand an
Was für ein Job: Ein Bayakou – so werden in Haiti die Latrinenreiniger genannt – kümmert sich um die Entleerung eines Plumpsklos. Dazu muss er komplett in die Grube hinabsteigen.
aiti, Jeremie, 18 November 2016  Fritznel Xavier, 15, receives a rehydration IV at a Cholera Treatment Center (CTC) in Jeremie, one of the cities hardest hit by the cholera epidemic.   Fritznel's parents carried him 6 hours to the CTC after realizing he m
In einem Behandlungszentrum in Jérémie auf Haiti erhält ein Teenager eine Rehydrationsbehandlung. Jérémie ist eine der Städte, die am härtesten von der Cholera-Epidemie getroffen wurden. Noch immer gibt es in dem Karibikstaat viele Cholera-Fälle. Mal sind es mehr, mal weniger, abhängig auch von der Stärke der Regenfälle, die immer eine Menge Abwässer hochspülen und übers Land verteilen. Seit es nach dem Erdbeben von 2010 zu einem Wiederaufflammen der Seuche gekommen ist, hat sie sich in den vom Hurrikan betroffenen Gebieten weiter ausgebreitet.
 
Vietnam, Ben Tre Province, 16 February 2017  In much of Vietnam, the use of toilets is an improvement made in the past 10 years.  The ethnic Thai minority village in southern Vietnam, Ben Tre Province.   There is a clear geographical correlation that exis
In den letzten zehn Jahren hat es in Vietnam große Fortschritte bei der Versorgung der Bevölkerung mit sanitären Anlagen gegeben. Doch in bestimmten Regionen, in denen die Armutsrate immer noch sehr hoch ist oder wo sozial benachteiligte ethnische Minderheiten leben, ist die Situation weiterhin sehr schlecht. In diesen Gegenden, so die Schätzung, benutzen 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung keine Toiletten.
Vietnam, Na Tau, 12 February 2017  This is one of five villages in Na Tau have made great efforts to stop open defecation and achieved a goal of 100 percent of households having their own latrines. The villages’ achievement is recognized by ODF verificati
Da Dorf Na Tau ist eines von fünf Dörfern in der Region Dien Bien, denen es gelungen ist, 100 Prozent der Haushalte mit eigenen Latrinen auszustatten. Das ist auch der Health Environment Management Agency nicht verborgen geblieben, die das Beispiel des Dorfes in ihren Prüfrichtlinien für „OD“ berücksichtigt hat. Dien Bien ist die erste Region Vietnams, in der diese Richtlinien umgesetzt werden sollen.
Vietnam, Tinh Bien District, Vinh Xuyen, 17 February 2017  Phham Thi Lan, 31, and her son, Vinh, 4 years old, at Vĩnh Xuyên village  Outdoor toilets often exist over fish farms in southern Vietnam. The local population believes it is good for the fish and
Das Dorf Vĩnh Xuyên im Süden Vietnams: Die Menschen dieser Region benutzen oft ihre Fischfarmen als Outdoor-Toilette, weil sie glauben, dass das für das Wachstum der Fische gut und der Gesundheit der Menschen, die sie einmal verzehren sollen, nicht abträglich ist.
* Vietnam, Ben Tre Province, 16 February 2017  Dao Thannh Lam, 5, uses the toilet in his school.  ABT Nursury School, Tan Thach ward, Chau Thanh district, Ben Tre city, Ben Tre province,  Much of Vietnam's success was spearheaded by the schools. In all sc
Ein Großteil des Erfolgs bei der Ausstattung Vietnams mit sanitären Anlagen ist den öffentlichen Schulen zuzuschreiben. Sie waren die Speerspitze dieser Modernisierung, denn in allen neu errichteten Schulen der letzten Jahre sind Innentoiletten Pflicht – ebenso wie das Händewaschen nach ihrer Benutzung.
Vietnam, An Giang Province, Chau Doc, 17 February 2017  Unlike most countries where open defecation is still widely practiced, teenage girls fill the high schools of Vietnam. In majority OD countries, teenage girls drop out due to a lack of privacy (no wo
Die gute Ausstattung der Schulen mit sanitären Anlagen in Vietnam kommt gerade auch den Mädchen im Teenageralter zugute. In Ländern, in denen „offene Defäkation“ noch weit verbreitet ist und Schulen daher keine Innentoiletten mit ausreichender Privatsphäre bieten, haben sie oft das Nachsehen, besonders wenn ihre Menstruation einsetzt.