Editorial
Zum fluter-Heft Feiern
Kriege, Klimawandel und Gesellschaften, die anscheinend gar nicht mehr zusammenfinden: Sich da selbst zu feiern, kommt einem schon komisch vor. Wir haben daher länger überlegt, ob wir in diesem Editorial wirklich 100 Ausgaben fluter abfeiern wollen.
Gleichzeitig ist es doch auch okay, sich selbst einmal in den Mittelpunkt zu stellen und stolz auf etwas zu sein, das man geschafft hat. Und irgendwo müssen Mut und Zuversicht ja auch herkommen.
All die Geschichten und Menschen, denen wir in den vergangenen 100 Ausgaben des fluters begegnet sind, haben uns jedenfalls nicht nur richtig Freude gemacht. Sie haben vor allem immer wieder gezeigt, wie unterschiedlich Lebensrealitäten sind und dass es ein großer Irrtum ist, die eigene zum Maßstab aller Dinge zu machen. Es lohnt sich vielmehr, neugierig zu bleiben.
Manchmal haben wir uns Themen überlegt oder Texte geschrieben, die nicht bei allen richtig gut ankamen. So mancher Besuch in Schulklassen hat uns das deutlich gemacht. Schön war's nicht, wenn uns eine 17-Jährige gesagt hat, dass ein Text nicht verständlich war. Geholfen hat es uns aber schon. Zum Beispiel um noch konkreter, kürzer oder näher an euch zu sein.
Trotzdem ist Lob natürlich schöner. Wir leiten innerhalb unserer Redaktion keine Mail so gerne weiter wie die, in der steht, wie toll jemand eine unserer Ausgaben oder einen bestimmten Text fand. Denn natürlich wollen auch wir das erfahren, was eines der wichtigsten Ziele politischer Bildung ist: Selbstwirksamkeit.
Politische Bildung muss weder den Ansprüchen von einzelnen Parteien noch von Menschen in Machtpositionen genügen. Sie gehört den Menschen und muss für sie gemacht sein. Es geht darum, die Gesellschaft und sich selbst besser zu verstehen, und sich zu überlegen, was einem wichtig ist. Demokratie muss lebendig sein. Ohne euren Mut, eure Ideen und euren Widerspruch kann sie nicht wachsen, sondern ist ihren Feinden ausgeliefert.
Uns ist es deshalb wichtig, rauszugehen in die Welt, egal ob Stadt, Dorf oder irgendwas dazwischen. Rein in die Freibäder und Gyms, ab aufs Schützenfest und zuhören. Was macht ihr so? Was ist euch wichtig? Wie können wir besser zusammenleben? Genau das versucht der fluter mit jeder einzelnen Ausgabe: sich mit verschiedenen Realitäten zu befassen, auf Missstände aufmerksam zu machen und zu zeigen, was Menschen bewegen können.
Wir sind uns sicher: Jede Person hat eine Geschichte, die es sich zu erzählen lohnt. Die nächsten 100 Ausgaben des fluters können also kommen. In diesem Sinne: Auf euch und uns!
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