Szene einer Trauerfeier in Ghana: Mehrere Männer tragen einen Sarg in Form einer grünen Frucht durch eine Menschenmenge unter einem Zeltdach

YODO

You only die once: Deshalb kann man schon mal darüber nachdenken, wie der eigene Tod gefeiert werden soll. Wir haben fünf junge Menschen aus verschiedenen Ländern gefragt

Protokolle: Redaktion Meramo
Thema: Identität
2. Oktober 2026
„Meine Asche soll am Strand oder in den Bergen verstreut werden. Das sind Orte, die mir wichtig sind“

Yoselyn, 21 Jahre, Venezuela

Am liebsten wäre mir etwas Unkonventionelles, ohne mehrtägige Totenwache am offenen Sarg. Und ich möchte lieber verbrannt werden. Ich habe irgendwie Angst vor dem, was mit meinem Körper unter der Erde passiert, auch wenn ich schon tot bin. Mir gefällt auch der Gedanke nicht, ganz allein in einem Sarg auf einem Friedhof zu liegen. Stattdessen soll meine Asche von Menschen, die mir wirklich wichtig waren, am Strand oder in den Bergen verstreut werden. Das sind Orte, an denen ich mich jetzt besonders wohlfühle. Danach sitzen die Menschen, die mir nahestehen und wichtig sind, zusammen, tauschen Erinnerungen aus und trösten sich gegenseitig. Dazu Musik von Juan Luis Guerra. Die höre ich, seit ich klein bin, und sie gibt mir ein Gefühl von Ruhe und Frieden. Allzu teuer sollte die letzte Party nicht werden, höchstens 500 US-Dollar soll sie kosten. Das sind hier immerhin zwei Monatsmieten. Zu essen wären Asquerositos gut, also venezolanische Hot Dogs. Die liebe ich.

 

„Wenn die Menschen bei der Feier richtig viel Spaß haben und tanzen, hätte ich insgeheim ein bisschen FOMO“

Malak, 19 Jahre, Ägypten

Ich möchte eine Zeremonie in einer Moschee, aber nicht so, wie es bei uns Tradition ist. Schwarz gekleidete Menschen, die stundenlang beten und zuhören, wie aus dem Koran gelesen wird, und dabei nicht lächeln dürfen, finde ich unpassend. Lieber wäre mir eine persönliche Feier, bei der die Menschen nicht traurig sind, wenn sie an mich denken. Wenn sie dabei richtig viel Spaß haben und tanzen, hätte ich insgeheim allerdings ein bisschen FOMO. Würde ja so wirken, als würden sie mich nicht vermissen! Meine Gäste sollten miteinander sprechen und sich an unsere gemeinsame Zeit erinnern. Für mich ist eine Beerdigung sowieso eher für die Lebenden als für die Toten. Die Feier sollte in erster Linie den Menschen Frieden geben, die noch am Leben sind und um mich trauern. Deshalb möchte ich auch nicht, dass sich die Trauernden um Essen und Trinken kümmern müssen. Also gibt es Wasser und sonst nichts.

 

„Nach dem Begräbnis kommen meine Gäste zu einem sommerlichen Fest in unseren Schrebergarten. Mit Open End“

Rosa, 17 Jahre, Deutschland

Mein erster Gedanke war: viele Blumen und ein Grab! Ich liebe Blumen. Ich möchte begraben werden, damit es einen Ort gibt, an den Menschen kommen können, wenn sie sich an mich erinnern wollen. Mit einem farbenfrohen Grabstein. In meiner Vorstellung ist das Wetter schön und warm, sodass man draußen sein kann. Nach dem Begräbnis kommen meine Gäste zu einem sommerlichen Fest in unseren Schrebergarten. Mit Open End. Hier habe ich mit den meisten Menschen, die ich gerne dabei hätte, schon einmal gefeiert. Wir haben hier zusammen Kaffee getrunken, gegrillt und Pizza im selbst gebauten Ofen gebacken. So soll es wieder sein. Das hilft ihnen vielleicht, sich an mich zu erinnern, dass sie so über mein Leben nachdenken können und es feiern. Es soll keine laute Party sein. Das sind die Feiern hier nie, aber es wird immer viel gelacht. Mit leiser Musik im Hintergrund, was von Taylor Swift oder Olivia Rodrigo, meinen Lieblingsmusikerinnen. Ein bestimmtes Lied wünsche ich mir nicht. Das fände ich zu pathetisch.

 

„Es wäre cool, wenn es Hot Dogs gäbe, denn das ist das einzige Gericht, das ich zubereiten kann“

Yan, 15 Jahre, Frankreich

Die Glocken läuten. Meine Familie und meine engsten Freundinnen und Freunde versammeln sich in unserer Kirche zu einem Gottesdienst und denken an mich. Sie tragen Klamotten, in denen sie sich wohlfühlen. Mir wäre am liebsten, sie kommen ganz schlicht und einfach. In die Zeremonie eingebettet wird dann das Lied „See You Again“ von Wiz Khalifa. Das ist ein Song aus „Fast & Furious 7“. Die Filme mag ich. Das Lied handelt vom Tod, ist aber eben nicht nur traurig, sondern tröstet auch, erzählt von schönen gemeinsamen Erinnerungen und davon, dass es ein Wiedersehen gibt. Alles ist ruhig und friedlich, auch beim gemeinsamen Zusammensitzen zu Hause danach. Es wäre cool, wenn es Hot Dogs gäbe, denn das ist das einzige Gericht, das ich zubereiten kann, und außerdem kann man auf die Brötchen so ziemlich alles drauflegen, was man will.

 

„Jeden Abend werden Mönche ihre Gesänge anstimmen. Alle meine Leute werden im Tempel sein, traditionell in Schwarz oder Weiß gekleidet“

Sarika, 24 Jahre, Thailand

Ich bin religiös und wünsche mir eine ganz traditionelle Zeremonie, deshalb soll meine Trauerfeier mehrere Tage dauern und auf jeden Fall in einem buddhistischen Tempel sein, nahe an meinem Wohnort. Jeden Abend werden Mönche ihre Gesänge anstimmen. Meine gesamte Familie, Nachbarn, Freundinnen und Freunde werden im Tempel sein, traditionell in Schwarz oder Weiß gekleidet, sich austauschen, essen und trinken. Es werden viele Gänge gereicht, wie bei einem chinesischen Bankett, begleitet von traditio­neller Instrumentalmusik. Es ist die letzte Gelegenheit, dass alle, die mir in meinem Leben begegnet sind, in dieser Konstellation zusammentreffen. Sie sollen mich gemeinsam bei diesem wichtigen Übergang in meine neue Existenz begleiten und unterstützen. Das darf auch etwas kosten. Bei uns ist es Tradition, dass sich alle Gäste an den Kosten der Feierlichkeiten beteiligen. Ich wünsche mir, dass meine Familie mindestens 250.000 Thai Baht (ca. 6.500 Euro) einsammelt. Das ist total viel Geld, mehr als viele Leute hier in einem ganzen Jahr verdienen.

 

Titelbild des fluter 100, Thema: Feiern, er zeigt eine Person beim Tanzen vor orangem Hintergrund
Dieser Artikel ist aus dem fluter „Feiern“.
Hier geht’s zum ganzen Heft.

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

Das Titelbild zeigt eine Beerdigung in Ghana, wo es für eine Verstorbene häufig Särge in passender Form gibt – wie hier in Form einer Okraschote für eine Gemüsehändlerin // Foto: Evgeny Makarov