Bunte Illustration mit Tieren in und um eine Rakete

Himmel und Herde

In der Geschichte der Raumfahrt gab es viele Helden, die keine Menschen waren

Von Paulina Albert
Thema: Natur
18. Dezember 2025

Kleine Pioniere

Die ersten Tiere im All waren Fruchtfliegen. Im Februar 1947 stand die Raumfahrt noch ganz am Anfang, die NASA wollte an den Fliegen herausfinden, wie sich die Strahlung im Weltraum auf Lebewesen auswirkt. An einem Fallschirm kam die Kapsel aus 100 Kilometern Höhe zurück, die Fliegen waren wohlauf.

Die ersten Primaten im All

Ein Jahr nach den Fliegen startete der erste Affe: Albert. Seine Kapsel kam nur auf gut 60 Kilometer Höhe, das Rhesusäffchen erstickte. Die NASA schickte vier weitere Alberts los, Albert II war 1949 das erste Säugetier im All. Überlebt hat aber keiner. Mehr Glück hatte der Schimpanse Ham: Seine Mission 1961 war eine Generalprobe für astronautische Raumflüge, Ham trug sogar einen kleinen Raumanzug und führte problemlos eine Reihe von Reaktionstests durch, bevor er wieder landete.

Laikas letzte Reise 

Laika, eine sowjetische Hündin, erreichte 1957 als erstes Lebewesen die Erdumlaufbahn. Und starb nur Stunden später: In der Kapsel wurde es zu heiß. Belka und Strelka, beide Straßenhunde wie Laika, hingegen kehrten im August 1960 nach einem Tag lebend zurück. Im Space Race mit den USA galt die Mission als großer Erfolg der Sowjetunion.

In den Ohren der Frösche

Menschen und Frösche haben Ohrensteine, genannt Otolithen. Die ermöglichen es, Beschleunigung oder Schwerkraft zu spüren. Um zu erforschen, wie Otolithen im All funktionieren, ließ die NASA 1970 zwei Ochsenfrösche starten. Sie flogen in einer kleinen Zentrifuge, um verschiedene Schwerkraftzustände zu simulieren.

Schwerelose Baukünste

Für eine Weltraummission sammelte die NASA 1973 an Schulen Ideen für Experimente. Julius, 17, aus Massachusetts fragte: Wie bauen Spinnen in Schwerelosigkeit ihr Netz? Also nahm die NASA Anita und Arabella mit, zwei Kreuzspinnen. „Wie rasend“, hieß es im Logbuch, habe Arabella ihren Käfig mit wahllosen Fäden durchzogen. Erst nach drei Tagen spann sie wieder ein Netz.

Chinas Nager

Schon in den 1960er-Jahren schoss China Ratten und Mäuse ins All, allerdings nicht besonders hoch. Als erste chinesische Tiere auf einer Erdumlaufbahn gelten die Meerschweinchen, die 1990 in einen Fanhui-Shi-Weixing-Satelliten stiegen. Der konnte die Nager wieder zur Erde zurückbringen.

Tod im Aquarium

Neun Liter Wasser fasste das Aquarium im Spaceshuttle Columbia, das die NASA 2003 startete. Darin auch: Fische, Wasserschnecken und Quallen eines deutschen Forschungsteams. Experimente sollten den Knochenstoffwechsel und Bewegungskrankheiten untersuchen. Aber die Columbia zerbrach bei ihrer Rückkehr über Texas. Sieben Crewmitglieder starben, nur ein paar Fadenwürmer überlebten.

Die Überlebenskünstler

Bärtierchen sehen aus wie Staubsaugerbeutel mit acht Beinen, sind meist kleiner als einen Millimeter und extrem widerstandsfähig. Wenn es ihre Umgebung verlangt, versetzen sie sich in eine Art gefriergetrockneten Zustand. 2007 trockneten ESA-Forschende die Tierchen und setzten sie ungeschützt dem All aus. Nach zehn Tagen unter kosmischer Strahlung und Temperaturen von minus 120 °C bis plus 120 °C rehydrierte man sie – und tada: Manche lebten munter weiter.

Rätselhaftes Reptil

Im Februar 2010, nur sechs Jahre nach Gründung seiner Weltraumagentur, sah man im Staatsfernsehen des Iran einer Schildkröte bei ihrer Reise ins All zu. Warum, blieb unklar. Der Verteidigungsminister sprach von Forschungszwecken; andere Staaten befürchteten eher, die gestartete Kawoschgar-3-Rakete sei ein Schritt in der Entwicklung von Atomwaffensystemen.

Bis auf die Knochen

Im All nimmt die Knochendichte ab. Um herauszufinden, warum, färbte ein japanisches Forschungsteam die Knochenzellen von Killifischen und schickte sie 2014 auf die ISS: Weil die Fische fast durchsichtig sind, waren Veränderungen gut zu erkennen. Die Forschenden fanden heraus, dass gerade die Zellen, die Knochen abbauen, bei weniger Schwerkraft aktiver sind.

Cover Fluter Weltraum – ein Sternenhimmel, darauf in dunkelgrauer Schrift die Worte "fluter" und "Weltraum"
Dieser Text ist aus dem fluter „Weltraum“.
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Illustration: Animationseries2000