„Ohne diese Erfahrung hätte ich nie Musik gemacht“
Unsere neue Videoserie Throwback begleitet bekannte Persönlichkeiten aus Musik, Film und Comedy an die Orte, die sie geprägt haben – Plattenbauten, Dorfstraßen, Spätis, Fußballplätze. In Folge eins spricht der Musiker LIE NING über Zugehörigkeit
Lie Ning kommt bei der Deutschen Oper Berlin an und spricht aus dem Off: „Wir sind gerade in der Deutschen Oper in Berlin.“
Es werden Aufnahmen des Operngebäudes und von Lie Nings Musikvideos eingeblendet.
Lie Ning sagt: „Ich habe mir den Ort gewünscht, weil ich mit zehn Jahren hier Teil eines Projektes war. Ich glaube, ohne die Erfahrung hätte ich nie Musik gemacht.“
Einblendung des Intros und des Namens des Videos: „Throwback“.
Lie Ning sagt: „Es war mein erster Kontakt mit Livemusik und mit einem All Black Cast. Das heißt, ich war plötzlich in einer Welt, in der niemand deutsch gesprochen hat, alle haben englisch gesprochen.“
Lie Ning geht durch das Gebäude. Er sagt: „Ich durfte hier dann nach der Schule hinfahren. Ich bin alleine gefahren, meine Mama ist alleinerziehende Mutter, hat gearbeitet. Ich durfte mein eigenes Leben leben. So mit zehn Jahren habe ich schon gemerkt: Okay, nee, ich will so leben.“
Lie Ning betritt den großen Opernsaal. Er schaut sich um und sagt: „Wow. Ey, das ist so aufregend.“
Einblendung eines Instagram-Videos, in dem Lie Ning sich selbst filmt.
Lie Ning sagt: „Ich bin in Ostberlin oder im ehemaligen Ostberlin aufgewachsen. Es war wahnsinnig weiß. Ich war meistens die einzige nicht-weiße Person.“
Lie Ning beendet die Aufnahme seines Instagram-Videos und sagt lachend: „Das muss ich später meiner Mama zeigen. Die rastet aus.“
Es werden Kinderfotos von Lie Ning eingeblendet, und er sagt: „Als Schwarze queere Person in Berlin aufzuwachsen, ich glaube, da muss man irgendwie auch liebevoll mit sich selber sein, weil so viele Leute nicht liebevoll mit einem sind. Deswegen – nee, immer eine Wertschätzung für mich, dass ich mich weitergebracht habe und immer noch da bin.“
Lie Ning ist beim Interview zu sehen. Der Interviewer sagt aus dem Off: „Voll schön. Wir haben dir übrigens heute auch was mitgebracht.“
Einblendung eines Auftritts von Lie Ning beim Reeperbahn-Festival 2020. Lie Ning schaut sich das Video an, lacht und sagt währenddessen: „Ich war noch so schüchtern. Oh, so cute. Ich weiß nicht, warum ich diesen Hut tragen wollte. It’s a choice.“
Der Auftritt von Lie Ning ist weiterhin zu sehen. Er singt leise mit. Er sagt: „Ich bin an dem Punkt, wo ich es wirklich sehr, sehr liebe, auf der Bühne zu stehen, und ich auch nicht mehr so viel darüber nachdenken muss, wie ich singe und wie ich mit den musizierenden Personen zusammenarbeite.“
Einblendung eines Musikvideos von Lie Ning, aus dem Off sagt er: „Ich habe sehr viel Liebe für mein jüngeres Ich. Ich weiß, was ich alles erlebt habe. Klar wurden mir in Deutschland Steine in den Weg gelegt. Ich will mich aber auch nicht daran festhalten. Ich mache trotzdem ja mein Ding.“
Schnitt ins On von Lie Nings Interview. Er sagt: „Musik reflektiert auch immer ein bisschen die Gesellschaft, und wir leben in einer Gesellschaft, die einen extremen Rechtsruck erlebt, und dann so sehr konservative Sachen zu hören im Popraum ist halt so sehr … Ja, wundert mich nicht.“
Es werden weitere Aufnahmen der Deutschen Oper eingeblendet. Lie Ning setzt sich auf den Sitz im Opernsaal, die Kamera ist nah an seinem Gesicht.
Lie Ning sagt: „Meine Mama hat sich früh darum bemüht, dass ich eine musikalische Grundbildung auch bekomme. Wir sind viel in die Deutsche Oper gegangen, aber ich war immer oder meistens die einzige Schwarze Person. Ich wurde auf jeden Fall auch immer strange angeguckt. Das ist 100 Prozent auch der Fall …“
Schnitt ins On von Lie Nings Interview: „… aber diese Kulturstätten und diese Häuser sind manchmal, glaube ich, sehr rigide, und es braucht da eine andere Offenheit und auch andere Thematiken.“
Es wird ein Ausschnitt aus einem Musikvideo von Lie Ning eingeblendet. Der Text des Songs ist ebenfalls eingeblendet: „Meet me in the wild, life behind the curtains. I’m tired of the show, tired of the acting.“
Er sagt: „Ich glaube, in dem Song geht’s spezifisch um Dating und darum, dass wir uns hinter so Dating-Profilen und Statistiken verstecken und das so schwer ist, eine Person einzuschätzen nur anhand der Bilder und der Größe.“
Schnitt ins On von Lie Nings Interview: „Und noch mehr gilt es, glaube ich, generell, dass so viele Personen versuchen oder denken, Community im Internet zu finden, was auch auf eine gewisse Art stimmt, aber dieser physische Moment fehlt, und er wird auch ein ganz bisschen verlernt. Wir werden gerade alle ein ganz bisschen asozial (lacht), was scheiße ist, das ist nicht gut.“
Es wird erneut das Musikvideo eingeblendet. Lie Ning sagt: „Und ich glaube, der Song ist eine Erinnerung daran, wieder mehr im echten Leben stattzufinden, im Realen stattzufinden. Ja, Social Media, I don’t know, alles andere macht irgendwie viel mehr Spaß.“
Blick in die Kamera. Lie Ning sagt: „Let’s meet in the club.“
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