„Durch ein Meme kann man auch Missstände aufzeigen“
Unsere neue Videoserie Throwback begleitet bekannte Persönlichkeiten aus Musik, Film und Comedy an die Orte, die sie geprägt haben – Plattenbauten, Dorfstraßen, Spätis, Fußballplätze. In Folge zwei spricht der Berliner Meme-Künstler Dan Garten über Popkultur und Ausgrenzung
Dan Garten sitzt im Berliner Prinzenbad und schaut in die Kamera. Er sagt: „Mit dem Prinzenbad verbinde ich vor allem Freiheit.“ Es werden Instagram-Videos von ihm eingeblendet. „Also hier kann ich tatsächlich sein, wie ich Bock habe. Dass hier eine große schwule Community ist.“ Es werden Aufnahmen des Prinzenbads gezeigt, Dan spaziert über die Wiese des Freibades und bleibt vor der Toilette stehen: „Es ist so geil, weil wir haben diesen Space hier so auch für uns geclaimed.“ Dann wird der Titel „Throwback“ eingeblendet.
Dan blickt in die Kamera und stellt sich vor, danach werden Videos von Galerie Arschgeweih eingeblendet: „Hi, ich bin Dan Garten und ich bin Teil von Galerie Arschgeweih. Wir sind eine der größten deutschsprachigen Popkultur-Plattformen und nebenbei mache ich auch mein anderes Projekt Dan Garten. Und da kommentiere ich die Berliner Szene.“
Bilder aus dem Schwimmbad: „Also aufgewachsen bin ich in einem relativ kleinen Kaff. Es waren rund 500 EinwohnerInnen, würde ich sagen.“ Dan spaziert durch das Freibad und heißt die Kameracrew willkommen. Er sagt: „Ich glaube, als Kind war ich voll der Entertainer und dann kam irgendwann die Pubertät und dann wurde ich tatsächlich eher so ein bisschen isolierter, kann man fast sagen.“ Es werden Kinderfotos eingeblendet: „Da habe ich dann halt alles aufgesogen, was geht. Ich habe sehr viel gelesen. Ich habe sehr viel Fernsehen geschaut, sehr viele Medien konsumiert. Aber jetzt könnte man meinen: Oh, wie schlimm. Medien, Fernsehen macht dumm, bla. War halt bei mir nicht so der Fall. Schaut mich an, Leute.“
Unterschiedliche Memes von Galerie Arschgeweih werden eingeblendet. Danach sieht man Dan im On beim Interview. Er sagt: „Wir haben ja damals Galerie Arschgeweih gestartet, weil wir fanden, es fehlt so ein Fundus an deutscher Popkultur im Internet. Und es fehlt vor allen Dingen eine gesunde Aufarbeitung und nicht dieses ‚Wir machen uns mal lustig über diese Popstars‘, sondern eher ‚Wir zelebrieren und wir respektieren auch diese Popstars auf Augenhöhe‘. Und das ist so ein Credo, den wir mit Galerie Arschgeweih haben.“
Dan sitzt im Interview. Der Interviewer sagt aus dem Off: „Wir haben dir auch was mitgebracht.“
Das „Daylight“-Musikvideo der No Angels wird eingeblendet. Dan schaut sich das Video an und sagt scherzhaft: „Ja witzig, das ist das No Angels Daylight-Video. Das habe ich ja noch nie gesehen.“
Das Video wird gezeigt, während er es kommentiert: „Ja, das ist iconic, das ist auf jeden Fall Zeitgeist. Das hat eine neue Ära eingeläutet. Und ich weiß noch, ich war damals, glaube ich, elf Jahre alt, als das rauskam und wir waren alle so hyped.“ Das Musikvideo ist weiterhin zu sehen. Dan sagt: „Und es ist einfach iconic für die Anfänge der Zweitausender. Und das zeigt eigentlich auch auf, wie divers die Anfänge der Zweitausender waren.“ Schnitt zurück ins Interview. Dan sagt lachend: „Ich kenn die No Angels auch persönlich. Was soll ich sagen? Tolle Mädchen.“
Dan sagt: „Für mich hat das als schwuler Junge schon sehr viel bedeutet. Es war für mich irgendwie auch ein, sag ich mal, ein Tor zu einer Welt, zu einer großstädtischen Welt, zu einer Welt, wo man der sein kann, wer man sein möchte. Und gerade so im Kaff groß zu werden als schwuler Junge war natürlich nicht einfach, vor allem in den 2000 Jahren.“ Er ergänzt: „Wir hatten ja damals auch kaum schwule Vorbilder.“
Ein Zitat wird als Texteinblendung gezeigt und vorgelesen: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die Angst uns in die Arme derer treibt, die uns morgen schon wieder fallen lassen.“ Dan sagt: „Das ist eine Quote. Wir müssen uns gegen jegliche Form von Hass stellen. Und ich lass mich nicht vor den Karren derer spannen, die mich morgen schon wieder absägen würden.“
Es werden weitere Aufnahmen von Dan aus dem Prinzenbad gezeigt. Er setzt sich mit einer Cola an einen Tisch. Dan sagt: „Ich finde das ganz schlimm, was da gerade passiert in Deutschland. Auch die Gewalt an homosexuellen Männern nimmt immer mehr zu. Die Gewalt an trans Frauen nimmt immer mehr zu, auch in Berlin. Wir sind in einer Bubble, aber es kommt immer näher und wir müssen uns dagegen entschieden stellen, indem wir auch darüber reden, dass es Probleme gibt.“
Ein Meme von Galerie Arschgeweih mit Kader Loth und Vera Int-Veen und anschließend ein Post von Dan Garten werden eingeblendet. Danach sagt Dan: „Was ich auch immer wichtig finde, ist, dass man durch ein Meme auch Missstände aufzeigen kann. Ich hab mal gesagt, dass ich mich als der sexy Hofnarr sehe. Und klar, es ist lustig, aber es hat auch ein Stückchen Wahrheit in sich. Weil ein Hofnarr damals zu Königszeiten war der Einzige, der die Wahrheit ungeschönt dem König sagen durfte. Und ich finde das ist eine sehr schöne Beschreibung meiner Arbeit eigentlich – dass ich auch immer ein Stückchen Wahrheit in meinen Memes teile.“
Dan blickt in die Kamera, man hört ein Signal durch die Lautsprecher des Freibades. Er sagt: „Achtung, jetzt kommt eine Durchsage.“ Über die Lautsprecher ertönt eine Durchsage: „Badegast mit dem Schrank Nummer 66 bitte einmal zum Schwimmmeister …“ Dan schaut überrascht, steht auf und sagt lachend: „Shit, das bin ich. Ne, Spaß.“
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