Ein Mann mit Kappe hält sich ein rot-weißes Tuch vors Gesicht, während eine weitere Person ihm tröstend die Hand auf den Kopf legt

Wie geil wär’s, wenn die Bayern mal nur 10. werden?

In Deutschland, England oder Frankreich gewinnen immer dieselben Topclubs die Ligen. Mit diesen Regeln anderer Sportarten könnt’s mal wieder spannend werden

Von Marc Latsch
Thema: Sport
17. Juni 2026

Gehaltsobergrenzen

Die American-Football-Liga NFL in den USA ist die umsatzstärkste Sportliga der Welt. Damit die Mannschaften trotzdem nicht grenzenlos Geld ausgeben, gibt es den Salary Cap: Die Summe, die Teams für Spielergehälter ausgeben dürfen, ist begrenzt. Sie wird jede Saison neu festgelegt. Aktuell sind es rund 300 Millionen US-Dollar. Vormachtstellungen wie die des FC Bayern, bei dem nicht selten die zehn bestbezahlten Profis der Liga spielen, wären mit solchen Caps unmöglich. Den Super Bowl, das große NFL-Finale, konnte in 60 Austragungen kein Team öfter als sechs Mal gewinnen. Aber auch den Salary Cap gibt es nicht aus reinem Sportsgeist: Je ausgeglichener, desto spannender für Zuschauende. Und mit dieser Spannung lässt sich Geld verdienen.

Strafsteuern

Auch die US-Basketballligen NBA und WNBA haben Gehaltsgrenzen. Da die durch Sonderregeln recht einfach umgangen werden können, gibt es zusätzlich eine Luxussteuer. Wer deutlich mehr Gehälter zahlt als erlaubt, muss zusätzlich an die Liga überweisen. Ein Teil der Steuer wird an die Teams weitergegeben, die sich an die Obergrenzen halten. So wird es auf Dauer unwirtschaftlich, gegen die Regeln zu verstoßen.

Draften

Viele US-Sportligen setzen auf sogenannte Entry Drafts. Nachwuchsspielerinnen und -spieler von den US-Universitäten und aus Europa werden vor jeder Saison genau beobachtet. Die Mannschaften, die in der Saison zuvor schlecht platziert waren, dürfen dann zuerst Talente auswählen. Damit Teams ohne Titelchance nicht absichtlich Letzter werden, um zuerst draften zu können, haben einige Ligen Zufallselemente im System verbaut. Funktioniert nur bedingt. Aber ein Supertalent wie Lennart Karl hätte seine Bundesligakarriere so eher bei St. Pauli als bei den Bayern begonnen.

Auktionen

Die Indian Premier League, die populärste Cricketliga, setzt neben Salary Caps auf ein Auktionssystem. Kleinere Auktionen finden jedes Jahr statt, die sogenannten Mega-Auktionen alle drei Jahre. Dabei muss jede Mannschaft einen Großteil ihrer Spielerinnen und Spieler freigeben. So mischen sich die Kader zwangsweise regelmäßig durch.

Regionalteams

Im Gaelic Football und in den Schlägersportarten Hurling und Camogie spielen statt Vereinen die Mannschaften der 32 historischen Grafschaften Irlands und Nordirlands. Die Spielerinnen und Spieler treten für ihre Heimatregion an. Wechsel sind möglich, aber streng reguliert und eher unüblich. Statt Bayern München würde also Oberbayern um den Titel spielen. Wo von den Stammspielern des FC Bayern nur Josip Stanišić und Aleksandar Pavlović geboren sind – und von den Stammspielerinnen keine einzige.

Handicaps

Wenn das alles nicht hilft, bliebe die Option, die Bayern einfach im Rückstand starten zu lassen. So werden viele Poloturniere gespielt. Alle Reiterinnen und Reiter erhalten Bewertungen zwischen –2 und +10, die zu einem Handicap für das vierköpfige Team addiert werden. Hat Team A +3 Handicap im Vergleich zu Team B, startet Team B mit 3:0 Toren. So soll es auch zwischen unterschiedlich starken Teams spannend bleiben.

Cover Fluter-Heft 99 Fußball, man sieht viele alte Trophäen in einem Glasschrank
Dieser Artikel ist aus dem fluter „Fußball“.
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Titelbild: Lajos-Eric Balogh / picture alliance