Eigentlich hatte sich die Leitung des Sonntag in Los Angeles über die Bühne gegangenen US-Fernsehpreises Emmy doch nur eines gewünscht: „Ich hoffe, es wird in der Show um Fernsehen gehen.“ Im Grunde ein recht bescheidener Wunsch, den Don Mischer, einer der geschäftsführenden Produzenten im Interview mit dem Magazin „Variety“ äußerte – wäre da nicht der Wahlkampf um die Präsidentschaft in den USA: „Ich hoffe wirklich, dass die Dankesreden nicht politisch werden.“

Doch wie sich während der dreistündigen Gala zeigte, hatten viele der Preisträger genau das im Sinn. Die Spickzettel der Reden schwingenden Stars waren randvoll mit politischen Anspielungen, komödiantischen Kommentaren und seichten Seitenhieben, die keinen Zweifel daran ließen: Winter is coming. Und mit ihm die Entscheidung zwischen Donald Trump und Hillary Clinton.


Den Auftakt machte ein Politiker selbst. In einem eingespielten Sketch mit dem Comedian Jimmy Kimmel trat der Republikaner Jeb Bush auf. Als Uber-Fahrer verkleidet fragte dieser seinen Fahrgast Kimmel: „Du ist nominiert? Ich frage mich, wie sich das anfühlt.“ Lachen im Publikum. Dann riet er dem nominierten Fahrgast: „Wenn du eine positiv konnotierte Kampagne fährst, werden sich die Wähler schlussendlich richtig entscheiden.“ Wieder lautes Lachen im Publikum. Der Verweis auf Donald Trumps Wahlkampf (der von vielen nicht unbedingt als positiv, sondern vielmehr als aggressiv eingestuft wird), war natürlich ironisch gemeint.

 

„Wenn das Fernsehen nicht wäre, würde Donald Trump dann für die Präsidentschaft kandidieren?“, fragte der durch den Abend führende Jimmy Kimmel kurz darauf in seiner Eingangsrede und witzelte: „Nein! Er wäre zu Hause und würde sich heimlich an seiner Frau Malaria reiben, die sich schlafend stellt.“ Ein Buchstabendreher, der Melania Trumps Namen nur versehentlich wie eine tödliche Tropenkrankheit klingen lässt? Wohl kaum. Für Trumps politischen Erfolg verantwortlich, so der Comedian, sei der im Saal sitzende Mark Burnett, Produzent von „The Apprentice“, einer Realityserie über Donald Trump.

Der Preis für die beste Comedyserie gewann die Politsatire „Veep“. Julia Louis-Dreyfus, die eine überforderte Präsidentin spielt, sagte in ihrer Dankesrede: „'Veep' hat die Mauer zwischen Politik und Comedy eingerissen. Unsere Serie hat als Politsatire begonnen, jetzt fühlt sie sich mehr wie eine ernüchternde Dokumentation an.“ Augenzwinkernd versprach sie, diese Mauer wieder aufzubauen und hatte auch schon einen Vorschlag zur Finanzierung parat: „Make Mexico pay for it!“ Ein erneuter Seitenhieb auf Donald Trumps Wahlprogramm, das vorsieht, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer gegen illegale Einwanderer zu errichten.

 

Zwar hat es Tradition, dass Stars aus der US-Unterhaltungsbranche ihre Preisreden nutzen, um auch zu politischen Themen Stellung zu nehmen. In jüngerer Vergangenheit standen dabei aber eher Diskussionen über die gesellschaftliche Rückständigkeit in der Filmbranche im Vordergrund: überholte Rollenbilder, ungleiche Bezahlung oder Benachteiligung von Ethnien. Dass bei der aktuellen Emmy-Verleihung nun konkrete Namen und Wahlempfehlungen ausgesprochen wurden, zeigt deutlich, dass die Nervosität vor den im November stattfindenden US-Präsidentschaftswahlen steigt. Jedenfalls im Showbiz.

(Großer Gewinner bei den Emmys war übrigens die Fantasyserie „Game of Thrones“, die neben dem Hauptpreis für die beste Drama-Serie auch noch elf weitere Auszeichnungen abräumte. Wundert fluter.de eigentlich nicht: Bei der höchst politischen Serie ist schließlich für jeden was dabei.)