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Warum seid ihr wirklich hier?

Warum gehen mittlerweile eigentlich so viele ins Gym? Das hat – Spoiler – mit Muskeln zutun, aber auch mit Freundschaft, Einsamkeit, Körperbildern und Leistungsdruck

Fotos: Hahn & Hartung und Text: Kristina Ratsch
Thema: Sport
8. September 2026
Junge Frau mit langen Haaren und Sporttop steht in einem Fitnessstudio vor Trainingsgeräten

„Als ich noch jünger war, habe ich schon mit meinem Körper gestruggelt. Ich habe mich viel mit anderen Girls verglichen, selbst runter geredet und wurde von Influencerinnen beeinflusst. Mittlerweile weiß ich, dass Körperbilder subjektiv sind – jeder findet etwas anderes schön und ich schätze meinen Körper so, wie er ist.“ 

Elisa, 22 

Ein Mann sitzt an einem gelben Fitnessgerät, während ein anderer daneben steht und ihn beobachtet

„Früher war ich übergewichtig, hatte gar keine Muskeln. Mittlerweile trainiere ich fast jeden Tag, die Brustpresse ist mein Lieblingsgerät. Ein bis zwei Mal im Monat gehen Johannes und ich zusammen ins Gym, dafür komme ich extra in den Norden von Berlin. Normalerweise trainiere ich in Haselhorst, im Westen Berlins, wo ich auch im Gym arbeite.“ 

Svjatoslav, 19 (links)

„Ich studiere mit Svjatoslav zusammen Maschinenbau. Vergangenes Jahr im Oktober habe ich ihn in der Uni gefragt, in welchem Gym ich mich anmelden könnte. Ich selbst hatte davon nicht viel Ahnung. Aber ich wollte nicht mehr lauchig sein, sondern endlich eine gute Physique bekommen. Ich empfinde schon, dass es ein sehr starkes ideal Körperbild für Männer gibt: definiert und muskulös, mit Sixpack! So wollte ich auch sein, cool for the summer.“ 

Johannes, 19 (rechts)

Mann mit langen Haaren und grauem Tanktop trainiert an einer Fitnessmaschine mit ausgestreckten Armen

„Ich bin mit 15 Jahren zum ersten Mal ins Gym, so richtig konsequent dann aber erst ab 17. Ich wollte abnehmen und fit werden, früher habe ich zwei Flaschen Cola am Tag getrunken. Mittlerweile bin ich sechs Tage die Woche hier, meistens morgens vor der Uni. Ich studiere International Business. Ich habe kein Social Media, aber wenn andere Männer ins Gym kommen, die breiter sind als ich, vergleiche ich mich schon und fühle mich danach schlecht. Mir hilft der Gedanke, dass ich jederzeit aufhören könnte, hierher zu kommen, wenn ich keine Lust mehr habe. Das nimmt mir ein bisschen Druck.“ 

Lukas, 19

Frau mit langen Haaren lehnt in Sportkleidung an einem Fitnessgerät mit Trinkflasche, Handtuch und Spenderflasche

„Wir sind beste Freundinnen, in der gleichen Klasse und gehen meistens zusammen trainieren. Das macht mehr Spaß, aber wir quatschen dann auch sehr viel. Wir haben uns kurz nach Neujahr zusammen angemeldet. Mein Vater ist Sportlehrer und beim ersten Mal mitgekommen, um uns alles einmal zu zeigen. Früher sind wir nach der Schule spazieren gegangen, heute gehen wir eben zusammen ins Gym. Manchmal werde ich beim Training von Männern angeguckt, das hindert mich aber nicht daran, meine Übungen zu machen. Das passiert leider auch im Alltag immer wieder. Deshalb blende ich das aus, und wenn’s richtig doll ist, starre ich als Provokation zurück.“ 

Nike, 15

Frau in Sportkleidung sitzt auf einem Fitnessgerät

„Wir waren mit die Ersten aus der Klasse, die hier waren. Einige haben gefragt: Warum geht ihr ins Gym? Wir waren nicht wirklich sportbegeistert, deshalb haben die anderen das von uns nicht erwartet. Normalerweise trainieren wir früh, denn abends ab 18 Uhr wird es voll, und man trifft zu viele Leute, die man kennt.“ 

Cleo, 15

Junger Mann beim Krafttraining mit Langhantel und Gewichtsscheiben im Fitnessstudio

„In der Schulzeit haben wir zusammen Fußball gespielt, jetzt gehen wir gemeinsam ins Gym. Ich habe schon früh mit dem Krafttraining angefangen als Ergänzung. Die Disziplin, zu trainieren und etwas für meinen Körper zu tun, ist für mich auch Ausdruck von Selbstliebe. Ich bin dadurch zufriedener mit mir. Dass man sich nicht nur besser fühlt, sondern auch besser aussieht, spornt natürlich zusätzlich an.“ 

Martin, 20 (hinten)

„Man lügt, wenn man nicht zugibt, dass man es macht, um attraktiver zu werden. In unserer Generation ist das einfach normal, es verbessert den Selbstwert. Wir gehen so mit Minderwertigkeitskomplexen um!“ 

Noah, 19 (vorne)

Mann mit Bart und zerzaustem Haar hält ein Trainingsseil an einem Fitnessgerät und blickt nach unten, im Hintergrund weitere trainierende Personen

„Wenn ich nach Hause komme und mich einsam fühle, dann gehe ich ins Gym. Da trifft man entweder jemanden, den man kennt, oder kommt mit Fremden ins Gespräch. Neulich habe ich mit einem, der 20 Jahre älter ist als ich, im Gym in Neukölln Fußball geschaut. Wir waren beide an den Kabelzügen und haben Butterflys gemacht, als ich meinte: Was guckst du? Und er: Spanien gegen Österreich, WM. Er hat das Handy dann so zwischen uns gestellt, dass ich mit reinschauen konnte. Danach sind wir sogar noch zusammen raus und haben eine geraucht. Social Media normalisiert schon, dass alle einen guten Körper haben. Stiernacken, Sixpack, Rücken. Wer sagt, er sei nur für sich da, der lügt. Aber die Gemeinschaft ist trotzdem schön!“ 

Hanik, 22

Junger Mann mit konzentriertem Blick trainiert an einem Fitnessgerät mit einer Hantelstange und Gewichtsscheiben

„Ich kenne keinen, der nicht im Gym angemeldet ist, auch wenn nicht alle hingehen. Seit zwei Monaten komme ich regelmäßig, es gehört einfach dazu. Ich finde viele hier ästhetisch, das motiviert mich. Ich denke immer: Das kannst du sein, wenn du dich aufraffst.“ 

Jey, 19

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„Früher bin ich geritten, das war mein Sport. Jetzt studiere ich Grundschullehramt im Master, und Reitstunden wären einfach zu teuer. Drei- bis viermal die Woche ins Gym zu gehen, ist günstiger, ich zahle 60 Euro im Monat. Außerdem bin ich dadurch zeitlich flexibel. Ich brauche diesen Ausgleich zur Bibliothek.“ 

Solvejg, 26

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