Warum seid ihr wirklich hier?
Warum gehen mittlerweile eigentlich so viele ins Gym? Das hat – Spoiler – mit Muskeln zutun, aber auch mit Freundschaft, Einsamkeit, Körperbildern und Leistungsdruck
„Ich bin mit 15 Jahren zum ersten Mal ins Gym, so richtig konsequent dann aber erst ab 17. Ich wollte abnehmen und fit werden, früher habe ich zwei Flaschen Cola am Tag getrunken. Mittlerweile bin ich sechs Tage die Woche hier, meistens morgens vor der Uni. Ich studiere International Business. Ich habe kein Social Media, aber wenn andere Männer ins Gym kommen, die breiter sind als ich, vergleiche ich mich schon und fühle mich danach schlecht. Mir hilft der Gedanke, dass ich jederzeit aufhören könnte, hierher zu kommen, wenn ich keine Lust mehr habe. Das nimmt mir ein bisschen Druck.“
Lukas, 19
„In der Schulzeit haben wir zusammen Fußball gespielt, jetzt gehen wir gemeinsam ins Gym. Ich habe schon früh mit dem Krafttraining angefangen als Ergänzung. Die Disziplin, zu trainieren und etwas für meinen Körper zu tun, ist für mich auch Ausdruck von Selbstliebe. Ich bin dadurch zufriedener mit mir. Dass man sich nicht nur besser fühlt, sondern auch besser aussieht, spornt natürlich zusätzlich an.“
Martin, 20 (hinten)
„Man lügt, wenn man nicht zugibt, dass man es macht, um attraktiver zu werden. In unserer Generation ist das einfach normal, es verbessert den Selbstwert. Wir gehen so mit Minderwertigkeitskomplexen um!“
Noah, 19 (vorne)
„Früher bin ich geritten, das war mein Sport. Jetzt studiere ich Grundschullehramt im Master, und Reitstunden wären einfach zu teuer. Drei- bis viermal die Woche ins Gym zu gehen, ist günstiger, ich zahle 60 Euro im Monat. Außerdem bin ich dadurch zeitlich flexibel. Ich brauche diesen Ausgleich zur Bibliothek.“
Solvejg, 26
Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.