Arbeiten, damit andere feiern können #2
Für die einen ist sie die Partycrasherin, für die anderen ein Mensch, der hilft. Antonia, 26, ist Polizeikommissarin
Eine Geburtstagsfeier, zu der wir gerufen wurden, weil es zu laut war, ist mir besonders im Kopf geblieben. Es war schon früh am Morgen. Die Gäste waren friedlich und bereit, zu gehen. Nur die Gastgeberin hatte dafür kein Verständnis und wurde sogar handgreiflich. Einige Gäste haben uns daraufhin ebenfalls angegriffen.
Ruhestörungen kommen häufig vor. Meistens sind es harmlose Partys von Leuten, die Geburtstag oder einfach das Wochenende feiern. Wenn viele Menschen zusammenkommen und viel trinken, halten sie oft weniger Abstand. Ich habe schon erlebt, dass mir jemand so nahekommt, dass er mir in den Nacken atmet. Da fühle ich mich unwohl und gehe auf Distanz. Ich muss immer auf jede Situation gefasst sein.
Bei Jugendlichen erlebe ich oft eine Art Gruppendruck: Einer wird zum Sprecher auserkoren, und wenn der „frech“ zur Polizei ist, ziehen die anderen mit, weil sie es „cool“ finden. Und wenn mehrere aggressiv werden, kann es für uns von der Polizei auch gefährlich werden. Es hilft, eine oder einen aus der Gruppe direkt anzusprechen. Dann schreie ich auch nicht gegen eine große Gruppe von Menschen an.
„Oft reichen kleine Dinge: bei der Musik den Bass rausnehmen, die Fenster schließen. Es gibt viele Möglichkeiten, weiterzufeiern, ohne andere zu stören“
Natürlich lösen wir Partys nicht sofort auf. Ich versuche erst mal, mit den Leuten zu reden. Viele wollen erklären, warum sie feiern, wie sie feiern. Wenn sie merken: „Aha, das sind nicht nur Beamte, die uns mit Vorschriften kommen, sondern die hören uns wirklich zu“, bekommen wir eher Respekt. Ich glaube auch, vielen Feiernden ist gar nicht bewusst, wann sie andere stören.
Ein Gespür für Gefahrensituationen zu entwickeln ohne überzureagieren – das braucht einfach Erfahrung. Wir sind auch nie allein unterwegs. Ich habe viel von Dienstälteren gelernt.
Oft reichen kleine Dinge: bei der Musik den Bass rausnehmen, die Fenster schließen. Es gibt viele Möglichkeiten, weiterzufeiern, ohne andere zu stören. Mit meinen 26 Jahren werde ich nicht immer sofort ernst genommen. Mein Alter kann aber auch ein Vorteil sein. Wenn ich sage „Ich kann mich gut in eure Lage hineinversetzen“, dann glauben mir die Leute das oft.
Ich wünsche mir, dass man die Polizei nicht als „Gegner“ sieht, der einem den Abend verderben will. Wir kommen nicht einfach so, sondern weil es zu laut ist, es eine Rauferei gab oder etwas kaputtgegangen ist.
Wenn ich privat feiere, habe ich inzwischen immer ein halbes Auge darauf, wie die Stimmung gerade ist. Ich bin nicht mehr einfach nur Gast. Das kann ich auch nicht einfach abschalten. Nur weil Feierabend ist, bin ich nicht plötzlich keine Polizistin mehr.
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Illustration: Alex Mages