links: Olympische Winterspiele 1964, Soldaten der österreichischen Bundeswehr bereiten die Sportanlagen vor, rechts: Olympische Winterspiele 2026, der Sportler Wladyslaw Heraskewytsch trägt einen Helm, auf dem Porträts abgebildet sind

Die andere Geschichte der Olympischen Winterspiele

Wegen des Motivs auf seinem Helm wurde der ukrainische Skeletonpilot Wladyslaw Heraskewytsch von den Olympischen Spielen 2026 ausgeschlossen. Nur eines von vielen brisanten Ereignissen in der Geschichte des Wettbewerbs

Von Alex Raack
Thema: Sport
19. Februar 2026

Es war der wohl größte Aufreger der Olympischen Winterspiele 2026. Der ukrainische Skeletonpilot Wladyslaw Heraskewytsch durfte nicht am Skeletonwettbewerb teilnehmen. Er hatte darauf bestanden, mit einem Helm anzutreten, der Porträts von 22 ukrainischen Sportlerinnen und Sportlern zeigt (siehe rechtes Foto oben). Sie alle waren durch russische Angriffe gestorben. Das Internationale Olympische Komitee wertete das als politisches Zeichen und sah darin einen Verstoß gegen seine Richtlinien – eine Entscheidung, die viel Kritik hervorrief.

Politik und Sport vermischen sich regelmäßig in der olympischen Geschichte, im Sommer, aber auch im Winter: Die Spiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen wurden von den nationalsozialistischen Gastgebern zur Propaganda missbraucht, ähnlich wie die Sommerspiele im selben Jahr in Berlin. Salt Lake City 2002 stand ganz im Zeichen der Terroranschläge vom 11. September 2001. 15.000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz. 

Die Spiele von Sotschi 2014 sollen 50 Milliarden Dollar gekostet haben – mehr als alle Spiele zuvor zusammen – und wurden überschattet von Berichten über viele Dutzend verstorbene und Tausende betrogene und ausgebeutete Arbeitsmigranten auf den Großbaustellen sowie einem staatlich geschützten Dopingsystem der russischen Gastgeber. Peking 2022 wurde von der „Süddeutschen Zeitung“ später als „Tiefpunkt der olympischen Geschichte“ bezeichnet. Die Gründe dafür waren zahlreich: Menschenrechtsverletzungen an Minderheiten wie den Uiguren, diplomatische Boykotte aufgrund der angespannten Lage bezüglich des Status von Taiwan, eine mögliche Absprache zwischen China und Russland für den unmittelbar nach dem Ende der Spiele erfolgten Angriff auf die Ukraine sowie in Zensurfragen.

Orangen und Chiantiflaschen fliegen aus Empörung 

Andere Episoden der Olympischen Winterspiele lesen sich eher kurios: 1956 schmissen empörte Zuschauer Orangen und Chiantiflaschen auf die Eisfläche in Cortina d’Ampezzo, weil die erst zwölfjährige Eiskunstläuferin Marika Kilius und ihr Partner Franz Ningel nur auf Platz vier gewertet worden waren. Der westdeutsche Eishockeyspieler Alois Schloder war 1972 in Sapporo der erste offizielle Winterspiele-Dopingsünder. Später stellte sich jedoch heraus, dass ein Blutdruckmittel die positive Probe verursacht hatte. Und 1984 wollte Schlagersänger Costa Cordalis als Langläufer für Griechenland teilnehmen und trommelte dafür sogar öffentlich bei „Wetten, dass..?“. Das Olympische Komitee Griechenlands machte den Spielverderber und nominierte Cordalis nicht.

Regelmäßig ist auch das Wetter ein Thema. Schon bei den zweiten Winterspielen 1928 in St. Moritz fand die Eröffnungsfeier in einem Schneesturm statt, später wurde es an einem Tag 25 Grad warm, sodass manche Disziplinen eingeschränkt oder gar nicht durchgeführt werden konnten. Die Spiele von 1964 in Innsbruck litten unter akutem Schneemangel, das österreichische Bundesheer musste 20.000 Eisblöcke und 40.000 Kubikmeter Schnee zu den Wettkampfstätten transportieren (siehe linkes Foto oben). 1998, im japanischen Nagano, erschütterte gar ein Erdbeben der Stärke 5,0 einen Lauf des Herrenslaloms. Verletzt wurde zum Glück niemand.

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