Darf’s noch ein Club mehr sein?
Multi-Club-Ownerships sind ein fieser Trend im Profifußball
Er besitzt die Mehrheitsanteile an zwölf Fußballclubs und ist Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate: Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan. „Seine Clubs“ spielen als City Football Group auf fünf Kontinenten, von Bahia über Melbourne bis Palermo. Dass eine Person oder Gesellschaft sich an mehreren Clubs gleichzeitig beteiligt, ist ein auffälliger Trend im Profifußball. Derzeit sollen mehr als 400 Clubs unter sogenannter Multi-Club-Ownership stehen.
Für diese Vereine hat das durchaus Vorteile: Eine Scoutingabteilung kann für mehrere Teams arbeiten, Daten werden geteilt, Spielerinnen und Spieler innerhalb des Netzwerks verliehen, entwickelt und gewinnbringend verkauft.
Gleichzeitig bedroht Multi-Club-Ownership den Wettbewerb: Treffen Manchester City und Girona, beide Teil der City Football Group, in der Champions League aufeinander, steigt die Gefahr für Spielabsprachen. Transferieren sie untereinander Spielerinnen und Spieler, könnten sie die Ablöse selbst festlegen und so die Bilanzen einzelner Clubs aufbessern.
Viele Fans halten deshalb wenig von solchen Konstrukten. Zumal einige Investoren ihre Vereine wie Aktien behandeln – und sie einfach wieder abstoßen, wenn die Rendite oder ihr Interesse abnimmt.
In Deutschland soll die 50+1-Regel verhindern, dass ein Investor wie Scheich Mansour einen Club kauft. Die Mehrheit der Stimmrechte muss beim Mutterverein bleiben. Schlupflöcher gibt es trotzdem: Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg gehören historisch Konzernen, die TSG Hoffenheim profitierte von einer Sonderregel für Langzeitförderer. Und RB Leipzig wird vorgeworfen, 50+1 auszuhebeln, weil viele stimmberechtigte Vereinsmitglieder dem Sponsor Red Bull nahestehen.
Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.