Zwei nackte Männer stehen eng beieinander unter einer Dusche, Szene aus der Serie "Heated Rivalry"

All the Things He Said

In „Heated Rivalry“ steht die Liebe zweier ungeouteter Eishockeyspieler im Mittelpunkt. Warum begeistern sich Menschen weltweit so für die Serie? Unser Autor hat sich ein paar Gedanken gemacht

Von Steven Meyer
Thema: Kultur
10. Februar 2026

„Das ist keine gute Idee“, stöhnt Shane, nachdem Ilya ihn in seinem Hotelzimmer gegen die Wand drückt. Die beiden Männer küssen sich, ziehen sich aus. Was folgt, ist eine fast zehnminütige Sexszene, nach der sich Millionen Zuschauer:innen auf der ganzen Welt einig sind: Das war eine sehr gute Idee. 

Im Mittelpunkt der kanadischen Serie „Heated Rivalry“ stehen der kanadische Eishockeyspieler Shane Hollander und der Russe Ilya Rozanov. Als Stars verfeindeter Teams sind sie Rivalen, beginnen jedoch eine Affäre, die sich über mehrere Jahre erstreckt. Aus Angst um ihre Karrieren im als eher homofeindlich geltenden Profisport halten sie ihre Sexualität und Beziehung geheim.

Seit dem Start im November auf dem kanadischen Sender Crave hat „Heated Rivalry“ ein überraschend großes Publikum erreicht und wurde bereits um mindestens eine weitere Staffel verlängert. Online wird die Serie gefeiert: Die fünfte Folge erhielt auf IMDb 9,9 von 10 Punkten.

„Heated Rivalry“ behandelt viele verschiedene Themen: Homofeindlichkeit im Profisport, Vorstellungen von Maskulinität und den Druck, in der Öffentlichkeit zu stehen. Dazwischen gibt es in fast jeder Folge intensive Sexszenen zwischen den beiden Hauptdarstellern. Gerade in den ersten Episoden wirkt die Serie dabei stellenweise fast wie ein Softporno – weniger wegen der expliziten Bilder als wegen der langen, ästhetisch inszenierten Intimität.

Eishockeyspieler in blauem Trikot mit weiß-rotem Logo liegt auf dem Eis, neben ihm ein blauer Helm, Szene aus der Serie "Heated Rivalry"

Flachgelegt: Hudson Williams spielt Shane

Trotz ihres vergleichsweise geringen Budgets gelingt es der Serie, eine intensive Atmosphäre zu schaffen. Reduzierte Schauplätze – Hotelzimmer, Umkleide, Dusche, Eisfläche – rücken die Figuren in den Vordergrund und lassen jede Bewegung, jeden Blick zwischen Shane und Ilya spürbar werden.

Connor Storrie, der Ilya verkörpert, und Hudson Williams als Shane waren vor „Heated Rivalry“ keine großen Stars. Das Zusammenspiel der beiden Schauspieler überzeugt und trägt die Serie: Sie spielen zurückhaltend und lassen vieles wie nebenbei entstehen. In der zweiten Hälfte der Staffel entsteht dann aus Sex Liebe und Vertrautheit, wodurch die Serie spürbar an emotionaler Tiefe gewinnt. Nicht jede Charakterentwicklung von Shane und Ilya ist dabei nachvollziehbar, die Zuschauer:innen erfahren relativ wenig über sie.

Vor allem Frauen lieben das

Besonders gut scheint „Heated Rivalry“ bei weiblichen Fans anzukommen. Das ist kein neues Phänomen: Schon seit Jahren wird immer wieder berichtet, dass Frauen gerne Schwulenpornos oder -romane konsumieren. Bei der „Game Changer“-Buchserie, auf der die Serie basiert und die von einer Frau geschrieben wurde, war es auch so. Serienschöpfer Jacob Tierney erklärt das Phänomen in einem „Variety“-Interview folgendermaßen: „Ich denke, dass Frauen auch im wirklichen Leben und in der Kultur ständig sexueller Gewalt ausgesetzt sind. Männer zu sehen, die sich verletzlich zeigen, kann erfrischend sein.“

Auch wenn ich als schwuler Mann wohl nicht zur Hauptzielgruppe gehöre, fühlt sich die Serie wie die späte Erfüllung einer Jugendfantasie an. Aufgewachsen bin ich mit klischeehaften Darstellungen schwuler Männer in Filmen wie „Der Schuh des Manitu“ oder „(T)Raumschiff Surprise“. „Heated Rivalry“ dagegen verzichtet konsequent auf Stereotype und erzählt schwule Liebe ohne die altbekannte tragische Coming-out-Erzählung. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Filmen oder Serien haben die Protagonisten keinen inneren Konflikt aufgrund ihrer Sexualität. Das homofeindliche Klima im Profisport und in Ilyas Heimat Russland wird in der Serie nicht über offen feindselige Trainer oder Teamkollegen verhandelt, sondern bleibt meist indirekt präsent. Es ist ein System im Hintergrund, das nie ganz verschwindet und sich in Umkleidegesprächen ebenso zeigt wie in unausgesprochenen Sorgen der Protagonisten oder in der Tatsache, dass ein Coming-out unmöglich scheint.

Zwei Männer stehen in einem Raum, zwei weitere Personen sind im Vordergrund mit dem Rücken zur Kamera zu sehen, Szene aus der Serie "Heated Rivalry"

Verbotene Liebe: Im homofeindlichen Umfeld des Profisports müssen Ilya und Shane ihre Beziehung geheim halten

Sex und Leidenschaft stehen zwar im Zentrum der Serie, werden jedoch nie auf bloße Klischees reduziert, sondern als selbstverständlicher Teil der Beziehungen der Figuren gezeigt. Die Protagonisten handeln jeden Schritt aus und kommunizieren beim Sex. Gerade diese Darstellung queerer Intimität wirkt auf mich befreiend. Ich kann mich nicht erinnern, so etwas schon einmal in einer Fernsehserie gesehen zu haben.

Die perfekte Inszenierung schafft allerdings auch eine gewisse Distanz. Immer wieder wurde kritisiert, dass alle Darsteller über perfekt trainierte Körper verfügen und damit nur begrenzt repräsentativ für die schwule Community seien. Die Sexszenen empfanden viele als zu makellos und wenig realistisch. Serienschöpfer Jacob Tierney griff diese Kritik auf und argumentierte, die Serie sei eben keine Dokumentation. Er habe sich bewusst dafür entschieden, bestimmte Aspekte wie das Benutzen von Gleitgel oder Douching vor dem Analsex auszublenden.

Diese Entscheidung ist nachvollziehbar, macht aber zugleich deutlich, dass „Heated Rivalry“ weniger an einer realistischen Darstellung interessiert ist und mehr an Fantasie und Eskapismus. So kann die Liebe der beiden Männer als perfekte Projektion für die Sehnsüchte vieler Zuschauer:innen genutzt werden. Genau darin liegt letztlich die Stärke der Serie und zugleich ihre Grenze.

Die sechs Folgen „Heated Rivalry“ laufen ab dem 6. Februar – jede Woche eine neue Folge – auf HBO Max in Deutschland. Eine zweite Staffel wird für 2027 erwartet.

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Fotos: Sabrina Lantos/HBO Max