„Manchmal macht mir Sorgen, dass weniger konsumiert wird“
Wer macht Fußball möglich? Teil 1: Der Kneipenwirt Andreas Sürken zahlt eine Menge Geld, um Fußball überhaupt zeigen zu dürfen
Unseren Fußballverein, den FC Magnet, haben wir in einem Nachtclub gegründet. Vier aus dem Team hatten die Idee, eine Bar aufzumachen. Ich war Bauingenieur, wir hatten alle andere Jobs, keinen Plan, total naiv. Dann sind wir auf den leer stehenden Laden hier gestoßen. Als erste Maßnahme haben wir eine Diskokugel und einen Fußball an die Decke gehängt.
Wir waren eine der ersten Bars in Berlin, die Public Viewing angeboten haben. Lange bevor das mit der WM 2006 in Deutschland ein Ding wurde. Damals stand hier nur ein alter Röhrenfernseher. Heute haben wir neun Flatscreens und drei Beamer. Damals wurden viel weniger Spiele übertragen, da mussten wir uns kaum entscheiden. Heute muss ich richtig Regie führen und planen, was auf welchem Screen läuft. Samstagnachmittags zeigen wir sechs Spiele gleichzeitig. Dafür brauchen wir vier Streamingdienste, die rund 1.200 Euro im Monat kosten.
Wenn die Kneipe voll ist, sind hier 350 Leute. Die brauchen wir auch. Finanziell funktioniert’s nur, wenn es jeden Abend richtig gut läuft. Da ist schon Druck dahinter, die Miete steigt, die Löhne, Energiekosten und Streamingpreise tun’s auch.
„Wir haben mittlerweile vier Sorten alkoholfreies Bier. Das liegt vor allem an der jungen Generation“
Die junge Generation konsumiert anders als die Alten. Weniger Longdrinks, mehr alkoholfreies Bier. Davon haben wir mittlerweile vier Sorten, das hätte ich nie gedacht. Manchmal macht mir Sorgen, dass weniger konsumiert wird. Manchen Gästen, vor allem den jungen, muss man erst erklären, wie das hier läuft. Wer den halben Samstag Spiele guckt, muss auch was bestellen. Sonst geht die Rechnung nicht auf.
Die Fans trinken, je mehr passiert und je mehr Tore fallen. Die Liverpool-Fans trinken bei jedem Tor einen Shot. Die Gladbach-Fans gucken am liebsten unten im Keller. Wenn ich die oben jubeln höre, schicke ich gleich jemanden aus dem Barteam runter, weil ich weiß: Die bestellen jetzt nach.
Weil wir so viele Spiele zeigen und uns nicht auf einen Verein konzentrieren, ist hier für alle Platz. Unsere Gäste müssen auch mal zusammenrücken, wenn sich Fans ein weiteres Spiel wünschen. Glücklicherweise läuft das meist respektvoll ab, auch wenn ein Tor gegen die eigene Mannschaft fällt. Wir haben aber auch nicht die Hardcorefans hier, die sich maßlos betrinken.
Mich treibt an, Leute zu verbinden. Wenn Menschen verschiedener Generationen ins Gespräch kommen oder die, von denen man nie gedacht hätte, dass sie sich überhaupt was zu sagen haben. Viele, die sich in der Magnet Bar kennengelernt haben, sind jetzt befreundet, zusammen oder Kolleginnen. Wir haben viele tolle Stammgäste. Ich merke, wie wichtig ihnen der Laden ist. Für viele sind wir ein Familienersatz.
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Illustration: Julia Trachsel