Eine Fahrschule nur für Frauen

Was ist anders, wenn Frauen andere Frauen im Autofahren unterrichten? Und warum braucht es das? Für unser Video haben wir bei einer Frauenfahrschule in Osnabrück nachgefragt

Film: Hahn+Hartung
30. Juni 2026

In unserer Reihe „Und bei euch so?“ reisen wir durch Deutschland und besuchen kleine Initiativen, Vereine und Projekte, die unsere Demokratie stärken. Mehr Folgen gibt es hier

Transkript

Aufnahmen aus Osnabrück werden eingeblendet. Im Fahrschulauto sitzt eine Frau namens Thu (33) am Steuer eines Fahrschulautos. Neben ihr sitzt ihre Fahrlehrerin Durentina (29) Sie sagt: „Ist ein bisschen schwer, ne? Ja, ich weiß.“ Die Fahrschülerin fährt weiter. 

Durentina fragt: „Aber jetzt ist hier wie schnell?“ Die Fahrschülerin Thu antwortet: „Hier kann man 50.“ Die Fahrlehrerin Durentina sagt: „Ja, na klar, dann gibst du Gas.“ 

Dann wird der Titel des Videos eingeblendet: „Und bei euch so, Osnabrück?“ Anschließend werden weitere Aufnahmen aus Osnabrück gezeigt, bevor die Fahrlehrerin Durentina in der Fahrschule zu sehen ist. Sie schreibt etwas auf ein Whiteboard.

Sie sagt: „Vielleicht liegt es daran, weil ich ja schon immer so mit Kindern bisschen zu tun hatte, weil ich bin schon Tante von vier Neffen und wenn ich dann irgendwie eine Fahrschülerin abhole und es ist 16 Uhr, ich weiß, da geht gar nichts mehr, überlege ich so: Okay, was kann ich für entspannte Strecke nehmen? Wo fahre ich jetzt mit ihr hin? Wie ist jetzt ihr Stresslevel? Auf welcher Höhe ist das? Wie lange kann ich sie noch so ein bisschen, dass sie sich hoch konzentriert?“

Eine Fahrschülerin namens Thu (33) steigt in ein Auto ein. Zurück im Fahrschulauto: Die Fahrschülerin setzt sich ans Steuer und fährt dann los. Währenddessen sagt die Fahrschullehrerin aus dem Off: „Also, eine Frauenfahrschule ist sehr gut, gerade weil das jetzt ein Safe Point für die Frauen ist. Wo sie sich frei fühlen können, sich auch mal Fehler zu erlauben.“ Währenddessen sind erneut Aufnahmen aus dem Auto zu sehen.

Durentina sagt: „Was die Fahrschüler leider ganz viel erzählen, gerade beim Fahrschulwechsel, ist, dass der Fahrlehrer dann halt laut wird, ungeduldig ist oder dass sie … Leider hatte ich zwei Fahrschülerinnen, bei denen die Fahrlehrer handgreiflich geworden sind.“

Zurück im Fahrschulauto: Sie gibt der Fahrschülerin Hinweise: „Die Schulterblicke, ja, ein paar Mal hatten wir, dass sie nicht so deutlich waren, also ruhig mehr dein Kopf drehen. Okay, richtig diesen toten Winkel absichern, okay? Dann die Geschwindigkeit …“

Thu ist im Interview zu sehen. Sie lehnt gegen das Auto und sagt: „Ja, mein Fahrlehrer war irgendwie aggressiv. Er hat mich im Auto angeschrien, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Es gab einmal, dass ich im Auto geweint habe. Er hat geschrien. Ich fühle mich, als ob ich zu schlecht war. Ich konnte gar nicht fahren.“ 

Die Fahrstunde wird erneut gezeigt. Die Fahrlehrerin greift kurz ans Lenkrad und sagt: „Richtig, Blinker bitte einmal. Ganz entspannt, ist nichts passiert.“

Eine andere Fahrschülerin namens Eleanor (26) sagt im Interview: „Ein schlechter Fahrlehrer ist einer, der mega schnell ausrastet und die Sachen nicht so vernünftig erklärt oder zu viele Fachwörter benutzt, weil manche Fahrschüler verstehen die Begriffe nicht und daher macht man vielleicht die Fehler öfter.“ 

Es wird die Fahrstunde mit Eleanor gezeigt. Die Fahrlehrerin gibt ihr eine Hilfestellung und sagt: „So machst du das. Verstehst du den Trick? Kupplung aber drücken, wieder lösen, lösen, lösen und weiter geht’s.“

Zurück ins Interview mit Eleanor: „Autofahren bedeutet für mich, dass ich flexibler bin mit meiner Zeit. Dann bin ich nicht an öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und Autofahren in Osnabrück ist schon sehr praktisch.“ 

Es werden weitere Fahrszenen mit Thu gezeigt. Durentina sagt aus dem Off: „Ganz viele, gerade, weil die sehen: Okay, neben mir ist jetzt auch eine Frau, dann kann ich so ein bisschen mich loslassen, dann sind die meistens sehr, sehr, sehr aufgeregt – gerade in der ersten Fahrstunde.“

Sie sagt weiter: „Also, ich hatte bis jetzt auch schon tatsächlich sechs Fahrschüler, wo die wirklich geweint haben, weil die so Angst hatten, irgendwie was Falsches zu machen. Aber man vermittelt sofort das Gefühl so: Ey, ich bin doch neben dir. Ich wurde extra so ausgebildet, dass ich jederzeit eingreifen kann und dann lasse ich sie erstmal so eine Runde im Kreis drehen, also auf der großen Parkfläche und dann direkt auf die Straße.“

Zurück im Fahrschulauto mit einer dritten Schülerin namens Farahnoz (29). Während der Fahrt gibt die Fahrlehrerin weitere Anweisungen: „Nach rechts hier rein. Weiter, weiter, weiter, bis du was sehen kannst. Was sagst du?“ Die Fahrschülerin antwortet: „Ja, ist frei.“ Die Fahrlehrerin sagt: „Dann Schulterblick nach links. Top.“ 

Anschließend ist Farahnoz im Interview zu sehen. Sie sagt: „Ich habe eine Freundin, die streng religiös ist und sich nicht für den Führerschein entscheiden konnte, weil sie nicht mit einem Mann Fahrstunden machen wollte.“ 

Es werden erneut Aufnahmen aus dem Fahrschulauto gezeigt. Die Fahrlehrerin sagt: „Tatsächlich kam es zweimal vor, dass eine Fahrschülerin mich gefragt hat, ob der Mann auch mit hinten sitzen darf. Und das habe ich sofort abgelehnt, weil ich gesagt habe, allein schon, dass ich da bin, musst du ja wertschätzen. Und da hat man schon gemerkt, dass sie sehr erleichtert war darüber. Und er dann so: ‚Ja, okay.‘ Also man hat eine Grenze gesetzt.“

Durentina ist im Interview zu sehen. Sie sagt: „Kritik hatten wir von Anfang an von ganz vielen, auch von der männlichen Seite, weil die haben sich schon wieder so ein bisschen ausgeschlossen gefühlt. ‚Wieso gibt’s eine extra Fahrschule nur für Frauen? Sind wir nicht mehr gut genug?‘ Aber darum ging’s gar nicht. Also die Idee ist ja auch durch einen Fahrlehrer entstanden, das heißt durch meinen Chef, der ist ein Mann und wollte einen Safe Point für Frauen anbieten. Deswegen haben wir das ja aufgemacht.“ 

Sie sagt weiter: „Er hat zu dem Zeitpunkt leider keine Fahrlehrerin gehabt, mein Chef, bis ich dann kam und dann als ich da war, dachte er so: ‚Weißt du was? Jetzt wo du da bist, können wir vielleicht dieses Projekt mal starten. ‘ Und seitdem haben wir das gemacht.“

Eine Fahrschülerin parkt ein. Thu sagt: „Sie versteht, dass manchmal Frauen … wir haben auch anderen Druck, bei der Arbeit, vielleicht von Kindern oder so oder von unserer Family.“ 

Farahnoz ergänzt: „Vielleicht der Unterschied macht, dass Frauen so untereinander besser kommunizieren können.“ 

Anschließend ist Eleanor im Interview zu sehen. Sie sagt: „Weil dann fühlt man sich ein bisschen selbstbewusster und in der Kommunikation auch ein bisschen bequemer. Weiß nicht, wie Kumpels halt.“

Dieses Video wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.