Arbeiten, damit andere feiern können #1
Drei Tage Dauerparty – und wer räumt auf? Dávid*, 23, zum Beispiel. Der ungarische Student arbeitete einen Sommer lang auf deutschen Festivals
*Name geändert
Vor mir lag ein freier Sommer zwischen zwei Semestern, und ich brauchte Geld. Normalerweise arbeite ich als Kellner oder auf dem Bau, um mein Studium zu finanzieren. Doch dann erzählte mir ein Kommilitone von einer Vermittlungsagentur für Festivaljobs in Deutschland. Das Angebot klang unschlagbar: ein Sommer auf großen Musikfestivals und ein Stundenlohn, von dem ich als ungarischer Student nur träumen kann.
Doch schon bald merkte ich, worauf ich mich da eingelassen hatte. Die Agentur schickte eine spärliche Packliste: Zelt, Schlafsack, Stiefel. Vor Ort knallte tagsüber die Sonne auf die Zelte, nachts wurde es eiskalt. Nach wenigen Tagen waren viele krank. Wie wenig unsere Gesundheit zählte, zeigte sich schon vor der Anreise: Die medizinische Pflichtuntersuchung war ein Witz. Ein Arzt fragte: „Bist du gesund?“ und drückte ohne jeden Check einen Stempel aufs Papier – fertig.
Mit diesem Stempel in der Tasche stieg ich zusammen mit Dutzenden anderen jungen Leuten aus Osteuropa in den Reisebus. Für die Fahrt wurden mir fast 80 Euro vom Lohn abgezogen.
Wer sich mit den Schichtleitern gutstellte, ergatterte einen Job in der Putzkolonne – dort gab es die meisten Arbeitsstunden und damit das meiste Geld. Das hieß aber auch: 12-Stunden-Schichten, pausenlos Container schrubben, Klopapier nachfüllen, Urin und Scheiße wegwischen. Wer keine Connections hatte, landete in der Müllkolonne. Ich habe beides gemacht – und beides war schlimm.
„Ich fischte bei sengender Hitze stundenlang Kippen aus dem Gras“
Zum Reinigen der Klos und Duschen drückte man mir Gummihandschuhe in die Hand, die ständig rissen. Bei der Müllbeseitigung trug ich nur einfache Stoffhandschuhe. Dosenreste und andere Flüssigkeiten saugten sich durch den Stoff bis auf die Haut. Ich fischte bei sengender Hitze stundenlang Kippen aus dem Gras. Weil Müllwagen teilweise nicht auf das Gelände fahren konnten, habe ich den Müll aus meterhohen Tonnen mit bloßen Händen in Müllsäcke umgepackt. Darin lagen nicht selten gebrauchte Drogennadeln.
Nach zwölf Stunden harter Arbeit gab es oft kein warmes Wasser mehr in den Crewduschen. Wenn ein Festival vorbei war, wurden die Dusch- und WC-Container sofort abgeholt. Für mehr als 50 Arbeiterinnen und Arbeiter blieben dann zwei Dixi-Klos. Einmal befand sich unser Zeltlager direkt gegenüber der Hauptbühne. Die Bässe wummerten so heftig, dass die Zelte bebten. Irgendwann dröhnte mir der Schädel. An Schlafen war kaum zu denken. Und beim Essen gab es teilweise nicht genug für alle. Mit den Festivalbesucherinnen und -besuchern habe ich immerhin keine nennenswert schlechten Erfahrungen gemacht.
Nach fünf Festivals blieben zwar rund 2.000 Euro hängen – aber nur, weil ich extrem viele (Nacht-)Schichten geschoben hatte. Das Geld kam sehr spät. Doch das ist nicht das, was mich so wütend macht. Es ist die Art, wie man dort behandelt wurde.
Ich würde diesen Job nie wieder machen.
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Illustration: Alex Mages