Durchgemacht: Nachtschicht in einer Bäckerei

Unsere neue Videoserie begleitet Menschen, die unser Land nachts am Laufen halten. Den Auftakt macht Wan, die wir eine Nacht lang in einer Bäckerei in Berlin-Neukölln besucht haben

Film: Steven Meyer und Victor Pfannmöller
Thema: Arbeit
23. Juli 2026
Transkript

Wan arbeitet mit ihren Kollegen in einer Bäckerei. Sie bearbeitet Teig, bedient eine Machine und sagt: „Nachts arbeiten, ist ziemlich anstrengend für mich. Meine Aufgaben halten mich aber wach. Wenn ich mich beschäftige, habe ich gar keine Zeit, mich müde zu fühlen. Das ist wahrscheinlich der Trick.” Wan steht vor der Bäckerei während das Bild zwischen Tag und Nacht wechselt und der Titel „Durchgemacht” eingeblendet wird.

Wan zieht sich in der Umkleide um und erzählt: „Ich wollte Bäckerin werden, weil ich nach Europa ziehen wollte. Und ich dachte mir: Hier gibt es ja tausende Bäckereien. Deshalb habe ich angefangen, als Bäckerin statt als Grafikdesignerin zu arbeiten.” Wan betritt die Backstube und stellt sich in die Kamera vor: „Hi, mein Name ist Wan und ich fange jetzt mit meiner Nachtschicht an.”

Wan formt Teig und legt diese in eine Form: „Ich liebe es, dass der Teig quasi am Leben ist. Du musst dich hier jeden Tag einer neuen Herausforderung stellen. Und das macht voll Spaß.” Wechsel ins Interview, sie sitzt in der Küche und erzählt: „Es war eigentlich voll leicht, einen Ausbildungsplatz hier zu finden. Ich weiß nicht, vielleicht liegt es daran, dass es im Handwerk an Arbeitskräften fehlt.”

Schnittbilder von Wans Kollegen bei der Arbeit: „Wir sind ja die Generation, die nicht mehr so verbunden mit unserem Körper ist. Deshalb ist physische Arbeit für viele ungewöhnlich.” Sie ergänzt: „Als Bäckerin fühle ich mich mit der Kultur und den Menschen hier stärker verbunden. Genauso wie mit meinem Körper und meiner Beziehung zu Essen. Ich glaube, es war die richtige Entscheidung, Bäckerin zu werden.”

Wan geht durch die Backstube und arbeitet weiter: „Es war aber gar nicht so leicht, als Migrantin in Deutschland zu arbeiten. Vor allem wegen der Sprachbarriere. Aber alle Menschen, die ich kennengelernt habe , ob deutsch oder nicht, waren sehr freundlich und haben mich unterstützt. Es war also nicht extrem schwer für mich, aber trotzdem herausfordernd.”

Bilder von draußen: Es ist dunkel, zwei Kollegen sitzen vor der Bäckerei und rauchen. Wan räumt in der Backstube auf und erzählt: „Manchmal ist die Arbeit körperlich schwer für mich. Ich bin nämlich nicht so groß. Deshalb muss ich manchmal eine Leiter holen, um einen Schalter zu benutzen. Ich muss mich der Arbeitsfläche immer anpassen. Und das tut manchmal weh.”

Schnitt zu Wan im Interview: „Die meisten Dinge auf dieser Welt sind ja von Männern konzipiert. Ihr Körper wird als Standard betrachtet. Und alle anderen müssen sich diesem anpassen. Das ist einfach so selbstverständlich, dass wir darüber gar nicht mehr nachdenken.”

Wan verabschiedet sich von ihren Kollegen und verlässt den Arbeitsplatz. Draußen geht sie zu ihrem Fahrrad und fährt weg: „Wenn ich mit meiner Schicht fertig bin, auf meinem Heimweg, ist alles dunkel und alle schlafen. Wenn ich also alles gemacht habe auf meiner Acht-Stunden-Schicht … ‚Gute Nacht!‘ … fühle ich mich entspannt auf dem Heimweg.”

Wieder zurück in der Bäckerei. Die Brote sind fertig und werden verpackt: „Ich glaube, Foodwasting ist ein großes Problem in Deutschland oder in ganz Europa. Die Leute wissen nämlich gar nicht, wie viel Arbeit so ein Stück Brot kostet.” Wan schaut in die Kamera und sagt: „Verschwendet also bitte nichts! Esst einfach nur, was ihr wirklich braucht.”

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