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Wilder Trend

Die Zahl der Jäger und Jägerinnen in Deutschland steigt. Warum ist das so? Wir waren mit Kamera auf der Pirsch

  • 6 Min.
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384.000 Jäger sind laut Deutschem Jagdverband in den hiesigen Wäldern unterwegs, knapp 20 Prozent mehr als noch vor 30 Jahren. Theodor Heuss hätte diese Entwicklung wohl nicht gefallen. Die Jagd, sagte er mal, sei eine „Nebenform menschlicher Geisteskrankheit“. Heuss musste als erster deutscher Bundespräsidenten mit anderen Staatsoberhäuptern und Diplomaten auf Jagd gehen und konnte dieser Beschäftigung – zumal als Vegetarier – wenig abgewinnen. Ob man Tiere töten und essen darf, ist eine moralische Frage, die Vegetarier und Fleischesser naturgemäß unterschiedlich beantworten. Seit jeher provoziert die Jagd Kritik von Tierschützern und Jagdgegnern.

Jagen ist in Deutschland erlaubt und wird sogar im Grundgesetz erwähnt. Das Bundesjagdgesetz gibt den Rahmen vor, zum Beispiel, welche Pflichten Jäger haben und welche Tierarten geschossen werden dürfen. Die Jagdgesetze der Bundesländer füllen diesen Rahmen mit Details: Jagdbehörden müssen genehmigen, wie viele Tiere von welcher Art in einem Jahr innerhalb eines Gebietes abgeschossen werden dürfen. Viele Tierarten, wie Rehe, Wildschweine oder Waschbären, würden sich ohne die Jagd zu stark vermehren, weil sie in Deutschland keine oder kaum natürliche Feinde haben. Deshalb sollen Jäger den Wildbestand regulieren – nicht zuletzt, um die Natur zu schützen. Wild lebende Tiere können Felder oder junge Bäume zerstören, die im Wald nachwachsen.

Das Wild soll von Jägern aber nicht nur geschossen werden. Das Jagdrecht verpflichtet sie zur sogenannten Hege: Die Jäger sollen für „artenreichen und gesunden Wildbestand“ sorgen und die Lebensgrundlage der Tiere sichern. Im Winter kann das auch bedeuten, sie zu füttern. Was Jagdgegner wiederum kritisieren, weil durch die Hege der Bestand künstlich hoch gehalten werde. Sie fordern, dass Tieretöten kein Hobby sein, sondern nur von Berufsjägern ausgeübt werden darf, die das Handwerk gut und treffsicher beherrschen.

Wirbeltiere dürfen nur aus einem „vernünftigen Grund“ getötet werden

Derzeit darf Jagen, wer einen Jagdschein besitzt. Für den „vollen“ Jagdschein muss man volljährig sein, eine ausreichende Haftpflichtversicherung vorweisen und vor allem die Jägerprüfung bestanden haben, die in den Bundesländern unterschiedlich geregelt ist und meist einen Lehrgang erfordert. Außerdem muss man nach dem Waffengesetz als „zuverlässig“ gelten, darf also beispielsweise nicht wegen eines Verbrechens verurteilt worden sein.

Selbst wenn man den Jagdschein hat, darf man nicht einfach losziehen, um besonders schöne, große oder seltene Tiere zu erlegen. An der „Trophäenjagd“ wird heftige Kritik geübt, gesetzlich ist diese Art der Jagd nicht abgedeckt. Laut Tierschutzgesetz dürfen Wirbeltiere nur aus einem „vernünftigen Grund“ getötet werden. Die pure Lust am Schießen oder an besonderen Trophäen darf es nicht sein, die Lust auf den Verzehr von selbst erlegtem Fleisch hingegen schon. Das ist einer der Gründe, weshalb die 22-jährige Lilli Schulte jagen geht. Im Sommer hat sie das „Grüne Abitur“, die staatliche Jagdprüfung, abgelegt und kann nun selbst auf die Jagd gehen. Wir waren bei einer ihrer ersten dabei.

Text: Niklas Prenzel

Wir danken der Jagdschule Jagwina und der Bar „Herr Lindemann“ für die Dreherlaubnis und Zusammenarbeit.

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

4 Kommentare
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Phrasenmäher
  ·  
13.01.2020-01:01

Wer legt den "vernünftigen Grund" fest? Ziemlich dehnbar diese Formulierung. Wer folgendes, ohne vorherige Erklärung, bei einer Tierärztin mit seinem Tier erlebt, fragt sich, wo war/ist der "vernünftige Grund", ein Lebewesen so abzumetzeln? Das scheint jedoch nicht selten zu sein:
http://t61-laboranalyse.de/tag/katze-warm-nach-einschlaefern/
Wo ist da der sog. Tierschutz? Mit Spenden generieren beschäftigt?
Liest man die Bibel im jüd.-christlichen Abendland der abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum, Islam, wird einem "warm" ums Herz ob der Gewalt, s. Abraham und Isaak, Widder im brennenden Dornbusch, Kain erschlug seinen Bruder Abel, also gleich 1/4 der Menschheit und bekam das Kainsmal, Herrodes usw..
Die perverse Massentierhaltung, das Rumkarren der Tiere in ungeeigneten LKWs quer durch Europa - bis sie am oder im Schlachthaus übelst zu- und hingerichtet werden. Mahlzeit.
Jagen, abknallen, schächten, schlachten, abmetzeln, quälen, morden - das riecht nicht nach Leben, sondern eher nach Todeskult. Wem unterstehen eigentlich die Schützenbruderschaften? Dem Vatikan?

"Die Heiden vergötterten das Leben, die Christen huldigen dem Tod." - Anna Louise Germaine de Stael

"Gott schuf nicht den Menschen nach seinem Bild, die Menschen schufen sich Gott nach ihrem Bild." - Ludwig Feuerbach

"Grausamkeit gegen Tiere besteht nicht bei wahrer Bildung und wahrer Gelehrsamkeit. Sie ist eines der kennzeichnendsten Merkmale eines niedern und unedlen Volkes." - Alexander v. Humboldt

"Also, wer erwartet daß in der Welt die Teufel mit Hörnern und die Narren mit Schellen einhergehn, wird stets ihre Beute." - Arthur Schopenhauer

"Die Menschen sind die Teufel der Erde und die Tiere ihre geplagten Seelen. Der Mensch hat aus der Erde eine Hölle für die Tiere gemacht“. - Arthur Schopenhauer

"Die Menschen müssen begreifen, daß sie das größte Ungeziefer sind, das je die Erde bevölkert hat." - Friedensreich Hundertwasser

alessandro
  ·  
16.03.2020-03:03

Netter Verweis auf die Verschwörungstheorien.

Hat halt alles nichts mit dem Thema zu tun aber fällt wohl unter freie Meinung und Religionskritik (oder Fanatismus).

Typischer "What ever" Kommentar …

Hans-Ulrich Gru...
  ·  
13.02.2020-04:02

Erfreulich, dass diese männerdomäne nun auch von Frauen erobert wird. Weidmannsheil

Jasmin M
  ·  
02.07.2020-11:07

Da propagieren Vegetarier und Veganer so oft das "Wenn du Fleisch essen willst, dann solltest du einem Tier dabei in die Augen sehen. Aber ihr seid ja nur bequem und esst das Fleisch aus der Theke. Bloß verleugnen dass es mal gelebt hat und für dich sterben musste."

Und dann gehen da Menschen auf die Jagd. Sehen das Tier lebendig, atmend, mit seinen Artgenossen. Schießen es, weiden es aus, zerlegen es und.. essen es.
Und das ist auch wieder nicht richtig.

Dabei ist das Fleisch von wilden Tieren sicher noch das artgerechteste. Diese Tiere haben ihr Leben so gelebt wie sie wollten und ihre Natur es vorgegeben hat. Und irgendwann kommt aus heiterem Himmel der Schuss und im besten Fall war es das.

Ja, vielleicht klappt das nicht immer so reibungslos. Aber auch das normale Ende ist für ein wildes Tier selten zack und vorbei. Auch da gibt es die Fressfeinde die es erst jagen und es Panik empfindet, die Feinde, die noch unerfahren sind und nicht gleich die beste Stelle für den schnellsten Tod finden. Geschweige denn die Krankheiten die sie dahinraffen - so wie uns Menschen auch.
Die Natur ist grausam und erbarmungslos - da ist der gezielte Schuss aus dem freien Leben aber sicher noch am besten.
So mancher Mensch würde sich das für sein Ende auch wünschen, wenn die Wahrscheinlichkeit des friedlichen Einschlafens und einfach nicht wieder Aufwachsens so gering ist.

Nichtsdestotrotz - Hut ab vor denen die auf ihr Fleisch verzichten können. Aber wenn jemand Kritik verdient, dann die Massenfleischindustrie. Nicht der Jäger.