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Was bringt ein Wegwerfverbot für Lebensmittel?

In Frankreich müssen Supermärkte übrig gebliebene Lebensmittel an gemeinnützige Organisationen spenden. Funktioniert das? Ein fluter.de-Film

  • 5 Min.
Lastwagen kippt Lebensmittel auf den Boden

Wer in Deutschland Lebensmittel aus den Müllcontainern von Supermärkten nimmt, macht sich gleich doppelt strafbar: des Hausfriedensbruchs, wenn das Grundstück abgesperrt ist, sowie des Diebstahls. Dass viele weggeworfene Waren trotz verstrichenem Mindesthaltbarkeitsdatum noch genießbar sind und die Märkte diese offensichtlich nicht mehr haben wollen, macht dabei keinen Unterschied. Viele finden das absurd, vor allem angesichts der großen Lebensmittelverschwendung. Kritiker fordern, das sogenannte „Containern“ zu legalisieren – bisher aber ohne Erfolg.

In Deutschland werden Menschen verklagt, wenn sie aus Containern Essen nehmen …

Immer wieder wird von Gegnern des Containerns das Argument vorgebracht, dass legales Containern die Bereitschaft schmälern könnte, die Waren im Supermarkt zu kaufen. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels moniert: „Der Vorstoß erweckt den falschen Eindruck, im Lebensmittelhandel würden Millionen Tonnen noch verzehrfähiger Lebensmittel weggeworfen.“ Tatsächlich würde hingegen nur ein Bruchteil der in Deutschland entsorgten Nahrungsmittel im Lebensmittelhandel anfallen. Die Debatte wird in Deutschland seit Jahren erbittert geführt.


 
 

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Anders in Frankreich. Hier gilt seit fast vier Jahren ein Gesetz, das Supermärkte mit einer Ladenfläche von mehr als 400 Quadratmetern dazu verpflichtet, genießbare Lebensmittel entweder selbst weiterzuverwenden oder sie zu spenden: am besten an gemeinnützige Organisationen, die sie dann kostenlos an bedürftige Personen abgeben. Andernfalls sind Supermärkte aufgefordert, die Reste für die Produktion von Tierfutter, als Kompost für die Landwirtschaft oder zur Energiegewinnung zur Verfügung zu stellen. Tun sie es nicht, winken hohe Geldstrafen.

… in Frankreich werden Supermärkte bestraft, wenn sie Essen in Container werfen

Insgesamt werden in Frankreich pro Kopf jährlich zwischen 20 und 30 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen. In Deutschland sind es sogar rund 82 Kilo. Etwas mehr als die Hälfte davon wird laut einer Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zu Hause weggeworfen – der Rest während der Produktion, im Handel oder in Cafés und Restaurants.

Mithilfe des neuen Gesetzes will man in Frankreich die Lebensmittelabfälle bis 2025 halbieren. Auch die Supermärkte selbst profitieren davon – sie können nämlich 60 Prozent des Einkaufspreises der gespendeten Lebensmittel von der Steuer absetzen. Leider könnte das Gesetz laut Kritikern aber auch dazu führen, dass Unternehmen strategisch mehr kaufen, weil sie es später wieder von der Steuer absetzen können. Und natürlich kann längst nicht alles, was entsorgt wird, auch gegessen werden: Obst, Fleisch oder Fisch zum Beispiel verderben rasch, wenn sie nicht rechtzeitig abgeholt werden.

Unser Filmteam war vor Ort und hat geschaut, wie das neue französische Gesetz funktioniert und von den Menschen angenommen wird. Nur eines hat es trotz vieler Versuche nicht geschafft: einen Supermarkt für ein Statement zu gewinnen.

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

3 Kommentare
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Gast
  ·  
24.01.2020-07:01

Klar, sind nicht die Supermärkte alleine an den Unmengen von weggschmissenen Lebensmitteln schuld.Ich esse manchmal über den Hunger statt etwas wegzuschmeißen. Natürlich ist das auch nicht optimal. Wir müssen mehr darüber nachdenken, ob wir wirklich so viel zu essen brauchen, oder ob nicht vielleicht die Augen größer sind, als das Bedürfnis. Dazu vermute ich, dass es viele Menschen gibt, die nicht verstehen, dass Lebensmittel nicht automatisch schlecht sind, nur weil das Verfallsdatum überschritten ist. Doch das ist nur eine Vermutung.
Allerdings weiß ich auch aus eigener Erfahrung, wie die Mengen an Lebensmitteln aussehen, die ein Supermarkt wegwerfen würde. Oft wechselt es. Es gibt Tage, da sind es viele Milchprodukte. 10 Packungen Käse, 15x Quark, eine Palette Joghurt. An anderen Tage könnte man den Kühlschrank mit Schinken randvoll packen. Gemüse, Obst, Brot. Von einem markt alleine mag das nicht viel erscheinen-trotzdem langt es, um 3-5 Familien mit essen zu unterstützen. Nur von einem oder 2 Märkten.
Ich finde es ein Unding, dass es Diebstahl ist, etwa aus dem Müll zu nehmen. Und das nicht nur bei Lebensmitteln. Für mich ist es ein Zweifel am menschlichen Verstand, dafür bestraft zu werden.
Meine Meinung ist: selbst wenn die Supermärkte es so drehen, dass sie mehr profitieren, was wäre daran so falsch? Denn letztlich profitieren die Menschen aus schlechteren sozialen Verhältnissen. Selbst wenn diese dann noch etwas wegschmeißen, dann hätten die Lebensmittel eine zweite Chance gehabt.
Ich finde, so ein Gesetz gehört auch in Deutschland her!

Nico M.
  ·  
19.06.2020-09:06

Meine Meinung zu dem Thema ist, dass man so etwas, wie das containern nicht einführen sollte. Da sonst alle Lebensmittel wie oben erwähnt nicht mehr aus den Supermärkten gekauft werden. Die Idee diese Lebensmittel zu spenden ist viel effektiver und sinnvoller.

Milo Veg
  ·  
Yesterday - 17:08Uhr

Ein Gesetz nach französischem Vorbild wäre die richtige Richtung und muss auf jeden Fall verfolgt werden. Die größte Verschwendung von Lebensmitteln findet allerdings für uns unsichtbar statt. Bei der Produktion von tierischen Lebensmitteln gehen bis zu 97% der produzierten Kalorien verloren, weil wir sie an Tiere verfüttern, die wir dabei zu einem qualvollen Leben verdammen. Dazu zerstören wir unsere Biosphere durch die Verschwendung von Landmasse, die Zerstörung der Meere und den daran hängenden Ökosystemen. Fleisch, Fisch, Käse, Milch und Eier müssen endlich von unserem Speiseplan verschwinden, wenn wir auch unsere Enkel noch ernähren wollen.