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Du sollst nicht löten...

... so lautet das erste Gebot vieler Firmen, die ihre Produkte so gestalten, dass man sie nicht reparieren kann. Die Bewegung der Repaircafés will Menschen ermächtigen, Technologie zu verstehen und Dinge wieder instand zu setzen

  • 5 Min.
Repaircafe

Sein Hawaiihemd ist mit bunten Papageien bedruckt, die grauen Haare sind zum Pferdeschwanz gebunden, und der rechte Zeigefinger steckt in einem Lederverband – da hat er sich mit der Säge verletzt, als er kürzlich sein Dach reparierte, um einen oft gehörten Rat zu befolgen: „Kümmer dich doch auch mal um deinen Kram!“

Denn meist kümmert sich Norbert Boenigk um den Kram der anderen. Um Toaster, Drucker und Wasserkocher. Der Techniker war in seinem Berufsleben jahrelang mit dem Lötkolben im Außendienst unterwegs, gab später Schulungen für den Nachwuchs und hat heute, als Rentner, eine Mission: Er wünscht sich einen Bewusstseinswandel. Reparieren statt wegschmeißen. Behalten statt ersetzen.

„Die Herabsetzung des Alten und Wertvollmachung des Neuen ist vielleicht die zentralste ökonomische Operation überhaupt“, hat der Philosoph Boris Groys gesagt, und tatsächlich ist Boenigks Mission angesichts einer konsumfreudigen Gesellschaft und einer Industrie, deren Wachstum auf ständigen Neuanschaffungen gründet, keine leichte. „Ich komme mir vor wie Don Quijote“, sagt der 68-Jährige. „Ich sitze falsch rum auf einem Esel, hab eine Stange in der Hand und komm nirgends ran.“

Norbert Boenigk engagiert sich im Repaircafé

Doch die kleinen Erfolgserlebnisse reichen aus, um den Retter von Toastern, Handys und Rasenmähern bei Laune zu halten. Deshalb engagiert er sich in verschiedenen Repaircafés in Berlin – unter anderem zweimal monatlich in einem Kinder- und Jugendzentrum in Berlin-Neukölln. Für Besucher gibt es dort erst einmal einen Kaffee, die Maschine hat Boenigk selbst aus dem Müll gefischt.

Vier ältere Herren haben sich um Boenigks randvollen mobilen Werkzeugkasten versammelt. Sie bohren, löten und schrauben. Einer haut gerade die Halterung eines alten Hammers in Form. Ein anderer läutet eine Glocke – das Zeichen, dass eine Reparatur erfolgreich abgeschlossen wurde.

Die ehrenamtlichen Repaircafé-Techniker beheben – immer gemeinsam mit den jeweiligen Besitzerinnen und Besitzern der Produkte – mechanische Defekte oder einfache Softwareprobleme, und manchmal werden auch gemeinsam kaputte Klamotten geflickt.

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Norbert Boenigk

Norbert Boenigk gibt selten auf. Bevor etwas im Abfall landet, wird erst mal gelötet und geschraubt. War die Reparatur erfolgreich, wird eine Glocke geläutet

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Repaircafe
Laut Boenigk wird es immer schwieriger, Laptops instand zu setzen: Akkus sind fest eingebaut, Bildschirme sind so verklebt, dass nur Profis sie auswechseln können

Das Konzept der Repaircafés hat sich in den letzten Jahren weltweit verbreitet, vor allem in Europa. Worauf es bei der Gründung solcher Cafés ankommt, beschreibt die niederländische Journalistin Martine Postma, die 2009 das erste Repaircafé in Amsterdam eröffnete, in einem Handbuch. Die Idee: Menschen reparieren gemeinsam bei Kaffee und Kuchen und unter Anleitung ehrenamtlicher Profis ihre Haushaltsgegenstände. Ein Beitrag zum sozialen Kitt im Kiez und zur Reduzierung der Elektroschrottberge, die alljährlich in die Höhe schießen.

Gleich mehrere Faktoren bewirken, dass Geräte immer früher entsorgt werden. Was Norbert Boenigk „das Marketing-Diktat“ nennt, führt zu einer vermeintlichen Alterung der Geräte: Schnell ist etwas Besseres mit neuen Features auf dem Markt. Und dann gibt es da noch die ewige Frage, ob es eine geplante „Obsoleszenz“ gibt. Das bedeutet, dass Unternehmen ganz bewusst eine kurze Lebensdauer in ihre Produkte einbauen. Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes von 2016 hat für diese Annahme keine Belege gefunden. Tüftler Boenigk sieht dennoch Handlungsbedarf: Zwar ließen sich bei Produkten keine Sollbruchstellen nachweisen, aber es kämen Mechanismen und Materialien zum Einsatz, die eine gewisse Zeit gar nicht überdauern könnten. Ist ein Gerät dann defekt, sei die Reparatur oft ähnlich teuer wie eine Neuanschaffung.

Viele Geräte werde heute so gebaut, dass man sie gar nicht reparieren kann 

Es ist ein Teufelskreis. Dem Konsumenten fehlt das Bewusstsein oder das technische Wissen für eine Reparatur, und viele Teile sind so verbaut, dass ein Austausch kaum möglich ist. Als ein junger Mann vor dem Anhänger des Rollberger Repaircafés stehen bleibt und ein Handy mit kaputtem Display in die Runde zeigt, schütteln die Tüftler den Kopf. Einen Profi, sagt Boenigk, zeichne aus, dass er an der richtigen Stelle sagt: „Diese Tablette gibt es in meiner Apotheke nicht.“

Handys und Laptops, erklärt Boenigk, seien mit jeder neuen Generation schwerer instand zu setzen: die Akkus fest eingebaut, die Displays so verklebt, dass sie sich nicht von Halbprofis austauschen lassen. Oft bleibt die Wahl zwischen kostspieliger Profireparatur und ebenfalls teuren Ersatzteilen– oder der Entsorgung.

Weltweit gibt es über 53,6 Millionen Tonnen Elektromüll...

Laut der Organisation Global E-waste Statistics Partnership (GESP) belief sich der weltweit angesammelte Elektromüll 2019 auf rund 53,6 Millionen Tonnen. 2030 könnte laut der Prognose die Menge bei 74,7 Millionen Tonnen liegen. Nur rund 17,4 Prozent des Elektroschrotts wurden laut GESP 2019 in professionellen Anlagen recycelt, der Rest landete auf Müllhalden oder wurde verbrannt, oftmals in armen Ländern.

Auf dem „informellen“ (also nicht staatlich geregelten) Industriesektor des globalen Südens, zu dem auch die Elektroschrott-Bearbeitung gehört, arbeiten laut einem aktuellen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 18 Millionen Kinder und Jugendliche. Die grausamen Zustände auf einer Müllkippe in Ghana, wo Menschen in Wolken aus giftigen Dämpfen Tag für Tag den Schrott der Industrienationen in Einzelteile zerlegen, waren 2018 in dem Dokumentarfilm „Welcome to Sodom“ zu sehen.

... zumindest deutschlandweit gibt es dafür fast 900 Reparatur-Initiativen

Doch bei allem berechtigten Pessimismus: Im Kleinen nimmt das Bewusstsein für Müllvermeidung zu. Fast 900 Projekte wie das Rollberger Repaircafé listet das Netzwerk Reparatur-Initiativen inzwischen deutschlandweit auf. Und auch Norbert Boenigk freut sich über immer mehr Zuspruch und Interesse: über Lehrer und Lehrerinnen, die sich an den Schulen Reparaturkurse wünschen, über das Berliner Technikmuseum, das jetzt ein dauerhaftes Repaircafé einrichten will

Am nächsten Tag ruft Boenigk den jungen Mann mit dem kaputten Handy vom Vortag an. Dass er ihn wegschicken musste, hat ihm keine Ruhe gelassen. Er bittet ihn, zum nächsten Repaircafé zu kommen, dann will er seine Wärmeplatte mitbringen und versuchen, Display und Bildschirm zu lösen. Einen Versuch ist es wert. „Was wir erreichen, ist viel zu wenig. Aber ganz untätig würde ich mich fragen: Hallo, hast du noch alle Tassen im Schrank? Ich will nicht nur reparieren, ich will was anschieben. Und wer weiß, vielleicht ist ja in zwei Jahren aus dem Flattern ein Taifun entstanden.“ Der Don Quijote im Hawaiihemd gibt seinen Kampf nicht auf.

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

115 Kommentare
Meine Meinung dazu...
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Günter Heitel
  ·  
06.10.2021-12:10

Nach Möglichkeit nur reparaturfreundliche Geräte kaufen, für die es auch nach Jahren noch Ersatzteile gibt. Geräte, die wirtschaftlich und technisch nicht instandgesetzt werden können sind vorprogrammierter Schrott, nicht kaufen.

Warentests und Produktinformationen müssen das viel besser und verpflichtend aufzeigen.

Auch ältere Geräte erfüllen ihren Zweck, sie müssen nur funktionieren, es muss nicht immer das Neueste sein.

Der Verbraucher hat die Macht, er kann und sollte sie nutzen!

Andreas
  ·  
30.11.2021-07:11

Das Problem ist, das solche Geräte im Schnitt auch etwas mehr kosten und dadurch nicht für jeden erschwinglich sind.

Tom
  ·  
30.11.2021-09:11

Aus diesem Grund war das Galaxy S5 das letzte Phone von Samsung. Jetzt ist es ein leicht überpreisiges, leicht unterperfomantes Fairphone 3. Aber der Akku ist in 30 Sekunden getauscht.

BigPicture
  ·  
30.11.2021-09:11

Ja das ist richtig.

Mit einer Erhöhung der Gewährleistungszeit auf 5 oder 10 jahre könnte man bestimmt auch die Schrottmenge verringern. Ohne besseren Warentests.

CptProton
  ·  
30.11.2021-10:11

Sehr vernünftig! Genau das mache ich auch. Ein Gerät dass ich nicht aufkriege, gibts (fast) nicht. Ich habe schon früh den Ehrgeiz entwickelt, Sachen wieder zu reparieren. Ist ja auch ein Erfolgserlebnis. Häufig sind es Kleinigkeiten! Es ist einfach zu schade, Geräte wegen kleinen Schwächen wegzuwerfen.
Da sind Hersteller wie Verbraucher gefragt.
Wie im obigen Kommentar: ich muss nicht den letzten Schrei haben... all dieser Schnickschnack, den man eigtl. nicht braucht; gemischt mit Software - eine Katastrophe!
Ich kaufe selbst eher die einfacheren Versionen von Geräten, v.a. Hausgeräten (manche Marken meide ich). Sind im Zweifelsfalle einfacher zu reparieren und halten auch länger.
Hat das der Verbraucher noch nicht kapiert?! Je mehr "drin" ist, desto kürzer hält es!

Wir, die Endverbraucher sind gefragt, gerade im Zuge der Umwelt etwas mehr nachzudenken...

S. Collatz
  ·  
30.11.2021-02:11

Groß-ar-tig! Genau die richtige Einstellung - wir brauchen mehr davon! Dieses ständige (und mittlerweile offenbar als "normal" empfundene) "Ex-und-Hopp" macht mich krank. Nach dem 5. Laptop, den es vor seiner Zeit "zerlegt" hat, kommt mir so ein Ding nicht mehr in's Haus. Mein Handy ist von 2004. Mein Auto von 2007. Und das ist auch gut so. Herzlichen Gruß

Martin Stöckli
  ·  
30.11.2021-02:11

Super, genau in diese Richtung müssen wir uns alle bewegen. Es hat ganz einfach nicht genügend Resourcen auf dieser Welt, um Alles und Jenes zu ersetzen und damit unseren Wohlstand aufrecht zu erhalten. Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht und man fällt ins Leere!

Meine Hobbytätigkeit seit meinem Ruhestand ist auch das Reparieren von einfacheren, aber auch sehr teuren mehr als 20jährigen Messgeräten. Ich konnte fast alle der über 80 Geräte in den letzten 6 Jahren wieder zum Leben erwecken und weltweit Abnehmer bzw. Anwender finden (Ebay). Erstaunlich ist vor allem, welche teilweise einfachsten Mängel das Nichtfunktionieren dieser teuren Geräte begründeten. Die Rettungsaktionen waren meist nicht gewinnbringend aber zumindest selbsttragend und umweltschonend. Und, Reparieren macht glücklich :-)

Eny
  ·  
30.11.2021-06:11

Hut ab für die Ehrenamtler, es sollte viel mehr davon geben.
Er hat so recht, der Mann im Hawaiihemd.

Leute verkalkulieren sich beim Kauf von oft richtig schönen Dingen: Falsche Größe, falsche Farbe, falsches Sonstwas.
Die Dinge werden dann zu einem Bruchteil des Preis in den Online-Gebrauchtmärkten angeboten.
- Meine Strategie hier ist: ich schieße mich (z. B. Schuhe) auf ein Markenprodukt ein. Da kenne ich dann die Passform und weiß meine Größe. Diese Schuhe in meiner Größe erwerbe ich dann neu mit Karton. Das ist das Eine.
- Technische Markenprodukte sind oft auch stabiler als die Billigware aus Asien, die dann im Discounter angeboten wird. Man erhält eine gute Anleitung auch aus dem Netz (falls bei Lieferung mal keine dabei war).
- Diese Dinge lassen sich auch besser rearieren als die Dingelchen in der hauchdünnen spröden Kunststoffumhüllung.
- Bei Handys werden inzwischen die Fairfones immer bekannter, hier wird ein Großteil der Forderungen von den Reparaturprofis erfüllt.

Ich hoffe, "Bewahren statt entsorgen und neu anschaffen" wird ein Motto der kommenden Zeit.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Tag!

Mario
  ·  
30.11.2021-07:11

verdienen meinen vollen Respekt , wir sind immer mehr zu einer Konsum und Austauschgesellschaft mutiert .
Müllvermeidung müsste an den Schulemn gelehrt werden , soweit sind wir schon .
Ich denke Bewegung beginnt im Kleinen , aus Kleinem könnte etwas Großes werden .
Ich hoffe es .

Rudolf Ott
  ·  
30.11.2021-11:11

Immer wieder soll es die Schule richten, was die Eltern nicht schaffen, geschweige denn vorleben.

Udo
  ·  
30.11.2021-07:11

Also ich habe auch schon meine Markem Kaffeemaschine und Wächetrokner repariert.
Beim Trockner war da nur ein Centbauteil in der Platine defekt,,,,

Jörg Hebbeln
  ·  
30.11.2021-07:11

Diese Hersteller müssten alle dazu verknackt werden innländisch den Müll zu entsorgen. Zu unseren Preisen, von Fachmännern für 50€ Std/h.

Daniel S.
  ·  
30.11.2021-08:11

An unserem 13 Jahre alten Staubsauger eines deutschen Markenherstellers war letztens der Halter für den Beutel abgebrochen. Meine Frau meinte, wir bräuchten dann wohl einen neuen Staubsauger. Ich beim Hersteller aus die Seite, mich kurz durchgeklickt auf die Serviceseite zu den Ersatzteilen, da eine komplette Explosionszeichnung gefunden und zum gesuchten Ersatzteil gleich noch 2 Filter dazu bestellt. Nach 13 Jahren alles noch sofort lieferbar, zu moderatem Preis. Staubsauger für nichtmal 15Euro repariert statt weggeschmissen. Wer billig kauft, kauft zweimal, die anderen reparieren günstig. Wobei, der hat damals nur 69€ gekostet, weil Auslaufmodell ;-)

Fabian
  ·  
30.11.2021-07:11

In den USA gibt es einen Aktivisten Louis Rossmann, welcher sich sehr aktiv für das "Right to repair" einsetzt und immer weiteren Erfolg hat.
Er trifft mit seinen Argumentationen neben der Müll und Ressourcen Problematik einen weiteren wichtigen Punkt welcher immer mehr relevant wird. Wie viel Gerät besitzt man durch einen Kauf eigentlich noch, wenn die Nutzung oder gar Reparatur an viele andere Services des einen Herstellers gebunden ist? Noch viel schlimmer: Kauft man beispielsweise 2 neue Smartphones und tauscht das Display dieser fabrikneuen Smartphones gegeneinander aus, so sind gewisse Funktionalitäten bewusst eingeschränkt worden, um die Nutzung sehr viele komplizierter zu machen. Bei Apple iPhones funktioniert dann "True Tone" nicht mehr, ebenso das Display entsperren, mobile Bezahlen mit FaceID etc. nicht mehr. Nur Apple selbst bietet autorisierte Reparaturen an, welche aber nicht absolut unrenatabel teuer sind und zudem zwingend mit Datenverlust einhergehen, wenn der Kunde nicht Apple iCloud für alle seine Daten kostenpflichtig hinzugebucht hat. Also konkret wie viel Gerät besitzt man noch, selbst wenn alles 100% Originalteile sind?

Tobias
  ·  
30.11.2021-05:11

Jahre Zwangsagarantie würden die Probleme alle lösen.

Hans Dampf
  ·  
30.11.2021-08:11

Ich arbeite für ein Unternehmen, das die Geräte so baut, dass sie auch nach vielen Jahren noch von UNS repariert werden können, in 99% der Fälle machen wir das unabhängig gesetzlicher Fristen sogar kostenfrei für den Kunden. Denn nichts fürchten wir mehr, als dass ein vom Kunden unsachgemäß "repariertes" Gerät einen Schaden verursacht und das auf unser Unternehmen zurückfällt. Dieser Aspekt wird - bei all dem Positiven der Repaircafes - nur allzu gerne vergessen.

Gaestehaus
  ·  
30.11.2021-12:11

Mein Thermox war kaputt. Eingeschickt, innerhalb einer Woche repariert und wieder zurück. Klasse Leistung, die an D erinnert, als D noch funktioniert hat. Dieser Service ist eine Form von Ressourcenschonung. Gerne zahle ich dafür einen etwas höheren Kaufpreis.

Markus
  ·  
30.11.2021-02:11

Das mag auf Ihren Arbeitgeber zwar zutreffen, auf 99% der Hersteller aber nicht. Wären die Produkte nachhaltiger produziert und könnten daher mit einer längeren Garantie ausgestattet werden, bräuchten wir keine Repaircafes und die Ersatzteilversorgung und deren Vorhaltung wäre, durch den Bedarf deutlich höherer Stückzahlen, ebenfalls rentabeler. Ursache = Wirkung. Wenn Ihre Firma so kulant ist, sollte sie das auch,ob durch Werbung oder Garantien, kenntlich machen! Das ist Marketing und erspart Ihnen nebenbei auch die Schmerzen.

Tom S.
  ·  
30.11.2021-04:11

Den Leuten Angst machen, die Reparatur wäre nicht fachgerecht ausgeführt, ist die älteste Masche. Ich glaube in "Ihrem" Unternehmen wird auch nur mit Wasser gekocht. Man sollte einfach anerkennen, dass es außerhalb des eigenen Horizonts auch noch Profis gibt. Und wie der Artikel schon sagt: Nicht in jeder Apotheke gibt es alle Pillen.

Marc B.
  ·  
30.11.2021-08:11

Sehr schöner Ansatz. Gerade überwiegend "mechanische" Sachen wie eben Toaster, aber auch Rasenmäher und Kettensägen landen ganz oft im Sperrmüll und können mit ganz wenig Aufwand repariert werden.
Bei Elektronik hängt es leider nicht immer nur an der "physischen" Reparatur und Lebensdauer. Meist werden ältere Geräte irgendwann von Updatemechanismen ausgeschlossen, sodass dann manche Funktionen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr funktionieren. Da sollte man vielleicht auch mal ansetzen. In den USA regt sich ja mit der "Right to Repair"-Bewegung gerade etwas zu dem Thema - da sollte man sich in Deutschland vielleicht anschließen.

Kicker
  ·  
30.11.2021-02:11

Seit 5 jahren halte ich meine 30 Jahre alte Waschmaschine mit Reparaturen am Leben. Dämpfer, Trommellager, Motorkohlen, alles schon gewechselt! Waschmaschinen mit Edelstahlbottich und 60 Min Waschprogramm sind heute nur noch im Profibereich für 3000 Euro zu bekommen. Billigwaschmaschinen brauchen 2 Std für die Wäsche

Daniel
  ·  
30.11.2021-08:11

Toller Artikel,
ich war selbst schon in Repair Cafeś und habe auch als Techniker mit dem Lötkolben ausgeholfen.
Was mir aber am meisten auffällt ist dass der gemeine Bürger meist einfachen Zugang zu Geldmitteln hat (erspartes, 0% Kredite usw) um sich überhaupt Gedanken um das reparieren zu machen.
Schließlich ist das doch der einfacherer Weg und von allen Seiten auch so "gewünscht".
Ich stimme Herr Heitel in seiner Aussage vollumfänglich zu dass die Bereiche "Haltbarkeit" und "Reparierbarkeit" präsenter in den Testberichten sein sollten.

Allerdings gehen meine Erfahrungen leider in die Richtung dass am liebsten Altes, eh schon wertvolles gern repariert wird und kaputte Dinge jüngeren Datums lieber ersetzt werden, schließlich will es die Industrie so und macht es uns auch einfach.

Vielleicht treibt uns die Inflation zu einer anderen Denkweise.

Tom
  ·  
30.11.2021-08:11

Hab grad meinen zwanzig+jährigen Backofen repariert. Mit Ersatzteilen aus einem Spenderofen aus einer Auktionsplattform für 20.- (Preis beim Hersteller etwa 90.-, wenn sie denn noch erhältlich wären...)
Ich hätte auch einen Neuen gekauft, aber es gibt keinen mit den gleichen technischen Daten, die mir wichtig sind.
Natürlich ist es nicht jedem gegeben, solche Reparaturen mit dem nötigen Feingefühl durchzuführen. (Grad im elektronischen Bereich sollte man wissen, wie man ESD Schäden vermeidet.)

Tom
  ·  
30.11.2021-09:11

Hab grad meinen zwanzig+jährigen Backofen repariert. Mit Ersatzteilen aus einem Spenderofen aus einer Auktionsplattform für 20.- (Preis beim Hersteller etwa 90.-, wenn sie denn noch erhältlich wären...)
Ich hätte auch einen Neuen gekauft, aber es gibt keinen mit den gleichen technischen Daten, die mir wichtig sind.
Natürlich ist es nicht jedem gegeben, solche Reparaturen mit dem nötigen Feingefühl durchzuführen. (Grad im elektronischen Bereich sollte man wissen, wie man ESD Schäden vermeidet.)

Christian Haggert
  ·  
30.11.2021-09:11

Kann ich leider nur beipflichten. Ich hatte mich von einigen Monaten nach einem Reparatur-Café in meiner Stadt erkundigt, weil meine Kaffeemaschine defekt war. Nach Nennung des Modells und Beschreibung des Defekts wurde ich aber gleich "abgewiesen" mit dem Hinweis, der Defekt sei bekannt aber nur mit hohem Aufwand und Kosten zu reparieren.
Habs dann auch selbst versucht, aber aufgrund der Art und Weise, wie das mittlerweile zusammengebaut wird, vor allem viel mit Kleben und Plastiknasen, die zwangsläufig brechen beim Ausbau, war da nichts zu machen. Leider.

engel66
  ·  
30.11.2021-09:11

Leider fehlt es den meisten Menschen an der Einsicht, dass man selbst Dinge die unkompliziert repariert werden könnten zu reparieren. Da werden lieber für 1000€ Fahrräder gekauft, anstatt die vorhandenen für 200€ reparieren zu lassen. Das ist zwar gut für die Industrie, für welche eigentlich, aber nicht gut für die Abfallberge... schade. Ohne Bewusstsein muss ja kein Verlust sein

CLEANSTATE
  ·  
30.11.2021-09:11

Auch Autos sind bewußt umweltschädlich konstruiert, der kleine Kratzer an der lackierten Stoßstange führt z.B. zum Austausch des ganzen Frontends, vor allem, wenn es die gegnerische Versicherung bezahlt.
Haushaltsgeräte versagen meist konstruktiv geplant spätestens nach 6-7 Jahren, ohne dass es noch Ersatzteile gibt.
Nur der Verbraucher kann dieses schädliche Treiben beenden - wird es aber leider oft nicht tun.

Jo
  ·  
30.11.2021-02:11

Das hat nicht nur mit dem Geschäftsverhalten der meisten Werkstätten zu tun! Die meisten unserer Kunden bspw. sind derart versteift, dass selbst an einem 20 Jahre alten Motorrad ein kleiner Kratzer dazu führt dass das gesamte Bauteil ausgetauscht werden soll.
Was ein kleiner, privat geregelter Schadensersatz für alle Parteien + die Umwelt deutlich besser geregelt hätte wird über die Versicherungskeule abgewickelt, massiv steigende Prämien für Fahranfänger inklusive.

Martin Berding
  ·  
30.11.2021-04:11

Kann ich absolut nicht nachvollziehen. Hatte selbst den Kratzer, die Werkstatt wollte tatsächlich die Stoßstange tauschen, 400€. Mittels Smart Repair den Schaden für 50€ beseitigt. Gerade Autos sind reparaturfreundlich, selbst die neuesten.

werner rüdiger
  ·  
30.11.2021-09:11

An dieser geplanten Obsolenz wird sich nur durch staatlichen Eingriff etwas ändern. Zum Teil ist es nicht mal die Absicht, sondern durch Konkurrenzdruck erzeugter Rationalisierungszwang. Zum Beispiel bestimmt die Rationalisierung die Reihenfolge des Zusammenbaus eines PKW. Das man dann später das halbe Auto zerlegen muß , um die Batterie oder die Beleuchtung instand zusetzen ist zuweilen beabsichtigt , aber auch dem Rationalisierungszwang geschuldet. Wie gut der staatliche Eingriff sein kann: die Normierung der Stecker bei Ladegeräten.

Egbert del Moro
  ·  
30.11.2021-09:11

Erstklassige Idee - erstklassige Leistung von Herrn Boenik.
Der SchlüsselIRRSINN liegt ganz woanders:
Wenn unsere Politiker (Politikdarsteller!) mit minimaler Ahnung gesegtnet wären, würden irreparable Geräte nicht für den Verkauf in Deutschland zugelassen.

Aber - öko geht eben anders: Urwald in Bormeo abhacken, damit wir mit ein paar % Palmöl "Biodiesel" fahren ... usw: Soja...

Salah
  ·  
30.11.2021-10:11

Ich erinnere mich da an meinen Elektrotechnik Prof., der das neulich auch erst gesagt hat als wir das Thema diskutierten.
Zitat: "Wenn es soetwas gäbe, würde es definitiv auch jeder so machen! Das wäre ja die Lizenz zum Gelddrucken..."
Es ist schlicht nicht möglich Bauteile so zu konzeptionieren, dass Sie zu einem bestimmten Tag X kaputtgehen. Auch wenn man oft das Gefühl bekommt. Daher gibt es dafür auch keine Beweise.

Steffen
  ·  
30.11.2021-11:11

Es gab vor einhundert Jahren sogar schon ein Gerichtsverfahren dazu: die ersten Glühlampen leuchteten zu lange. Nach der Absprache der Hersteller nicht mehr.

Perry
  ·  
30.11.2021-11:11

Es mag sicher richtig sein, dass Bauteile nicht so konzeptioniert werden können, dass sie an einem ganz bestimmten Tag den Dienst aufgeben. Aber man kann Bauteile in einer so schlechten Qualität herstellen, dss sie sich unter normalen Betriebsbedingungen schon nach 2-3 Jahren verabschieden (rein zufällig meist gegen Ablauf der Garantie). Habe ich so erlebt bei Kondensatoren im Bereich der Spannungsversorgung von Flachbildfernsehern, Sat-Empfängern und anderen Geräten. Ausgetauscht gegen Bauteile mit einer "normalen" Qualität hat man zig Jahre Ruhe vor einer erneut anstehenden Reparatur.

Kasch
  ·  
30.11.2021-12:11

Ich stimme hier zu. Einen Tag X kann man für die "Obsoleszenz" nicht definieren. Aber:
Vor einiger Zeit hat ein Funkamateur in einer Zeitschrift eine Messung an zwei verschiedenen Kondensatoren veröffentlicht. Der erste ein 30 Jahre alter Kondensator von Siemens bei dem die Kapazität bei ca. 90 % des aufgedruckten Wertes lag. Ein guter Wert wie der Autor meinte. Der andere, ein 5 Jahre alter (chinesischer) Kondensator, bei dem die Kapazität bei 60 % lag. Jetzt kann man sich vorstellen, was ein solcher Kapazitätsverlust nach fünf Jahren mit der gesamten elektronischen Schaltung machen kann. Die gesamte Schaltung wird außerhalb ihrer Spezifikation arbeiten oder komplett versagen.
Daraus könnte man verallgemeinern, dass chinesische Produkte eine geringere Qualität haben, aber vielleicht billiger sind. Und mit dem letzteren Argument (billig muss es sein) gewinnt man den Verbraucher beim Kauf.

Frank
  ·  
30.11.2021-12:11

Die gibt es sehr wohl. Das beste Beispiel sind billige Kondensatoren in vielen Netzteilen von Elekronikgeräten.
Diese verlieren aufgrund ihres schlechten Elektrolyts ihre Funktion und die Geräte lassen sich irgendwann nicht mehr einschalten.
Würde man ein paar Cent mehr investieren in höherwertige Bauteile dann gäbe es dieses Problem nicht.
Ob das nun geplant ist oder nicht ist eine andere Frage.

Bastler
  ·  
30.11.2021-12:11

Das ist absoluter Blödsinn. Natürlich werden Geräte so konstruiert/ausgelegt, dass sie zeitnah nach Ablauf der Garantie/Gewähleistungsfrist kaputt gehen. Als Beispie sei das Glühbirnenkartell angeführt, das nahezu 100 Jahre funktioniert hat (Glühbirnen sollten nur 1000h halten). Natürlich kann man das nicht auf die Stunde genau timen, aber ganz grob schon. Nehmen wir Heizstäbe von Waschmaschinen. Warum gehen die so oft kaputt? Ich kann eine gewünschte Wärmeleistung x mit einem langen Heizdraht (im Heizstab) erzeugen, der etwas kälter glüht oder aber mit einem kürzeren Heizdraht, der für die gleiche Leistung dann heißer sein muss. Letzterer verschleisst durch die hohe Temperatur einfach deutlich schneller, und schon kann men einen neuen Heizstab verkaufen und dafür auch noch fast jeden Preis verlangen, weil der Kunde ihn ja braucht, wenn er nicht die ganze Maschine wegwerfen will.
Oder es werden bei Mixern billige Kunststoffteile als Mitnehmer verbaut, bei denen schon bei der Konstruktion klar ist, dass sie die Belastung nicht lange aushalten. Und statt Ersatzteilen gibts da dann einen neuen Mixer.
etc., etc.

Gast
  ·  
30.11.2021-01:11

googeln Sie mal das Pheobuskartell und die geplante Obsoleszenz der Glühbirne. Oder Nylonstrümpfe von Du Pont.

Benjamin
  ·  
30.11.2021-02:11

Naj, wenn man z.B. einen Elko in normaler Betriebsposition oberhalb des Kühlkörpers eines Leistungshalbleiters positioniert... Ich stimme zu, dass damit kein Defekt am Tag "X" verursacht werden kann. Aber ein hochwahrscheinlicher Defekt nach einer bestimmten Anzahl an Betriebsstunden. Genau einen solchen Fall habe ich aktuell hier vor mir liegen (aus einem "professionellen" (?) Waschautomaten.. und ja, auch ich konstruiere elektronische Geräte und analysiere diese im Hinblick auf Optimierung der Lebensdauer einzelner Komponenten. Insofern wäre ich vorsichtig mit solchen Aussagen "keine Beweise".

Markus
  ·  
30.11.2021-02:11

Das ist nicht richtig. Natürlich kann man Bauteile hochwertiger oder weniger gut produzieren. Man kann zB. minderwertige Kondensatoren etc. verbauen wie das meist im "Chinaschrott" der Fall ist. Dann ist das Verfallsdatum auf jeden Fall absehbar, wenn auch nicht pünktlich planbar. Eine der häufigsten Ursachen bei Elektronikproblemen übrigens. Und das Märchen von der Glühbirne ist auch kein Märchen, erledigt sich durch die LED-Technik aber mehr oder weniger von selbst. Vllt. klären Sie Ihren Prof. mal auf, wie heutzutage Geld gemacht wird: Die durchschnittliche Gerätehaltbarkeit legt es doch offen.

Axel Schäfer
  ·  
30.11.2021-02:11

Hallo, da bin ich anderer Meinung, ich sitze gerade im Homeoffice vor zwei LCD-Monitoren Fujitsu Scenicview P19-2, die mein Arbeitgeber vor einigen Jahren nach ca. jeweils 5 Jahren Betriebszeit wegen Bildausfall entsorgen wollte. Ich habe dann festgestellt, dass auf der Netzteilplatine (19,5V) mehrere Elkos (8V !) aufpilzt waren. Die habe ich durch entsprechende 40V Typen ersetzt (20V waren gerade nicht verfügbar), seitdem laufen die einwandfrei. Wenn man sich die Datenblätter der Elkos (8V) durchliest, kann man sehen, dass die bei einer höheren Betriebsspannung planmäßig überhitzen was zu einer kürzeren Lebensdauer führt. Bei manchen Typen gibt es dazu auch entsprechende Tabellen mit Kurven zu den Spannungen.
Wenn das planmäßige einbauen unterdimensionierter Teile keine geplante Obsolenz ist, was dann ?

geerd
  ·  
30.11.2021-03:11

hallo salah,
bitte aber auch an VW mit seiner in der Vergangenheit verbauten modifizierten Abgassoftware-Manipulation denken. Bei Chipsteuerung von digitaler Elektronik sind "Einschaltzähler" doch nahezu standardmäßig vorhanden...

charley10
  ·  
30.11.2021-05:11

An einem bestimmten Tag X nicht - richtig. Allerdings gibt jeder Hersteller für seine BE eine bestimmte Lebensdauer an. Das einfachste Beispiel sind Elkos - Centartikel. Die Lebensdauer über die Temperatur ist recht gut definiert. Daraus lässt sich eine (statistische) Ausfallhäufigkeit errechnen. Je heißer ich den Elko auf der Platine platziere oder je mehr Rippelstrom fliesst, desto schneller ist der hin und damit das Gerät. Der Entwickler oder besser, der zuständige BWLer hat sicher einen Einfluss auf die Lebensdauer.
Die Gesamtlebensdauer eines Gerätes kann dabei recht gut berechnet werden incl. der Schwachstellen...
Reparierbarkeit im Fehlerfall? Wird massiv verhindert. Und das auch bei 'Massenartikeln' wie eine Zeitschaltuhr, die eben geöffnet habe: die Schrauben (mit 3er Kreuz) sind so weit im Gehäuse versenkt dass kein normal langes Bit nutzbar ist.

Hannes
  ·  
30.11.2021-10:11

Ich hab auch die Tage meinen 20€ Kopfhörer von Motorola repariert. Da war die Klinkenbuchse kaputt. Bei ebay 2 neue bestellt für 3€ und der neue Anschluss ist so viel stabiler. Gebraucht habe ich nur nen Bohrer, Lötkolben und 1 Gramm Sekundenkleber. Ach und ich freu mich wie ein Schnitzel :)

JO
  ·  
30.11.2021-10:11

Wie kann es SEIN, dass früher alle E-Artikel länger als 10 JAHRE gehalten haben??

Roman
  ·  
30.11.2021-11:11

... und noch länger und falls nicht, hat sich eine Reperatur wirtschaftlich meistens sehr gelohnt.

Mann konnte dem Endverbraucher nicht zumuten den Fernseher für 2000DM nach 3Jahren neu zu kaufen, also musste das Ding halten und hat auch entsprechend gekostet und hat sich reparieren lassen.

Heute wird lieber viel und dafür günstiger produziert (daher China & Indien), damit der Verbraucher wieder nach 2 Jahren sich das Produkt neu kauft und das alte entsorgt. Der Preis für Entsorgung, Transport und Herstellung bezahlt jedes Mal die Umwelt. Die Wertschöpfung bei jedem verkauften Artikel kriegt der Hersteller & Handel.

Axel Schäfer
  ·  
30.11.2021-02:11

Mittlerweile ist das noch nicht mal schlecht. Ich habe, neulich als ich einen Einhandwinkelschleifer benötigte und festgestellt habe, dass Bosch (blau) mittlerweile auch nur aus China importiert wird, mal beim Billigladen Action nachgesehen, dort gibt es auch Chinageräte für unter 20€, aber auf der Herstellerseite (Belgien oder Holland) kann man alle wesentlichen Ersatzteile für schmales Geld bestellen. Das geht momentan ja meist nur bei Premiummarken wie Fein, die ohnehin kaum kaputt zu kriegen sind. Ansonsten ist es halt der Sparwahn der Hersteller, da fragt man sich schon warum im Chinagerät und in der teuren Metabo Bohrmaschine die selben billigen Kugellager in Standardgröße verbaut sind. Wenn ich die tausche kommt was gutes von SKF rein und gut ist, aber ich ärgere mich, warum im hochpreisigen Gerät nicht gleich was ordentliches eingebaut wird?

Martin Berding
  ·  
30.11.2021-04:11

Es liegt an jedem selbst. Eine Waschmaschine von Miele kann durchaus 20 Jahre erreichen, ein Fernseher von Loewe oder Metz erreicht mühelos 10 Jahre. Solche Geräte sind eben teurer als der Chinakram, dafür reparaturfähig und die vorgenannten Firmen stehen mit den Fachgeschäften immer in Kontakt. Leider muss heute alles ständig billiger werden, das Resultat sieht man bei den Müllbergen in Afrika. Man muss also beim Käuferverhalten und beim Service als Kunde die Hersteller und Verkäufer zu Nachhaltigkeit zwingen. Übrigens, in den 60er Jahren wurden alle diese Dinge selbstverständlich sogar vor Ort repariert und das muss wiederkommen.

Rainer Wagner
  ·  
30.11.2021-10:11

Der Verbraucher selbst ist für die E-Müllberge verantwortlich! Es muss nicht immer der schnellste Rechner und hochauflösendste Bildschirm sein! Es muss wieder eine Nachfrage nach reparierbaren Geräten entstehen! Und auch dafür kann nur der Verbraucher sorgen, indem er solche Geräte kauft, auch wenn sie etwas teurer sind! Auch normale Haushaltsgeräte werden viel zu schnell weggeworfen! Da ist der Toaster mal vom Tisch gefallen und hat einen Schaden am Griff, da ist die Kaffeemaschine überhitzt und die Thermosicherung hat ausgelöst - kostet übrigens ca. 2 Euro!
Nochmals: Der VERBRAUCHER muß Druck machen, denn von den Volksvertretern kommt nichts! Wäre ja umsatzschädlich!

Sonja
  ·  
30.11.2021-10:11

Der Trend zur Entmündigung der Verbraucher (allein schon dieses Wort zeigt das Problem auf) geht ja munter weiter.
Alles soll smart und digital werden, also noch mehr eingeklebte Elektronikchips, noch mehr embedded Software, noch mehr Unbeeinflussbarkeit.
Ein rein elektrisches Gerät wie eine Kaffeemaschine kann ein Normalbürger mit viel Vorsicht noch selber reparieren. Achtung vor Stromschlag!
Aber das ganze digitale Gefummel ist nur noch für Spezialisten reparierbar, wenn überhaupt. Oft könnte noch nicht einmal der Hersteller etwas reparieren.

Apps und Algorithmen nehmen den Menschen immer mehr Entscheidungen ab, körperliche Aktivitäten werden sowieso an Elektrogeräte verlagert. Man ist den industriell gefertigten Produkten ausgeliefert und davon abhängig. Oldschool-Kulturtechniken wie Nähen, Kochen und Reparieren, und damit das Improvisieren-Können allgemein, werden allmählich in weiten Kreisen der Bevölkerung verlernt.
Wenn ihre einzige "Macht" darin besteht, unter vorgegebenen Geschmäckern von Tütensuppen auszuwählen, mal überspitzt gesagt, wundert es mich nicht, dass Menschen an ihrer Ohnmacht seelisch verkrüppeln.

Selbst etwas erfolgreich reparieren zu können, hebt das Selbstwirksamkeitsgefühl, vertreibt das Ohnmachtsgefühl, fördert die Kreativität und auch logische Denkfähigkeit.

Insofern wäre eine höhere Reparaturquote auch zuträglich für die psychische Gesundheit, und in allerletzter Konsequenz auch gut für die Demokratie. Wenn Menschen nicht nur erlernt hilflos glauben "Ich kann nichts machen." und nach vermeintlich machtvolleren Anführer:innen suchen, sondern merken, dass sie selbst etwas zum Besseren verändern können - und sei es zu Beginn auch nur eine selbstgestopfte Socke - können sie auch mehr Zutrauen in ihre eigene gesellschaftliche Handlungsfähigkeit entwickeln.
Aber das ist vielleicht gar nicht erwünscht. Brot und Spiele. Pizza und Smartphone.

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