Szene aus dem Film "Baba Kush": Zwei Personen sitzen nachts in einer beleuchteten Telefonzelle

High und ehrlich in der Zelle

Im Film „Baba Kush“ kiffen die Teenager Max und Uli zusammen in einer Telefonzelle, als plötzlich die Polizei auftaucht. Sie verbarrikadieren sich – und haben auf einmal viel Zeit, über ihre fragile Freundschaft zu sprechen

Von Fabian Schäfer
Thema: Kultur
30. April 2026

Worum geht’s?

Max (Christian Gerling) hat gerade eine Abiklausur geschrieben. Er hängt danach mit Freund*innen im Park ab und trifft dort zufällig Uli (Jason Philipp). Früher waren die beiden gut befreundet. Als die anderen gehen, ziehen die zwei noch los, schwelgen in Erinnerungen. Plötzlich leuchtet ihnen eine Telefonzelle entgegen. Die Idee: da drin hotboxen. Weil der Rauch nicht entweicht, soll man besonders high werden. Doch kaum ist der Joint angezündet, taucht die Polizei auf. Die jungen Männer verbarrikadieren sich – und müssen feststellen, dass sich ihre Freundschaft verändert hat. Oder ist die eigentlich schon längst vorbei?

Worum geht’s eigentlich?

Der Film von Leon Kluth erzählt, wie sehr sich Lebenswege unterscheiden und dass sie oft von Privilegien abhängen. So auch bei den zwei Hauptfiguren: Uli begann nach der 10. Klasse eine Ausbildung zum Hörgeräteakustiker. Sein Vater arbeitet als Hausmeister und ist alkoholabhängig. Max’ Vater ist Zahnarzt, und alle erwarten, dass er Zahnmedizin studieren und die Praxis übernehmen wird.

Doch vor allem geht es um die Freundschaft der zwei: Die ist – genau wie die Telefonzelle, in der sie sich eingeschlossen haben – ein Relikt aus der Vergangenheit, seit Max auf Distanz zu Uli ging. Auf dem engen Raum sind sie plötzlich gezwungen, alte Kränkungen und unangenehme Gefühle zu thematisieren. Dabei sind sie ehrlich zueinander – vielleicht zum ersten Mal in ihrer Freundschaft. Ganz nebenbei wirkt die Polizei in der ganzen Sache überfordert. Selbst mit Verstärkung gelingt es den Beamt*innen nicht, die zwei aus der Telefonzelle rauszuholen.

Szene aus dem Film "Baba Kush": Zwei junge Männer sitzen dicht beieinander in einem engen, schwach beleuchteten Raum. Der vordere mit lockigen Haaren und bandagierter Hand zündet einen Joint an und inhaliert, während der andere ihn beobachtet

Was verbindet Uli (links) und Max noch – außer einem Joint?

Wie wird das erzählt?

Als Kammerspiel, das fast ausschließlich in der winzigen Telefonzelle stattfindet. Der Fokus liegt also die allermeiste Zeit auf den beiden Hauptdarstellern. Eine Herausforderung, die sie meistern. Ihre Dialoge sind authentisch und nahbar, ihre Figuren entfalten mehr und mehr Komplexität. Den klitzekleinen Raum optisch abwechslungsreich und spannend zu gestalten, ist ebenso schwierig, doch es gelingt hervorragend. Dafür sorgt eine kreative Kameraarbeit: Babor Massomi filmt die zwei Männer mal ganz nah von der Seite, von unten oder von draußen, wo dann der Rahmen der Telefonzellentür auch optisch eine Barriere zwischen Max und Uli erzeugt. Hinzu kommen das grelle Neonlicht der Telefonzelle und die blendenden Scheinwerfer des Polizeiautos. Außerdem wird das Bildformat im Laufe des Films immer schmaler. Aus dem kinotypischen Breitbild wird am Ende fast ein quadratisches Bild. Untermalt ist „Baba Kush“ von einer stimmigen, sehr präsenten Musik: Manchmal genügt eine einzelne Kontrabass-Note, um eine Unsicherheit anzudeuten. Eskaliert die Situation, tobt sich dagegen ein wildes Schlagzeug aus.

Gut zu wissen

Wer in Deutschland einen Film drehen will, braucht dafür in der Regel Filmförderung. Das System ist komplex und bürokratisch. Doch „Baba Kush“ entstand unabhängig und ohne Filmförderung, unter anderem finanziert durch Crowdfunding. Und niemand aus dem Team besuchte eine Filmhochschule.

Szene aus dem Film "Baba Kush": Zwei Polizeibeamte stehen nachts vor der geöffneten Tür einer Telefonzelle. Ein Mann mit Schirmmütze und eine Frau mit Mütze schauen aufmerksam in den Innenraum; durch das Fenster ist eine Person im Inneren zu sehen

Die Polizeibeamten sind nur Randfiguren in diesem Kammerspiel

Auch gut zu wissen

Der Film, benannt nach einer Cannabissorte, spielt noch vor der 2024 erfolgten Teillegalisierung. Während Max und Uli Döner essen, läuft im Imbiss das Sommerinterview mit Olaf Scholz, in dem er gefragt wird: „Wann Bubatz legal?“

Lohnt sich das?

Ganz klar: Ja. Das Coming-of-Age-Drama ist spannend, unterhaltsam, hat einen tollen Look – und beweist, dass für gute Geschichten auch ein kleineres Budget reichen kann. „Baba Kush“ zeigt endlich einmal, wie junge Männer miteinander über Gefühle, Enttäuschungen und Probleme sprechen können, ganz ohne belehrend daherzukommen. Auch wenn sie sich dafür erst in einer Telefonzelle einschließen müssen.

„Baba Kush“ läuft ab dem 2. Mai im Kino.

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Fotos: Leon Kluth