Wer will, wer hat noch nicht?
Manche Staaten besitzen Atomwaffen offiziell, manche inoffiziell und andere lagern sie nur. Wie kam es zu dazu – und wird es so bleiben? Die wichtigsten Fragen und Antworten
Seit wann gibt es Atombomben?
Am 16. Juli 1945 zündeten erstmals Forscher des US-Militärs eine Atombombe bei Los Alamos, New Mexico. Bereits seit 1941 arbeiteten die USA an der Entwicklung der Bombe. Zwei Jahre zuvor hatten die aus Deutschland geflohenen Physiker Albert Einstein und Leo Szilard den US-Präsidenten Roosevelt vor einem möglichen deutschen Atomwaffenprogramm gewarnt. Die USA wollten Deutschland beim Bau einer solchen Bombe zuvorkommen. Eingesetzt wurde die Waffe allerdings nicht gegen Nazideutschland, sondern im Pazifikkrieg gegen das japanische Kaiserreich.
Und wann wurde zum ersten Mal eine Atombombe eingesetzt?
Am 6. August 1945 warfen die USA eine Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima ab. Von den etwa 300.000 Einwohnerinnen und Einwohnern Hiroshimas tötete die Atombombe zwischen 90.000 und 120.000 Menschen, die unmittelbar nach der Explosion starben oder in den nächsten Monaten ihren Verletzungen erlagen. Ungefähr 90 Prozent der Stadt wurden zerstört oder schwer beschädigt. Drei Tage später, am 9. August, warf die US-Luftwaffe eine zweite Atombombe auf Nagasaki. Erneut starben Zehntausende Menschen.
Wie viele Staaten besitzen heute eine Atombombe?
Fünf Staaten gehören zu den „offiziellen“ Atommächten: die USA, Russland, Frankreich, China und das Vereinigte Königreich. Hinzu kommen noch vier „De facto“-Atomwaffenstaaten, bei denen man weiß oder davon ausgeht, dass sie Atomwaffen besitzen, ohne dass dies international geregelt ist: Israel, Pakistan, Indien und Nordkorea. Die ersten drei haben den Atomwaffensperrvertrag nie unterzeichnet, der die Weiterverbreitung von Atombomben verhindern soll, Nordkorea ist 2003 aus dem Vertrag ausgestiegen. Israel ist die einzige Atommacht, die bis heute nie offiziell bestätigt hat, im Besitz von Atomwaffen zu sein.
Ein Nachbau der US-Atombombe „Fat Man“ in einem Museum in Oslo. Das Original tötete 1945 Zehntausende Menschen in der japanischen Stadt Nagasaki
Und Deutschland?
Deutschland ist nicht im Besitz einer Atombombe. Allerdings lagern auf dem Gebiet der Bundesrepublik im Rahmen der „nuklearen Teilhabe“ atomare Sprengköpfe der US-Armee, die Deutschland einsetzen könnte, wenn der amerikanische Präsident und die Bundesregierung zustimmen.
Wer darf eine Atombombe besitzen?
Durch den Atomwaffensperrvertrag, der 1968 initiiert wurde, soll die Verbreitung von Kernwaffen verhindert werden. Das heißt: Lediglich jene Staaten, die bereits vor 1967 über eine atomare Bewaffnung verfügten, dürfen laut dem Abkommen Atomwaffen besitzen. Gleichzeitig verpflichten sie sich „zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung unter strenger und wirksamer internationaler Kontrolle“. Staaten ohne Atomwaffen verzichten in dem Vertrag auf die Entwicklung sowie den Erwerb nuklearer Waffen. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) soll die Einhaltung des Vertrags überprüfen. 191 Länder haben den Vertrag unterzeichnet, darunter die Atommächte USA, Russland, Frankreich, China und das Vereinigte Königreich.
Welche Staaten arbeiten an Atomwaffen?
Das lässt sich nicht genau sagen. Die USA und Israel werfen dem Iran vor, insgeheim an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten. Der Iran bestreitet das und sagt, er strebe nur die zivile Nutzung von Atomenergie an.
Aber auch anderen Staaten in der Region wie Saudi-Arabien wird immer wieder vorgeworfen, sie würden heimlich an Bomben basteln. Bisher gibt es allerdings keine gesicherten Anhaltspunkte dafür. Angesichts der angespannten Sicherheitslage in Europa und dem seit der zweiten Amtszeit Donald Trumps instabilen Verhältnis mit den USA wird auch in Deutschland darüber diskutiert, ob die Bundesrepublik eigene Atomwaffen zur Verteidigung entwickeln sollte.
Wie viele Atomwaffen gibt es weltweit?
Derzeit sind dem Forschungsinstitut SIPRI 12.241 atomare Sprengköpfe weltweit bekannt. Den größten Anteil daran hat Russland mit 5.459 nuklearen Sprengköpfen. Direkt danach folgen die USA, die 5.177 Sprengköpfe in ihrem Arsenal haben sollen. Die Zahl der Atomwaffen ist durch den Abbau von Altbeständen leicht gesunken. Leicht zugenommen hat allerdings die Zahl der einsatzbereiten Sprengköpfe.
Dieses russische Interkontinentalraketensystem, fotografiert in Moskau, kann für atomare Sprengköpfe genutzt werden
Kam es denn nach Hiroshima und Nagasaki noch mal zum Einsatz von Atomwaffen?
Nein. Seit den ersten beiden Abwürfen während des Zweiten Weltkriegs hat nie wieder ein Staat Atombomben im Krieg gegen Menschen eingesetzt. Während des Kalten Krieges kam es allerdings immer wieder zu Vorfällen, die zu einer atomaren Auseinandersetzung zwischen den USA und der Sowjetunion hätten führen können.
Könnte es wieder dazu kommen?
Im Kaschmir-Konflikt stehen sich die beiden Atommächte Indien und Pakistan gegenüber. Immer wieder eskaliert der Streit um die Region in bewaffneten Auseinandersetzungen, zuletzt im Mai 2025. Allerdings schrecken bisher beide Seiten davor zurück, ihr atomares Arsenal einzusetzen.
Auch im Nahen Osten wird immer wieder befürchtet, es könnte zu einem atomaren Wettrüsten kommen. Im Juni 2025 griff Israel, nach einer konfliktreichen Vorgeschichte, den Iran an. Nach eigenen Angaben, um dessen Nuklearprogramm zu stoppen. Der Iran reagierte wiederum mit Raketenbeschuss auf Israel. Auch die USA griffen ein.
Und in Europa?
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Sorge vor einem atomaren Krieg zwischen der NATO und Russland wieder aufleben lassen.
So hat Russland seine Atomdoktrin verschärft, die erläutert, wann das Land Atomwaffen einsetzen würde. Eine Neuerung ist, dass Moskau auf Aggressionen eines Staats ohne Atomwaffen, der aber von Atommächten unterstützt wird, auch mit Atomwaffen reagieren könnte. Konkrete Hinweise auf einen bestimmten Staat gibt es darin zwar nicht, aber die Ukraine wird zum Beispiel militärisch von den Atommächten USA, Großbritannien und Frankreich unterstützt.
Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.